Gschpürsch mi?

Mattea Meyer geht es wieder gut. Tamedia weniger.

Natürlich ist es immer schön, wenn sich ein Mensch nach tiefer Erschöpfung wieder einsatzbereit fühlt. Also darf Tamedia weltexklusiv vermelden: «Die SP-Co-Präsidentin kehrt nach einer fünfmonatigen Erschöpfungspause zurück ins Bundeshaus.»

Damit dieser kühne Plan auch gelingt, führen die beiden sensiblen und achtsamen Journalisten Philipp Loser und Mario Stäuble ein Interview mit der Genesenen, aus dem der Schleim in grossen Mengen tropft.

Nach dem einfühlsam-obligatorischen «Frau Meyer, wie geht es Ihnen?», hätte man vielleicht die eine oder andere kritische Frage erwarten dürfen. Einfach so, weil es sich für anständigen Journalismus gehören würde, einer Politikerin nicht einfach eine PR-Plattform in eigener Sache zu bieten.

Stattdessen reines Geschleime nach der Devise: was wollten Sie schon immer mal ungestört über ihre Erkrankung sagen? Wie möchten Sie sich im besten Licht darstellen? Ein Primarschüler, vor die Aufgabe gestellt «interviewe einen Politiker», hätte intelligentere Fragen gestellt als «Was machten Sie konkret in der Pause? Hatten Sie auch professionelle Hilfe? Was war die wertvollste Einsicht, die dabei herauskam? Hatten Sie Angst, nie mehr zurückzukommen

Immerhin, zweimal rutscht den beiden eine pseudo-kritische Frage durch: «Es gab aber auch Kritik: Sie würden auf Kosten der Steuerzahler Ferien machen.» Bei der zweiten disqualifizieren die beiden Gutmenschen die Frage gleich durch die einleitende Wertung: «Gleichzeitig ätzten manche bürgerliche Politiker hinter vorgehaltener Hand: Jetzt haben die doch ein Co-Präsidium – und trotzdem ist die Meyer erschöpft.»

Das ganze Interview wirkt so leblos, dass der Verdacht entsteht, es sei schriftlich geführt worden. Oder kräftig redigiert und glattgespült.

Sie lassen Meyer sogar ohne Nachfrage durchgehen, dass sie ihr Problem ins Allgemeine hebt: «40 Prozent der Arbeitnehmenden fühlen sich oft erschöpft. Unsere Leistungsgesellschaft kann gnadenlos sein.» Es soll sich dabei aber laut Selbstauskunft um eine «emotionale Erschöpfung» handeln, was immer das sein mag. Müsste man dann also, au weia, damit rechnen, dass potenziell 40 Prozent aller Werktätigen mal Erschöpfungspause machen werden?

Natürlich darf und kann jeder Mensch krank werden. Da es Meyer offenbar gelungen ist, sich zu 100 Prozent krankschreiben zu lassen, konnte sie einen Arzt davon überzeugen, dass sie tatsächlich nicht arbeitsfähig ist. Allerdings ist «Erschöpfung» keine ärztliche Diagnose. Wenn schon, wäre es ein Burnout, eine Depression, das Chronik Fatigue Syndrome oder eventuell eine Neurasthenie.

Die zweite Frage wäre gewesen, ob jemand, der eine traditionelle und grosse Partei leitet, bei diesem Symptomen nicht von seiner Position zurücktreten sollte. Vor allem, da der zweite Häuptling auch dazu neigt, sich seine Ferien durch nichts vermiesen zu lassen, nicht mal durch eine massive Kritik eines angesehenen Parteigenossen.

Die dritte Frage wäre, ob eine Politikerin, die zudem Mitglied des Nationalrats ist, in diversen Kommissionen sitzt und natürlich auch im Parteipräsidium, eine Lücke hinterlässt, die sie vollständig ersetzt. Und wenn das so wäre, wieso muss sie sie dann wieder ausfüllen?

Die vierte Frage wäre: da Cédric Wermuth nach eigenem Bekunden als Mann viel besser die Anliegen der Frauen vertreten kann als die Frauen selbst: wieso braucht es da eigentlich eine Co-Präsidentin? Die zudem nach Kräften darum bemüht ist, einige Vorurteile gegen Frauen in der Politik zu bestätigen.

Die fünfte Frage wäre, ob es dann zutrifft, dass Meyer ihre Auszeit auf Kosten der Beitragszahler der Krankenkassen genommen hat und wer nach welchen Kriterien entschieden hat, dass sie happige fünf Monate dauern soll.

Und die letzte Frage wäre: in der freien Wildbahn, also bei einem normalen Angestelltenverhältnis, kann ein Arbeitgeber einen kranken Mitarbeiter auch kündigen. Da gelten zwar gewisse Sperrfristen, aber «ich bin krank, daher unkündbar», das gilt natürlich nicht. Zudem wäre auch die Frage denkbar, ob es sich um eine selbstverschuldete Krankheit handle.

Aber eben, das wären für die Wohlfühl-Fraktion des Tagi Fragen eines Unmenschen, die den Leser nicht zu interessieren haben. Und würde er sie sich selber stellen, wäre er auch ein Unmensch und sollte sein Tagi-Abo umgehend kündigen.

 

8 Kommentare
  1. Marcel
    Marcel sagte:

    Am 30.11.2025 kündigte Meyer ihre Erschöpfungsauszeit an, just an dem Tag an dem der JUSO Stosstrupp die Zukunftsinitiative verloren hat und der Weltschmerz die nicht sonderlich resiliente Mattea so dermassen heftig an die Wand klatschte für fast 5 Monate.
    Und jetzt ist sie wieder da – dank von der KK bezahlten Therapeutin weiss sie jetzt, dass sie nicht die Superheldin und Powerfrau ist, die sie vielleicht gerne wäre und wie die angeblich 40% der Bevölkerung auch nur einen Schritt neben dem psychischen Abgrund durchs Leben geht.
    Sie hat schon immer etwas wie ein wehleidiges Huscheli gewirkt neben dem selbstgefälligen Gockel Wermuth sowieso, welches unter dem Weltschmerz und all den Ungerechtigkeiten auf dieser Welt sichtlich leidet.
    Dazu als Co-Präsidentin hat sie noch all die Medienauftritte, muss an irgendwelche Parteihundsverlochte, die Elefantenrunde, den Meyer & Wermuth Holzkarnückelstall auf Youtube, in die Arena und 100+ Chatgruppen etc.
    Und jetzt nach der Therapie macht sie genau gleich weiter bis sie vom Weltschmerz dann wieder an die Wand geknallt wird — dann vermutlich für immer.
    Aber vermutlich braucht sie das Extrageld für die Co-Parteileitung dringlich von 40’000 (inkl. 5000 Spesen) um die Familie durchzufüttern, denn ihr Lebenspartner & Kindsvater, ein abgehalfteter SP Politiker ohne Funktion wird in seiner Kampagnenagentur «digital/organizing» wohl eher unregelmässig Lohn und Brot nach Hause bringen.
    Und so wird sie wohl auch weiterhin mit Cédric versuchen die CH zu einem Nanny Staat von der Wiege bis zur Bahre umzugestalten bis sie das nächgste mal zusammenklappt

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  2. kalme
    kalme sagte:

    Unter Berücksichtigung meiner gewichteten Beobachtungen schätze ich ein, dass Politiker sich gegebenenfalls zu ernst nehmen könnten. Ebenso beobachte ich subjektiv, dass Mitglieder der Partei „die Mitte“ nach dem Verzicht auf ihr Logo „Christlichdemokratische Volkspartei“ grüner wirken und stärker kameradschaftlich erscheinen, wodurch der Name „die Mitte“ verwirrend wirken könnte.

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  3. Marcella Kunz
    Marcella Kunz sagte:

    «Meyer» demnächst in der SRF-Arena. Oder schon im kurzfristig geänderten Club. Man stelle sich vor, sie wäre von einem ihrer Ämter zurückgetreten: Opfer, zahllose Anträge, Interpellationen im Parlament. An der Grenze zur Regierungskrise. Normalos wäre längst gekündigt worden, zu Recht.

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  4. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    2 Journalisten für 25 teils banale Fragen das kann sich nur die geschützte Werkstätte an der Werdstrasse leisten. Positiv der abservierte Co-Chefredaktor Stäuble hegt keinen Groll und kann auch unter Loser arbeiten!

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  5. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Als Journi hätte ich gefragt, ob sie sich das wirklich alles
    weiterhin antun wolle. Das Polit-Business ist nun einmal eines
    der dreckigsten! Die äusserst sympathische Mattea Meyer könnte
    ja z.B. im Vorstand einer echt sozialen Institution ihre zweifellos
    wertvollen Erfahrungen einbringen.
    Soll aber keine Kritik sein. Von Herzen alle Gute.

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