Der Grenzgänger

Daniel Ryser hat mal wieder den Arbeitgeber gewechselt.

Der Mann ist flexibler als ein Gummibärchen. Von der WoZ wechselte er zur «Republik», beschimpfte dort in einer selten schlampig recherchierten Serie («Die Infokrieger») alle Kräfte des Bösen wie «Weltwoche» und Co. und insbesondere deren Chefredaktor Roger Köppel.

Dann gab’s bei der «Republik» einen kantigen Abgang. Die «Republik» setzte ihn in bewährter Manier in den Sand und musste ihm ein hübsches Sümmchen zahlen. Aber man hat’s ja.

Dann tauchte Ryser zur allgemeinen Überraschung an der Seite von Darth Vader auf und schrieb fleissig für die WeWo. Rings und lechts, was soll’s, man muss ja von was leben.

Und nun die nächste Häutung, Ryser hat beim «Infosperber» angeheuert. Redaktionsleiter Hannes Britschgis Alterswerk. Ob der Abschied von der WeWo friedlich oder nicht erfolgte, ist nicht bekannt.

Auf jeden Fall eine Gelegenheit für ZACKBUM, sich das Organ, von Urs P. Gasche gegründet, mal genauer anzuschauen. Redaktor René Zeyer war ein Weilchen beim gleichzeitig entstandenen «Journal21» unterwegs, bis er dort die tiefer gelegte Toleranzschwelle übertrat. Unvergesslich, als er sich das letzte Mal in eine Redaktions-Telco einwählte, sich höflich vorstellte, eisiges Schweigen, dann rappelte sich Heiner Hug auf: «Wir wollen hier aber über Dich sprechen, ohne Dich.» So hört sich gelebte Pluralität an.

Das war aufs falsche Pferd gesetzt. «Journal21» riecht immer mehr nach Altherrenschweiss plus leichte Inkontinenz. «Infosperber» hingegen mausert sich trotz bescheuertem Namen immer mehr zu einer lesenswerte Alternativquelle.

«Iran-Krieg: Die Uno und die EU sind die grossen Verlierer», eine Analyse, in der mehr Gehirnschmalz steckt als im ganzen Geseire von Tamedia und NZZ. Ryser richtet in einem grossen Artikel den Amok und Berufs-Provokateur Nicolas A. Rimoldi hin, der mal wieder vor Gericht stand und wegen eines alle Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Blöd-Spruchs verurteilt wurde.

Helmut Scheben geht kenntnisreich der Geschichte der Zensur nach, «Man muss die Verletzung des Völkerrechts klar benennen», sagt Professor Oliver Diggelmann von der Uni Zürich zum Angriffskrieg gegen den Iran. Christoph Schütz macht den Presserat darauf aufmerksam, dass er einmal mehr viel zu spät urteilt und dabei erst noch seine eigenen Richtlinien über Bord wirft.

Gut, es kommentiert auch Werner Vontobel, und eine Kampffeministin macht sich mit einer Brandrede gegen die Bezeichnung «minderjährige Frau» lächerlich. Aber das sind Kollateralschäden.

Dafür haben wir Rudolf Strahm, auch Gasche publiziert weiterhin fleissig und kampfeslustig. Dazu werden auch immer wieder Artikel von Lukas Hässig auf seinem «Inside Paradeplatz» übernommen.

Und neben seinem Stück über Rimoldi hat Ryser bereits wie meist fleissig in die Tasten gegriffen, «Störsender ohne Störung», ein interessanter Kommentar zur SRG-Initiative, bei dem man nicht weiss, ob der Mann nun dafür oder dagegen ist oder nur seine eigene journalistische Zickzacklinie aufarbeiten möchte. Plus natürlich Trump-Bashing, was in der WeWo nicht so genehm war.

Also alles in allem Buntes und Munteres. Stiftungs- und spendenfinanziert, mit dem Slogan: «Infosperber sieht, was andere übersehen».

Manchmal entstehen auch hier Artikel am Schreibtisch, die vor Ideologie triefen und die Wirklichkeit als störendes Element betrachten. So behauptet eine Martina Frei über Kuba: «Kranke und Verunfallte können nicht mehr versorgt werden, weil es an allem fehlt. Schuld ist die Sanktionspolitik der USA.» Erstens waren und sind die USA der drittgrösste Aussenhandelspartner Kubas, was sich schlecht als Sanktionspolitik verkaufen lässt. Zweitens: Schon seit Langem sind Lebensmittel und medizinische Artikel von allen Restriktionen ausgenommen. Nur hat Kuba nicht das Geld, um alles Nötige zu kaufen. Drittens gibt es nun tatsächlich zum ersten Mal ein vollständiges Ölembargo, was natürlich völkerrechtswidrig ist. Und viertens ist die Autoblockade durch ein völlig verfehltes Wirtschaftssystem die Hauptursache für die Malaise. Eine karibisch-fruchtbare Insel, die über 90 Prozent der Lebensmittel importieren muss, das ist ein hausgemachtes Desaster.

Aber man kann halt nicht alles über alles wissen, auch nicht beim «Infosperber». Der dennoch eine interessante Nahrungsergänzung ist.

7 Kommentare
  1. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Ich beginne zu begreifen: Die Welt ist ganz entsetzlich eingerichtet. Das Denken in unklaren Begriffen, das Mäandrieren durch riesige Flachlandschaften von unterschiedlichsten Themen, und das konsequente Formulieren in schwammigen Andeutungen helfen bei der Annäherung an diese Erkenntnis.

    Antworten
  2. Armin
    Armin sagte:

    Nehmen Sie psychoaktive Substanzen ein?
    Wenn ja, welche?
    Wenn Sie es mir verraten, würde ich im Selbstversuch das Gleiche schlucken und während der Wirkdauer noch einmal versuchen, Ihren Kommentar zu verstehen.

    Antworten
    • Armin
      Armin sagte:

      Ups, das war wohl ein Irrläufer. Ich glaube, das gilt auch für den Kommentar von Herrn Bitterli.
      Meine Frage richtete sich an Herrn René Küng.
      Um Ihrem Beitrag folgen zu können, reicht ein Espresso. 😉
      Nichts für ungut.

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      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:

        Genau! Ich vermute, es kann auch passieren, wenn man während des Schreibens andere Fenster öffnet. Oder auch nicht; dann ist es gänzlich selbstverschuldete Fehlplatzierung.

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  3. René Küng
    René Küng sagte:

    Schöner Rundum-blick mit ein paar -schlägen oder Tropfen. Inkontinenz, so hart wie wahr……
    Genau so spitz, wie vielleicht einmal ein nettes, temperiertes Komplimentsms von R. die Kampffeministin etwas milder stimmen wirde…..?

    Aber ein kräftiger Einspruch betreffend Martina Frei muss sein, eine phantastische Frau und Journalistin!
    Nicht nur – aber da herausragend – in Sachen Covid-Weltbetrug, den Sie sehr früh, sehr kompetent und vor allem clever&intelligent gegen alle Hirn-Verbrandtmauern Stück für Stück seziert hat.
    Zuerst mal intern im infosperber gegen den, wie so oft, zaudrigen, ängstlichen, staatsgläubigen Übersperber (damals Chef), dem sie nach und nach die Augen öffnete – ‚man kann halt nicht alles über alles wissen‘.
    Selbst dem Herr Zeyer hätte damals nicht geschadet, Martina Frei zu lesen.
    Mit Gasche bin ich inzwischen im Reinen, wie auch mit dem zbChef (wenn’s nicht um die Unordnung im Kleiderschrank geht… ). Gasche schreibt Klartext über die meisten andern Verbrecher, die die Welt ins Chaos stürzen. Und liess Frau Frei schreiben!

    Martina Frei ist nicht nur eine Journalistin mit Format und Rückgrat, sie ist auch Ärztin.
    Aus diesem Blickwinkel verstehe ich ihren Schmerz, wenn auch das bisher exemplarische Gesundheitswesen von Cuba DURCH DIE USA und deren kriminellen Terror geschleift wird!
    Gewollte Kollateral-Schäden, auf dem gleich niederträchtig perversen Level wie kleine Mädchen bomdardieren.

    Ich streite mit dem Chef hier nicht über Cuba, sein background ist da ein mehrfaches grösser.
    Aber was vom verfetteten Schweizer Gesundheitswesen (und allem andern) nach 2 Jahren Sanktionen (nicht 65 wie Cuba) übrig bleiben würde…….
    Sozialistische Staaten, Strukturen oder Projekte können und wurden seit je her aus ideologischen Gründen sabotiert, unterwandert, vergiftet, bekämpft, sanktioniert.
    Neuerdings sind auch die sozialen Staaten&Strukturen dran (inkl. Demokratie und freie Rede). Die ‚Goldene Milliarde‘ wird klein+unfruchtbar gespritzt. Und per gesteuerter Inflation sanktioniert bis nix mehr da ist……
    Aber die Menschen sind immunisiert gegen solches Verschwörer-Geschwätz, die SRG & System-Medien säuseln weiter die Beruhigungs-Floskeln. Auftrags-Lügner in Sold&Diensten der Mächte, die unsere Gesellschaften auf Technokratie-tauglichkeit nieder trimmen.

    Danke Herr Zeyer für den Ausblick zum einen Teil der noch denkenden kleinen Medien.
    Es gibt noch einiges Anderes, was eine Würdigung (und Des-Diffamierung) wert wäre.
    Auch junge Medien ohne Inkontinenz.
    Gut, wenn Sie ab und zu die Tristesse der heutigen Schurnalistik bloss stellen, aber verschwenden Sie doch weniger Zeit und Lebenskraft mit den Windel-Medien.

    Antworten
    • Armin
      Armin sagte:

      Nehmen Sie psychoaktive Substanzen ein?
      Wenn ja, welche?
      Wenn Sie es mir verraten, würde ich im Selbstversuch das Gleiche schlucken und während der Wirkdauer noch einmal versuchen, Ihren Kommentar zu verstehen.

      Antworten
    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Ich beginne zu begreifen: Die Welt ist ganz entsetzlich eingerichtet. Das Denken in unklaren Begriffen, das Mäandrieren durch riesige Flachlandschaften von unterschiedlichsten Themen, und das konsequente Formulieren in schwammigen Andeutungen helfen bei der Annäherung an diese Erkenntnis.

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