Der Propaganda-Journalist

Urs Gehriger ist immer noch stramm auf Trumps Seite.

Er kann zwar meins und deins nicht immer unterscheiden. Aber seit er als Trump-Groupie seinen Helden im Palast der absoluten Geschmacklosigkeit erleben durfte und über Melanias wippenden Rock schwärmen, hat er das Licht gesehen.

«Ein Bote tritt an Trump heran. Der Präsident steht auf, breitet den Arm um den Emissär und gibt ihm mit seinem weiten Jackett Deckung wie Batman mit seinem Cape. Es ist einer jener intensiven Momente, die Trump-Vertraute die «New Yorker Minute» nennen.»

Gehriger ist sicherlich der einzige Journalist der Welt, der Trump mit Batman verglichen hat.

Aber zurück zur bitteren Aktualität. Da zweifeln doch immer mehr (auch in der «Weltwoche», horribile dictu «Tickt Trump noch richtig?», Wolfgang Koydl) an der Weisheit des Mafioso im Weissen Haus.

Aber auf einen Büttel kann sich Trump verlassen. «Umfragen zeigen: Maga steht mit 94 Prozent hinter «Epic Fury»», weiss Gehriger. Woher er das weiss? Das ergebe eine «Studie» der Vanderberg Coalition, die sei «spezialisiert auf Trump-Wähler, bei bisherigen Umfragen konnte sie eine hohe Genauigkeit ausweisen».

Aber wie seriös ist denn diese Quelle? Nicht wirklich. Keine Angaben zur Methode der Umfrage (Stichprobe, Gewichtung, Zeitraum, Teilnehmerzahl, Fehlermarge): typische Anzeichen für Propagandaumfragen. Hier konkret:

Diese «Umfrage» erfüllt gleich mehrere Kriterien für propagandistische oder unseriöse Daten:

  • nicht überprüfbare Grundlage
    politisch selektive Zielgruppe
    keine Transparenz
    starkes Framing

Die Zielsetzung dieser Beeinflussungsgruppe sind klar: «Die Vandenberg Coalition ist eine gemeinnützige, überparteiliche Organisation, die sich für eine starke und stolze amerikanische Außenpolitik einsetzt, die den Interessen der Amerikaner im ganzen Land gerecht wird.» Stark und stolz, könnte direkt von Trump sein.

Damit zeigen also Gehringers «Umfragen», dass sie gar nichts Aussagekräftiges, dafür lediglich propagandistisch Verwertbares beinhalten. Nun ist der Anlass seiner «epic fury», dass immerhin der Terrorabwehrschef der USA zurückgetreten ist. Er könne seine Tätigkeit nicht länger verantworten, bei diesem Präsidenten, schimpft er.

Gehriger schimpft zurück: «Wer hat je von einem Mann namens Joe Kent gehört?» Dass das daran liegen könnte, dass Kent in seiner Position nicht gerade das Licht der Öffentlichkeit suchte, geschenkt. Auf jeden Fall behauptet der doch, «es habe «keinerlei Geheimdienstinformationen» über einen unmittelbar bevorstehenden iranischen Grossangriff gegeben. Und: Israel und seine Lobby in den USA hätten Trump in den Krieg geködert».

Damit hat es Kent bei Gehriger verschissen: «Kents faktenfreie Klage, geäussert auf Tucker Carlsons Online-Podcast, klingt eher wie eine antisemitische Verschwörungstheorie als glaubwürdige News», behauptet Gehriger verschwörerisch und faktenfrei.

Sicherlich hat Gehriger die ganzen zwei Stunden (!) dieses Podcasts angehört, in dem sich vor allem Carlson episch über das Problem verbreitert, dass Kritiker der US-Aussenpolitik, die sich im Nachhinein als richtig erwiesen, immer steifen Gegenwind kriegen, das sei schon seit dem Vietnamkrieg so gewesen.

Wer sich die zwei Stunden antun will, hört hier einen kompetent und differenziert argumentierenden Kent. Wer das ist, im Übrigen? Kent war 20 Jahre in der US-Armee mit 11 Kriegseinsätzen bei den Special Forces im Kampf gegen internationalen Terrorismus, mehrfach dekoriert.

Einer, der weiss, worüber er spricht, wenn er sagt:

«Ich kann den andauernden Krieg in Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar.»

Nicht nur Carlson oder Kent kritisieren Trump dafür, schon wieder eines seiner Wahlversprechen (keine neuen Kriege) gebrochen und sich konzeptlos in einen völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen den Iran geworfen zu haben, der die gesamte Weltwirtschaft bedroht.

Aber Gehriger rückt alles zurecht:

«Gemäss dem Narrativ von der wegbrechenden Basis sei Trump ein «Blindflieger», der von Israel gesteuert werde. Dissidenten wie Kent sind nützliche Figuren, um dieser Kampagne vermeintlich Gravitas zu verleihen. Mit der Wirklichkeit haben sie wenig zu tun, wie die zitierte Umfrage nahelegt

Nützliche Figuren, um den Ausdruck Idioten zu vermeiden, behauptet die Figur Gehriger. Mit der Wirklichkeit hat allerdings die von ihm zitierte «Umfrage» wenig zu tun, auch scheitert sein Versuch, Kent zu diskreditieren. Zudem zeugt sein Rekurs auf diese unbedeutende Propagandaorganisation, die ausserhalb der Politik in Republikanerkreisen kaum bekannt oder von Bedeutung ist, dass er etwas verzweifelt nach Pro-Trump-Stimmen sucht.

Man fragt sich bloss: wieso tut Gehriger das? Ist er immer noch Melanias schwingendem Rock betört und sieht in Trump die Reinkarnation von Batman? Ob ihm mal einer sagt, dass der Fledermausmann eine Comic-Figur ist?

12 Kommentare
  1. Manfred
    Manfred sagte:

    Es ist sehr aufschlussreich, wie die Diffamierungswelle, die jetzt über Herrn Kent hereingebrochen ist, sich nun hier bemerkbar macht. Das macht sogar vor der alten Dame nicht halt, wo er als Antisemit diffamiert wird, weil er die Regierung Israels für diesen Krieg verantwortlich macht («Joe Kent ist ein antisemitischer Wirrkopf – als Kronzeuge gegen Trump taugt er nicht.», NZZ, 20.3.26). Dass die News von jenseits des grossen Teichs ‚free lunch‘ für die Medien in Europa sind – geschenkt. Aber dass dabei die Propaganda mit übernommen wird, halte ich für bedenklich.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Die Frage ist hat der WeWo «Journalist» Gehriger wieder einmal abgekupfert oder stand er unter Drogen als er den Artikel geschrieben hat.

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Die Frage ist, was Brunner eigentlich tut, wenn er wegen der spezifischen Beschaffenheit eines Beitrages mal nicht direkt auf den Mann spielen kann? Stellt er sich unter Drogen, oder verlümmelt er seine Zeit auf anderen Foren bei der Suche nach geeigneten Figuren, auf die sich leicht spielen lässt?

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      • René Küng
        René Küng sagte:

        Wie lange noch?
        Darf Bitterli auf diesem Forum rumlümmeln, direkt (und übel) auf Mann und Frau spielen und die Manieren à la ‚unter Drogen‘ auch bei zackbum auf IP-Standards runterwürgen?
        Ich begreife nicht, dass solche beleidigenden Posts immer wieder geschaltet werden?

        Womit das geklärt wäre?????

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          • René Küng
            René Küng sagte:

            Hat nichts mit Glaskinn zu tun.
            Mit Anstand
            und lesen können.
            Oder sonst das Vademecum vom 27. August 2020 anpassen oder vom Portal entfernen..

          • René Zeyer
            René Zeyer sagte:

            Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall. Und dann konzentrieren wir uns wieder auf den Inhalt des Artikels, ja?

        • Peter Bitterli
          Peter Bitterli sagte:

          Küng, er kann aber schon soweit verständnisinnig lesen, dass ihm aufgefallen ist, dass der mit den Drogen aus Brunners Textli selber stammt? Man nennt so etwas eine präzise Replik.

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          • René Küng
            René Küng sagte:

            Herr Bitterli, ich schiess mich nicht auf Sie ein, ich beanstande die ‚geraucht‘-Unterstellungen von allen Seiten, die ins zackbum-Forum rüberschwappen – meistens ohne irgendwelche nüchterne, sachlichen oder intelligenten Argumente, die eigenwillige Kommentare wiederlegen würden.

            Ich bewerbe mich auch nicht um ein Jöbli im Moral-Apostel Department bei zackbum INC – aber es hat mit fast jedem Artikel auf zackbum zu tun:
            wenn der Chef die Lümmel und -innen (und schlimmer) in den Schreibstuben, meistens sehr stichhaltig, zurecht- und zusammenstaucht, dann macht er das (hoffentlich nicht nur aus juristischen) Gründen unter Einhaltung von Mindeststandards.

            Aber wie Recht, Anstand, Niveau einfordern bei Andern, wenn hier im Forum die Minimal-Anforderungen NICHT durchgesetzt werden.
            Und ich bin absolut nicht der Einzige der das bemängelt, zu viele, intelligente, inspirierte, manchmal auch ’spitze‘ aber Anständige (und die Vielfalt der Andersdenkenden) sind hier verschwunden.
            Weil es ihnen zu dumm wurde, sich öde anmachen zu lassen?

            Von mir aus gerne zurück zu den Inhalten,
            wenn die Form oder Garderobe eingehalten wird.

          • Armin
            Armin sagte:

            Schaum-vor-dem-Mund Küng macht einen auf Mimimi?
            Wenn hier überhaupt jemand verschwunden ist, dann eher nicht wegen Bitterli.
            Wie sagt der Bayer: „De Guadn hoitn’s aus, um de Andan is ned schod“. 😉

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