Manosphere ist Wahnosphere
Männer sind Schweine. Wollen nur das eine. Sich selbst beschimpfen.
Thore Rausch ist ein Jungredaktor bei der «Süddeutschen Zeitung». Er findet Sophie Passmanns neustes Machwerk gut. Als ob ihn das nicht schon genügend disqualifizieren würde, gönnt das Qualitätshaus Tamedia seinen masochistischen Lesern Rauschs neustes Machwerk und empfiehlt es sogar.
100 Prozent der wenigen verbliebenen männlichen Leser dürfen dafür zahlen, dass sie allesamt beschimpft werden. Ungefähr 90 Prozent aller Leser (auch Frauen und everybody beyond) werden mit dem ihnen unbekannten Ausdruck «Manosphere» belästigt.
Für Nixverstan: Die Manosphere ist eine breite, gemischte Online-Szene von harmloser Selbsthilfe bis hin zu stark kontroversen Ideologien. Für Rausch ist es hingegen das Reich des Bösen, die dunkle Männermacht, sie «infiltriert seit Jahren die Köpfe junger Männer und attackiert so Gesellschaft, Bildung und Demokratie».
Himmels willen, keiner hat’s gemerkt, und nun haben wir den Salat: «Frauenhass im Internet beeinflusst Wahlen, Werte und Beziehungen.» Aber Rettung naht, Rausch hat den Durchblick:
«Der Hass auf Frauen trendet immer und überall. Er passt sich an, er trägt neue Masken, er will erniedrigen und zerstören.»
Spätestens seit #metoo sind zwei Tatsachen unbestreitbar. Viele Frauen haben zu recht männliche Übergriffe und sexistisches Verhalten angeklagt. Manche Frauen haben diese Welle missbraucht, um Männer zu denunzieren und mit Falschbeschuldigungen fertigzumachen. Die Liste ist lang und wird weiterhin länger.
Ein ehemaliger Chefredaktor des «Magazin», der Sänger von Rammstein, der Schauspieler Kevin Spacey, und, und, und. Das ändert nichts daran, dass es widerwärtige Sexisten gibt. Aber der Vorwurf «sexueller Übergriff, auch verbal» ist eine Anschuldigung, bei der nicht die Unschuld-, sondern die Schuldvermutung gilt, der Beschuldigte sich (meist vergeblich) um den Beweis des Gegenteils bemühen muss. Es ist eine Anschuldigung, bei der keine objektivierbaren Tatsachen und Beweise zählen, sondern der Eindruck, das Empfinden des angeblichen Opfers.
Nun kommt eine neue Dimension hinzu. Im einschlägig bekannten «Spiegel», der schon Falschbeschuldigungen in mehreren Fällen veröffentlichte, beschwert sich eine bislang weniger bekannte Moderatorin, dass ihr Ex-Ehemann ihr gestanden habe, Fake-Accounts unterhalten zu haben und dort auch pornografische Deepfake-Videos von ihr verschickt zu haben. Er habe sich dabei beim Telefonsex mit Männern als Frau ausgegeben. Ihre Anschuldigung: «Du hast mich virtuell vergewaltigt.»
So nebenbei als kurzer Lacher: Es gilt die Unschuldsvermutung, der Anwalt des Beschuldigten spricht von «unwahren Tatsachen».
Aber so leicht kommen wir alle Männer natürlich nicht davon: «Trotzdem fällt es – mit Blick auf die verhaltenen öffentlichen Reaktionen von Männern auf den Fall Fernandes – vielen Männern offenbar immer noch leicht, wieder zum Alltag überzugehen. Sinngemäss: schlimm, klar, aber hat doch nichts mit mir zu tun.»
Falsch, donnert Rausch. Da müssen wir Männer von ZACKBUM und herum ihm klar entgegenhalten: natürlich hat das nichts mit uns zu tun, Sie Dummschwätzer. Wir verwahren uns dagegen, wegen ein paar durchgeknallten Triebtätern im Internet in Sippenhaft genommen zu werden. Und noch eine Kleinigkeit, Herr Rausch: wenn das allgemein gilt, dann sind Sie selbst doch auch betroffen.
«Toxische Männlichkeit», verbreitet in Netzwerken, die neue Gefahr. Was früher in der realen Welt beklagt wurde, findet nun im Virtuellen statt: «In Deutschland erlebte in den vergangenen fünf Jahren jede fünfte Frau digitale Gewalt – in der Schweiz dürfte es ähnlich sein.»
Dass eine angebliche Qualitätszeitung einen solchen Schwachsinn publiziert, ist ein weiteres Armutszeugnis. Ein unscharfer (Pardon) Begriff, eine aus der Luft gegriffene Zahl ohne jeglichen Beleg, fertig ist die Drohkulisse. Andere behaupten, jede zweite Frau in der Schweiz habe schon mal unverlangt ein Dickpic zugeschickt bekommen, Habakuk.
Aber Rausch insistiert: «Und ja, Gewalt ist das richtige Wort.» Wirkliche Gewaltopfer in der realen Welt werden sich dafür bedanken, dass das, was ihnen angetan wird, so missbraucht wird.
Aber damit ist noch nicht der Gipfel der Absurdität erklommen. Der kommt erst am Schluss: «Auf weiblicher Seite diskutiert man längst über Heterofatalismus und die Frage, wie man überhaupt noch mit Männern leben soll.» Zunächst für die absolute Mehrheit, die auch diesen Begriff nicht kennt: Heterofatalismus beschreibt die Einstellung, dass Beziehungen zwischen Männern und Frauen zwangsläufig problematisch, kompliziert oder zum Scheitern verurteilt sind.
Das ist ungefähr so schwachsinnig wie die Möglichkeit, nach innerem Empfinden sein Geschlecht wählen zu dürfen und zu behaupten, dass eine biologische Definition unzulänglich sei.
Wir sind hier nicht in einer Manosphere, sondern in einer Wahnosphere, wo negative Männerfantasien herrschen, unbedarfte Jungschreibkräfte sich Asche aufs Haupt streuen, weil sie halt leider als Mann geboren wurden und unter dieser Last fast zusammenbrechen.
Männer sind Schweine. Manchmal aber auch arme Schweine.











Ich weiss, hier geht’s eigentlich um Medienkritik. Trotzdem: Zum Fall selber hat Boris Reitschuster einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht. Das Ganze ist offenbar nur ein übles, abgekartetes Spiel für politische Zwecke.
Wo?
Reitschuster.de
Da bleibt mir nur der Schnabeltier-Schmollmund.
Kann man lesen, muss man aber nicht.
Gehört es nicht zur Medienkompetenz dazu, solchen Schmarrn weiträumig zu umschiffen?
Für die SZ braucht man ohnehin schon gute Nerven.
Als Christian hat man schon mal schlechtere Karten als A. oder M. Also, liebe zukünftige Eltern, trefft die richtige Wahl.
Das sind doch nur traurige Versuche, die Auflage zu steigern. Zitat aus de.statista.com:
«Generell haben die deutschen Zeitungen mit Auflagenverlusten zu kämpfen: Die verkaufte Gesamtauflage der deutschen Tages- und Sonntagszeitungen sank von rund 30,2 Millionen Exemplaren im Jahr 1995 auf 10,7 Millionen im Jahr 2024. Das schlägt sich auch auf die Umsätze der Tageszeitungen nieder, die 2024 bei rund 6,38 Milliarden Euro lagen. Einer Prognose von PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge werden die Umsätze bis zum Jahr 2029 sogar noch weiter zurückgehen».
Wenn sich Schwachsinniges mit Schwachsinnigem paart, freut sich der Psychiater.