Der Wal hat die Qual
Die Welt ist besser geworden. Ein gestrandeter Wal schwimmt wieder. Und wieder nicht.
Jö. Da verirrt sich ein Wal auf eine Sandbank und kommt aus eigenen Kräften nicht von ihr runter. Er weigert sich auch, allen Lockungen nachzugeben und sich um 180 Grad zu drehen, damit er sich freischwimmen könnte.
Aber dann, unter Einsatz von Baggern, Saugern, schwerem Gerät und unter weltweiter Anteilnahme, dem Erscheinen von Politikern vor Ort gelingt es tatsächlich, den Wal wieder flott zu machen. Nur damit er sich wieder und wieder in den Sand setzt.
226 Treffer verzeichnet die Mediendatenbank SMD zum Stichwort Wal in der letzten Woche. «Der Wal schwimmt Richtung Freiheit», jubelt Watson. «Kam der Wal zum Sterben in die Ostsee?», barmt bluewin. «So verlief die Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal an der Ostsee – in Bildern», gibt sich die NZZ betont nüchtern. «Gestrandeter Wal befreit sich – und hat nun Polizeischutz», vermeldet Nau.ch nicht ganz korrekt.
«Der Wal ist frei», bringt es die taz auf den Punkt. «Wal in Sicht», versucht sich SRF in Dadaismus. «Niemand glaubte an ihn – dann gelingt dem Wal das Wunder», schwurbelt bluewin wie besinnungslos.
Tierschützer haben Tränen in den Augen, auch hartgesottene Zeitgenossen begleiteten die Rettungsversuche mit Anteilnahme und freuten sich über ein vorläufiges Happy End.
Die Gelegenheit für ZACKBUM, Gegensteuer zu geben und gegen den Strom zu schwimmen. Eigentlich braucht ein Buckelwal mindestens 100 Meter unter seinem Bauch. Es ist also schon mal bescheuert, in die flache Ostsee zu schwimmen. Sich dort dann zu verschätzen und sich auf einer Sandbank sozusagen festzufahren.
Würde das einem Schiffskapitän passieren, er wäre sich öffentlicher Häme sicher. Aber statt das Missgeschick des Wals als Ausdruck des survival of the fittest zu nehmen und zu hoffen, dass dieser Wal seine navigatorische Unfähigkeit nicht vererben kann, wurde eine ganze Kette von Rettungsmassnahmen gestartet.
Man scheute weder den Aufwand für Mensch noch Material, noch gab man nach ersten Rückschlägen auf, obwohl zwischenzeitlich die Rettungschance eher pessimistisch beurteilt wurde. Aber das konnte natürlich auch ein geschickt eingesetztes dramaturgisches Element sein.
In der gleichen Zeit gab es ein anderes Stichwort, das weniger als 100 Treffer erzielt, dabei auch häufig nur so im Vorbeilaufen erwähnt wird. Hier handelt es sich nicht um einen gestrandeten Wal, sondern um das zurzeit grösste Menschheitsverbrechen. Richtig, das Stichwort lautet Sudan.
Hier gibt es bis zu 400’000 Tote (oder noch viele mehr, wer erfasst schon diese Zahlen einigermassen behaftbar). Über 15 Millionen Menschen wurden vertrieben, 30 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen.
Es handelt sich ohne Zweifel um die aktuell grösste humanitäre Krise der Welt, um ein Grauen von einem Ausmass, für das einem die Worte fehlen und der Atem stockt.
Bloss: diese Menschen sterben am falschen Ort, haben die falsche Hautfarbe. Es gibt nicht genügend Rohstoffe, um ein Eingreifen der Grossmächte zu provozieren.
Also kommt hier niemand auf die Idee, eine Rettungsaktion zu starten. Die Medien entledigen sich unwillig ihrer Berichterstatterpflicht, aber viel wichtiger ist doch: wie geht’s denn dem Wal zurzeit? Braucht er weiter Hilfe, Streicheleinheiten, Schwimmunterricht, Orientierungshilfe?
Die Qual mit dem Wal. Wir leben in einer perversen Welt.











Wieso kann die „Exit“ – Sterbehilfe nicht auf die tierische Welt erweitert werden? Wir verstehen ja sowieso nicht was deren Bedürfnisse sind.
Dem Wal kann man den Gnadenstoss versetzen, wenn er denn unbedingt nicht mehr schwimmen will – oder man kriegt ihn mit einiger gemeinsamer Anstrengung wieder frei.
Was hingegen soll das Ausland im Sudan erreichen und wie? Wenn es die Sudanesen und einige andere nicht hinkriegen, ihr Land zu stabilisieren und lebenwert zu machen, dann heisst das doch, dass das eine gescheiterte Nation ist. Jetzt kann man sich natürlich fragen, was machen damit. Vor 200 Jahren hätten Briten, Franzosen, Deutsche etc. nicht gezögert und dem Land die «Segnungen ihrer Zivilisation» gebracht, aber die Zeiten sind vorbei. Was sollen wir aus Europa heraus mit solchen Ländern heute tun?
Was funktioniert im Sudan Mali, Tschad, Äthiopien, Eritrea, Somalia etc. alles nicht? Von aussen gibt es für solche Länder keine (Er)Lösung. Die Lösung muss von innen her kommen, alles andere ist Neokolinialismus. Trump und Rubio sammeln in Sachen Neokolonialismus gerade Erfahrung in Venezuela und möchten ihren Wissenshorizont dringend um den Iran erweitern. Wer weiss, was noch alles möglich ist in diesen Zeiten.
Denn Zustand von Deutschland erkennt man neben vielem anderen daran – dass sie zu Doof sind – denn Wall zuerst einmal von dem Fischernetz zu befreien – was wahrscheinlich die Ursache für die Lebensmüdigkeit des Walfischs ist.
Andere Gründe wieso er an Land flüchten will, sind die Meeresverschmutzung. Plastikmüll ist nicht gerade ein bekömmlicher Planktonersatz. Dazu noch der Lärm von den großen Schiffen wie Flugzeugträger, Tankern, Kreuzfahrtschiffe, Fischerboote etc. – welche die Panik dieser sanftmütigen Riesen verursachen und ihre Navigation durcheinander bringen. Es ist der Mensch der diese Probleme verursacht – und mit dieser Wallrettung dann demonstrieren will – was für ein Guter Tierliebender und die Natur achtender Mensch er doch ist – während sein Müll bereits am Nord- und Südpol massenhaft im Meer treibt.
Ich habe in Süd-Thailand den Plastikmüll im Meer gesehen, nahe dem Hafen von Phuket. Man brauchte beim Tauchen zum einsammeln von Massenhaft Plastiksäcke nur die Arme auszustrecken. Fische und Muränen mit abgerissenen Fischerhacken im Maul oder Fischernetz Resten umwickelt, Netze von denen sie sich nicht mehr selbst befreien konnten. Ich habe Fische mit dem Tauchermesser aus Fischreusen befreit die von den Bojen abgerissen auf dem Grund lagen – und dafür tiefere Tauchgänge riskiert.
Nachts konnte man die vielen großen Fischerboote draußen auf dem Meer, nebeneinander wie auf Perlenketten gereiht, mit ihren Scheinwerfern sehen, wie sie mit ihren Netzen den Meeresgrund durchpflügen wie der Bauer den Acker. Aber irgendwie müssen die mit Plastikmüll gefütterten Thunfische und Sardinen – mmmhhh lecker – ja in die Dosen kommen, die im Supermarkt in den Regalen der Wohlstandsverwahrlosten stehen.
Wie sagte ein weiser roter Indianer Häuptling: “Die Bleichgesichter werden erst dann damit aufhören die Mutter Erde zu zerstören – wenn sie merken das man Geld und Gold nicht essen kann.“
Woher die Opferzahlen? 400‘000 werden für Jemen herumgeboten. Auch für Sudan?
Warum belästigt uns Herr Zeyer dauernd mit Sudanesen? Sollen doch die Afrikaner den Sudanesen helfen. Oder die Kubaner oder Russland, die in Afrika für die ‚Befreiung‘ gekämpft haben. Schöne Befreiung! Jedenfalls sind die Afrikaner offenbar absolut Beratungs – resistent und somit für ihr Schicksal selbst verantwortlich. Wir sollten hier keine reinlassen. So lernen sie es nie. Wie Süditalien. Da ändert sich auch nie etwas. Wegen der Zeyers dieser Welt.
Nein Herr Wüst, die Afrikaner sind auch hier nicht selber Schuld. Offenbar haben die Öl-Scheichs in Afrika eine tolle Anlagechance für ihre Fantastillionen gefunden. Siehe z.B. hier https://www.dw.com/de/wie-%C3%A4thiopien-und-die-vae-den-b%C3%BCrgerkrieg-im-sudan-befeuern/a-76025552 oder hier https://www.srf.ch/audio/echo-der-zeit/welche-rolle-spielen-die-emirate-im-sudan?partId=34CEF-JhDF-yZyUcKpjjQ6rp0hQ.
Das wird alles stimmen, aber ich weiss immer noch nicht, was ‚wir‘ dort sollen. Militärisch intervenieren? Wer gebau?Zudem: Wenn wir dort Flagge zeigen, hockt der ganze parasitäre Teil der Bevölkerung bei uns. Nein, danke. Das sind keine Freunde von mir.
Wohl eher wegen Dumpfbacken wie Ihnen.
Leute ankeifen hier hilft dem Sudan nicht. Sie dürfen gerne vor Ort etwas bewirken. Israel ist ein Freund, da helfe ich gerne.
Schöne Freunde haben Sie:
https://www.btselem.org/publications/202601_living_hell
Der Wal hat keine Wahl. Der Mensch schon. Ob den Sudan, den Iran
oder Gaza betreffend. Wer sich um das Schicksal von Tieren foutiert,
dem sind auch meistens die Menschen egal.
Nein, oh Füglistaler! Ein Klügerer meine korrekterweise: Wenn die Tierliebe sentimental wird, bleibt die Menschrnliebe auf der Strecke. Oder so ähnlich sinngemäss. Knapper und besser formuliert wahrscheinlich.
Naja, der Wal…
Ich verfolge dieses Geschehen nicht, aber mich stört der Hype auch nicht.
Die Menschen mögen solche Geschichten. Es gab 1966 schon einen Weisswal im Rhein, was damals anscheinend ein grosses Thema war.
Wenn Sie alles «Unwichtige» aus der Berichterstattung entfernen wollen, dann könnte man das ganze Thema «Sport» streichen.
So würden viele Seiten und Sendeminuten für «Wichtigeres» frei.
Aber ja, «Panem et circenses».
Und der Sudankonflikt ist zweifellos fürchterlich, aber es ist (noch) ein innerstaatlicher Konflikt.
International «geholfen» wird ja schon mit Waffenlieferungen an beide Konfliktparteien.
Die Afrikanische Union und die UN bemühen sich recht erfolglos um eine Lösung.
Möchten Sie, dass Trump dort «Ordnung macht»?
Ich bin zur folgenden Erkenntnis gelangt: Das Leben ist ein Reality-Format. Gott ist ein Computer, der Heilige Geist das Betriebssystem und Jesus ein Administrator. So wird vieles für mich plausibel an Absurditäten und Dramen.
Viel einfacher: Hanlon‘s Rasiermesser.
Danach gibt es keinen Grund, irgend ein Mastermind oder einen bösen Spielleiter anzunehmen, wenn schiere Dummheit als Erklärung eines Phänomens ausreicht.
Ockhams Rasiermesser! Ich habe mich unterschätzt. Ich bin viel intelligenter als ich dachte.
Nö, Hanlons. Nicht Ockhams.
Die Norweger, Isländer und Färinger schütteln den Kopf über die rührselige Wal-Story in Norddeutschland. In Skandinavien werden Wale harpuniert oder abgestochen. In Restaurants in Norwegen kann Hval mit Kartoffel-Gratin und dazu Rotwein bestens empfohlen werden. Mundet ganz ausgezeichnet.