Mal wieder die SoZ

Ein Artikel ragt aus allem heraus.

Spontan war unsere Aufmerksamkeit auf hundert:

Denn natürlich hatte ZACKBUM den spontanen Geistesblitz, ganz ohne Stromschlag: Wäre das nicht eine sinnvolle Behandlung für Journalisten? Ewige Bauchnabelbetrachtung, den Leser unter der eigenen, völlig unerheblichen Meinung leiden lassen, ungefragt und ungehört Ratschläge erteilen, schamlos die eigene Familiengeschichte ausbreiten.

Sieht man das richtig, also als potenziell pathologisches, auffälliges Verhalten, wäre es doch einen Versuch wert, das mit Elektrokonvulsionstherapie zu behandeln. Schliesslich zucken die Leser immer häufiger konvulsivisch, wenn sie durch die Seichtgebiete modernen journalistischen Gehampels waten müssen.

Beispiele aus der aktuellen «SonntagsZeitung»? Bitte sehr. Für einmal lehnt sich Arthur Rutishauser zu weit aus dem Fenster. Er fordert die Eidgenossen mal wieder auf, sich von fremden Händeln fern zu halten. So weit, so gut. Aber leider war die Deadline halt Samstagabend, so dass der Leser am Sonntag erstaunt liest, dass es Friedensgespräche in Islamabad geben soll. Dabei weiss er, dass die stattgefunden haben und gescheitert sind.

Das könnte man mit etwas Trump-Kenntnis vorausahnen. Eine nette Seitenlinie zieht dann allerdings Fabian Fellmann: «Islamabad statt Genf: Welche Stellung hat die Schweiz noch auf internationaler Bühne?» Die Antwort wäre einfach: je mehr sie die Position strikter Neutralität verlässt, desto kleiner ist sie.

Dafür braucht es dann allerdings kein Riesenfoto und eine ganze Seite Text.

Dann darf Gewerkschaftsboss Pierre-Yves Maillard mit der üblichen Rabulistik auf Rudolf Strahm eindreschen, kaum gebremst durch kritische Fragen, um dem Abwesenden wenigstens etwas Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. In den Fragen werden zwar einzelne Aussagen Strahms kurz erwähnt, wenn Maillard dann aber in seinen Antworten herumschwurbelt, gibt es keine einzige kritische Nachfrage.

Dann, lang lebe die Frauensolidarität, interviewt Nadja Pastega Chantal Galladé. Chantal who? Nun, der Anlass ist, dass sie anscheinend nach 30 Jahren aufhört zu politisieren. Während dieser Zeit führte sie ihr Weg von der SP zur GLP. Und wirklich Bedeutendes hat man von ihr in den letzten Jahren auch nicht gehört. Wirklich ein Anlass, eine Doppelseite mit einem Riesenbild und einem Wohlfühl-Interview zu füllen?

In der Wirtschaft, das muss ja eine Saure-Gurken-Woche gewesen sein, gibt Hans-Jürgen Maurus Geografieunterricht und belehrt den Leser, dass es im weltweiten Güterverkehr vier Nadelöhre gebe. Mindestens drei davon (wohl nicht alle kämen auf die Strasse von Malakka) kennen eigentlich alle Leser, die dafür nicht auf einer Seite aufgerüstet werden müssten.

Und eigentlich sind es acht, aber wenn man halt keine Zeit zum richtig Googeln hat …

Dann ein Beitrag zu: es geht nichts über eine knackige Ansage. Ob die eintrifft oder nicht, das interessiert in einer Woche keinen mehr. Diesmal: Der «Netzaktivist» Cory Doctorow «ist überzeugt, dass die Techgiganten das Internet ruinieren. Und dass die Milliardenblase um KI bald platzen wird». Na dann, benützen wir das Internet, solange es nicht ruiniert ist.

Neben wilden Prognosen sind neue Wellen der zweite Notnagel für händeringend nach Storyideen suchende Journalisten. Diesmal neu: die «digitale Ausgrenzung». Das ist eine Riesenwelle: «Über 20 Prozent der Erwachsenen in der Schweiz stossen dabei an ihre Grenzen.» Quelle? Der «Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben». Wahnsinn. Dann muss man der abstrakten Zahl nur noch ein Gesicht geben: «Drei Betroffene erzählen». Grosse Leistung: drei Menschen zu finden, die sich in der Abwägung, sich öffentlich zum Deppen zu machen und andererseits in die Zeitung zu kommen, für den kurzen Ruhm entschieden haben.

Zum Thema Kulinarik ist auch niemandem nichts eingefallen: «Diese Küchenhelfer sind unentbehrlich». Schnarch, gähn.

Dann hat «Tennessee Tourism» seines Amtes gewaltet: «Warum es immer noch gute Gründe gibt, in die Vereinigten Staaten zu fahren». Nun, einer ist den Lesern leider nicht zugänglich: man kriegt die Reise bezahlt.

Tja, und dann eben das Lob der Stromschläge als Therapie. ZACKBUM ist völlig vom Nutzen überzeugt.

PS: Und bevor einer vorwurfsvoll auf den Kalender schaut: ja, ist ein Weilchen her seit der letzten SoZ. Aber wenn so viel passiert …

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