Sonntagsblätter stochern im Nebel, Teil 1

Was machen die Redaktionen mit dem Kenntnisstand bis Samstagnacht?

Wenn SoZ, SoBli und NZZamSonntag am frühen Morgen in den Briefkästen liegen oder an die Kioske geliefert werden, sind mindestens fünf Stunden vergangen seit Redaktionsschluss. Das ist am Anfang eines solchen Krieges eine kleine Ewigkeit.

Dieser Artikel wurde am Sonntag geschrieben und erscheint am Dienstag und Mittwoch. Schafft noch mehr Distanz.

Wie gehen die Blätter damit um?

Fangen wir mit dem ersten Schrumpfblatt an. Das räumt fast alles oberhalb des Bundes frei, um ein Riesenfoto von Al Khamenei draufzuklatschen. Samt der vorsichtigen Schlagzeile, dass Israel behaupte, was inzwischen offiziell bestätigt ist: der Oberayatolle ist tot.

Und dann? Eine klare Positionierung von Chefredaktor Arthur Rutishauser:

«Es ist nicht einfach, für den US-Präsidenten Donald Trump Sympathien zu entwickeln. Aber für das Gelingen seines Iran-Abenteuers kann man ihm eigentlich nur Erfolg wünschen

Dann erinnert er immerhin daran, dass es «fast auf den Tag genau vor 23 Jahren war, als George W. Bush seinen Irakkrieg startete». Der bekanntlich mit der Lüge angeblicher Massenvernichtungswaffen begann und in einem blutigen und endlosen Bürgerkrieg seine Fortsetzung fand. «Mission accomplished»? My ass, wie der Ami zu sagen pflegt.

Gute Wünsche, Prinzip Hoffnung, etwas Geschichtslektion, sagen wir für ein Editorial gibt das die Note 4,5.

Und sonst? Die Time line, natürlich das Interview mit dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, durchgeführt vom Chef Ausland ohne Ausland Christof Münger. Also ein Dilettant spricht mit einem Kenner der Sachlage, wunderbar. Wobei der arme Schulze auf viele absurd-hypothetische Fragen («Wie lange wird der Krieg dauern? Wie reagiert die iranische Bevölkerung?») mit gewundenen Konjunktivsätzen antworten muss. Geteilte Note, für Schulze eine 5, für Münger eine 3.

Dann die obligatorische Infografik, seit dem Irakkrieg beliebt für alle Sandkastengeneräle unter den Lesern. Und dann noch der Schweizer Aspekt: «In der Schweizer Botschaft in Teheran gibt es keinen Bunker, wo das Personal hinflüchten kann». Na, dann ist zu hoffen, dass die USA oder die Israeli hier kein Kriegsverbrechen begehen. Gesamtnote 5.

Dann kommt das «Gesicht der Diaspora in der Schweiz» zu Wort: «Unsere Sorge ist, dass es nicht Richtung Demokratie geht, sondern in die nächste Diktatur.» Das ist wohl leider keine Sorge, sondern die realistischste Prognose zurzeit. Note 5,5.

Das war’s dann mit dem Iran im Blatt, 4,5 Seiten, daher logischerweise Gesamtnote 4,5.

Auch der «SonntagsBlick» hat noch mitgekriegt, dass Chamenei, wie man ihn hier schreibt, tot sein soll:

Darunter eine Schlagzeile, die wohl Hoffnung machen soll, so nach der Devise: es gibt dann auch gute Nachrichten.

In seinem Editorial fängt Reza Rafi damit an, was Journalisten gerne tun: mit einem «ich war dabei»-Start. «Da steht Donald Trump also in Fleisch und Blut.» Schliesslich soll sich die Teilnahme an der Gockelparade WEF doch irgendwie auszahlen. Das kommt dann auch als Klammer gelegen, wenn Rafi nach seinem Slalom zum Iran in die Zielgerade einbiegt: «Bei der Begegnung am 21. Januar in Davos blieb unklar, ob der Verräter oder der Befreier Irans vor uns steht. Im Augenblick deutet viel auf Letzteres hin. Gestern jedenfalls hat Trump geliefert.» Verräter? Ein dunkles Wort des Chefs. Daher Note 4.

Fortsetzung folgt.

 

 

6 Kommentare
  1. Manfred
    Manfred sagte:

    Ich bin nicht sicher, ob dieser Kommentar ironisch gemeint ist. Ich hoffe mal nicht. Solange das alles nur News sind, kann sich hierzulande niemand mehr vorstellen, welches unermessliche Leid solche militärischen Spezialoperationen (sic!) für Millionen von Menschen verursachen. Darunter werden noch Generationen leiden. Der Zynismus, der in eingen öffentlichen Kommentaren mitschwingt, zeugt nur von der Abgestumpftheit und Gedankenlosigkeit seiner Autoren.

    Antworten
  2. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Ein Bekannter hat eine exilierte Iranerin geheiratet und zwei mittlerweile erwachsene Kinder dazubekommen. Die Tochter ist in der Zürcher Schickimicki-Handtaschen-Hyaluronsäure-Szene zugange, der Sohn ist Konzeptkünstler an Fotoapparat und Computer. Dieser Tage liegt das Trio der vor Jahren glücklich vor einem Terrorregime Geflüchteten buchstäblich heulend und Tränen vergiessend auf Knien in des Bekannten Wohnung herum und betrauert einen Bärtigen, der zu den Huris abberufen wurde. Diese Drei lesen zwar keine Sonntagszeitungen, halten aber offensichtlich mutig und proaktiv das Völkerrecht hoch.

    Antworten
    • René Küng
      René Küng sagte:

      feiger Dummschwätzer.
      Wer nichts zu sagen wagt, schwafelt diffus um den schwierigen Brei herum.

      Die Mullahs (von denen wir nichts verstehen und kaum etwas aus eigener Erfahrung wissen) nicht als unseren Maßstab zu nehmen, ist legitim.
      Die Verbrecher, Psychopathen und Schweinebacken auf ‚unserer‘ Seite kennen wir inzwischen zur Genüge.
      Das nicht beim Namen nennen, klar ablehnen, abwählen, ansonsten geht’s weiter beim Untergang des heuchlerischen Abendlandes.
      Opportunistische Kollaborateure.

      Antworten
    • Ast
      Ast sagte:

      Warum erzählt er uns diese Anekdote, was versteht er nicht? Fehlt es ihm generell an Empathie für sich und andere (Mentalisierung) oder stehen ihm nur seine Vorurteile ihm Wege?

      Antworten
      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:

        Aber Jungs! Ich präsentiere euch die Anknüpfungspunkte auf dem Silbertablett, und ihr seid plump genug, sie abzugreifen.

        Antworten
    • Ruedi Rudolf
      Ruedi Rudolf sagte:

      Es stimmt schon dass Flüchtlinge aus vielen Ländern dieser Welt, die vor ihren Ländern in den Westen nach USA/Europa, Schweiz flüchten, dort wieder ihren Nazional-Stolz raushängen, demonstrieren. Religionsfanatismus und mit Fahnen rumlaufen, ihre Nazionalen Konflikte, Politisch, Religiös, Kulturell importieren und ungeniert und respektlos, in der Öffentlichkeit der Schutzbietenden Ländern zeigen und austragen.

      “Schon auffällig merkwürdig oder eine Lüge, wenn man das feiert vor dem man angeblich geflüchtet ist“

      Geht es doch mehrheitlich um egoistische Selbstverwirklichung und Selbstbereicherung, Plünderung der Sozial/Hilfswerke der Naiven Aufnahme-Länder, welche auf Scheinbare Flüchtlinge hereinfallen – die in Wahrheit illegale Wirtschaftsflüchtlinge sind. Deren Aufnahme durch westliche linke, grüne Nazional-Sozialistische Politik illegal ist – welche diese Politiker nicht selbst bezahlen. Das müssen die Bürger bezahlen. Und gleichzeitig müssen diese Bürger, und auch nicht die Politiker diese nicht integrierbaren Kulturfremden integrieren – was nicht funktioniert.

      Muslimische Länder wo Religions-Rassismus, Diktatur, Scharia, Islamistischer Glaubenszwang und Unterdrückung herrscht – gibt es keine Freiheit und schon gar keine Menschenrechte – Menschen solcher Länder sollten sich selbst vom islamistischen Religions-Zwang befreien.

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert