Achtung, «Spiegel»

Schon wieder? Ist’s diesmal wenigstens wahr?

Nach der verbalen Belästigung, nach der Beweisumkehr, dass die Beschuldigung sexuelle Belästigung nicht bewiesen werden muss, weil sie auch auf einem Gefühl beruhen kann, gibt es jetzt neu die «virtuelle Vergewaltigung».

Weiss auf Schwarz schenkt der «Spiegel» seine neuste Titelgeschichte über angebliche «sexualisierte Gewalt» ein. Das letzte Mal ist das nicht wirklich gut gegangen. Der Frontalangriff auf den Sänger von «Rammstein» endete kläglich und peinlich.

Nun also eine Schauspielerin und Moderatorin, die nach einer Scheidung ihren Ex-Mann beschuldigt. «Der soll pornographische Bilder und Videos verschickt haben, in denen Frauen auftreten, die ihr täuschend ähnlich sehen». Er soll sich zudem über Fake-Accounts als Collien Fernandes ausgegeben und mit Männern zum Telefonsex verabredet haben.

Woher der «Spiegel» das wissen will? Von Fernandes:

«Später soll er angefangen haben, über die falschen Profile zu sprechen, über die darüber verschickten Fotos und Videos, den Telefonsex. Er müsse ihr etwas beichten, soll er gesagt und dabei am ganzen Körper gezittert haben. »Ich war das, ich habe das getan«, habe er dann erklärt. So erzählt es Fernandes.»

Was sie getan hat: «Fernandes erstattete Ende 2025 in Spanien Anzeige gegen Ulmen, es geht um verschiedene Delikte: Anmaßung des Personenstands, öffentliche Belei­digung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholte Kör­perverletzung im familiären Nähe­verhältnis und schwere Bedrohung. Ihre Anwälte reichten den 40-seitigen Schriftsatz beim Bezirksgericht in Palma de Mallorca ein, bei der Abteilung, die Gewalttaten gegen Frauen verfolgt.»

Der Beschuldigte will sich zu den Vorwürfen nicht äussern. In den 34’500 A der Titelgeschichte streut das Hamburger Blatt nebenbei ein: «Das Verfahren in Spanien befindet sich noch in einem frühen Stadium, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.»

Um fortzufahren: «Die Recherchen des SPIEGEL legen nahe, dass das Paar eine toxische Beziehung geführt hat, die über viele Jahre mutmaßlich von Machtdemons­trationen, Manipulationen und teils auch Übergriffen Ulmens geprägt war.»

Wenn die Unschuldsvermutung tatsächlich noch etwas gelten würde, hätte das Schweigen des Beschuldigten den «Spiegel» zumindest zu Vorsicht anhalten sollen.

Denn es gibt nicht nur Rammstein, es gibt nicht nur das Relotius-Problem, das bis heute anhält. Nämlich dass dessen Fälschungen nur möglich waren, weil sie Narrative der «Spiegel»-Leitung bedienten.

Das letzte Mal, als der «Spiegel» einer angeblich übel sexistisch misshandelten Frau das Wort erteilte, stellte sich im Nachhinein heraus, dass fast alle ihre Anschuldigungen falsch oder nicht beweisbar waren. Dennoch kosteten sie dem Beschuldigten seine Reputation und seine Karriere.

Besonders bitter für ihn war, dass er aus Geldmangel den Versuch aufgeben musste, den «Spiegel» ins Recht zu fassen. Nur Roger Schawinski ging damals der Sache auf den Grund und veröffentlichte seine Recherche als Buch, In dem er überzeugend darlegte, wie der ehemalige Chefredaktor zum Opfer einer frustrierten Karrieristin wurde.

Aber aus dieser Peinlichkeit scheint der «Spiegel» nichts gelernt zu haben. Rico Bandle zählt in einem lesenswerten Kommentar («Im Sog der Empörung») in der NZZ eine ganze Reihe von Fällen auf, in denen das vermeintliche Opfer der Täter war und der angebliche Täter das Opfer wurde.

Andreas Türk, Jörg Kachelmann, Till Lindemann, Luke Mockridge und auch Kevin Spacey: «Den Machtmissbrauch von Männern zu enttarnen, ist fast schon zu einer eigenen journalistischen Disziplin geworden

Natürlich ist es denkbar, dass die Vorwürfe hier zutreffen. Dann ist der Ex-Mann der Schauspielerin wirklich ein besonders abstossender Widerling. Wobei auch sie, wie ihre Vorgängerin im «Spiegel», trotz angeblich schrecklicher Behandlung jahrelang bei ihm blieb.

Sollte sich aber herausstellen, dass die Anschuldigungen auch hier nur teilweise oder im rechtlichen Sinn gar nicht zutreffen, dann ist wieder einmal eine Karriere zerstört.

Noch absurder: inzwischen gibt es Demonstrationen auf den Strassen, machen sich männliche Kampffeministen schwer von der Urschuld niedergedrückt, ein Mann zu sein, tiefschürfende Gedanken, wieso ein solch absonderliches Verhalten wie hier behauptet, angeblich alle Männer etwas angehen würde.

Von denen werden entweder Schuldbekenntnisse oder öffentlich geäusserter Abscheu erwartet. Was angeblich gute Freunde des Schauspielers bereits tun und sich, damit die Sonne der Aufmerksamkeit auch auf sie scheint, öffentlich von ihm distanzieren.

Dass er schweigt, ist wohl nicht die beste Taktik, mit diesen Anschuldigungen umzugehen. Allerdings sollen seine Anwälte bereits Schriftsätze vorbereiten, die den wieder im roten Bereich drehenden Medien Mores lehren sollen. Im Fall des Sängers von Rammstein ist das dem auch hier beauftragten Anwalt vorzüglich gelungen.

Trotz allen Bemühungen des «Spiegel», von einem einzigen Fall auf eine ganze Welle im Internet zu schliessen: diese Problematik geht an der Lebenswirklichkeit von 99 Prozent der Leser vorbei. Bei ZACKBUM sind es 100 Prozent.

Fernandes trat gestern bei einer Demonstration auf – mit schusssicherer Weste, nachdem sie zuvor ihr Erscheinen wegen angeblichen Morddrohungen abgesagt hatte. Wenn das keine geschickte Erregungsbewirtschaftung ist …

 

8 Kommentare
  1. Edie Brown
    Edie Brown sagte:

    „Fall Ullmen – Ein Kartenhaus bricht zusammen: der Spiegel als Arm des SPD-Ministeriums“ lesen. Auf reitschuster.de.

    Antworten
  2. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:

    Natürlich verurteile ich solche Straftaten. Es macht mich stutzig, dass es in Deutschland zur Einstellung führte. So sind dort die Gesetze um einiges weiter als in Deutschland.

    Man wird den Verdacht nicht los, dass das mutmaßliche Opfer, Just zum Zeitpunkt bei der Einführung von neuen Gesetzen, für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Fernandes macht bei zwielichtigen Demos mit, die den mutmaßlichen Täter gezielt vor verurteilen.
    https://www.bmjv.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2026/0320_Digitale_Gewalt.html

    Es erinnert mich an die Causa Lohfink. Das mutmaßlichen Opfer machte auch an Demos mit und wurde von den Medien und der Politik hofiert. Am Ende stellte sich heraus, dass es nie eine Vergewaltigung gab, zwei Männer wurden freigesprochen. Frau L. wurde verurteilt, weil sie sich der Falschbeschuldigung strafbar gemacht hat.

    Der bereits öffentlich verurteilte «Täter» hat die gleiche Kanzlei beauftragt, wie bei Rammstein, gegen den Spiegel vorzugehen. Es wird sich hoffentlich bald aufzeigen, was Sache ist.

    PS: Oberlehrer Bitterli, sofern es Satzzeichen Fehler gibt, schenke ich die gerne…

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert