Nützliche Idioten
So soll Lenin Leute bezeichnet haben, die instrumentalisiert werden, ohne es zu merken.
Die «SonntagsZeitung» titelt: «Schweizer Trychler läuten in Moskau für «Freundschaft mit Russland». Das muss natürlich sofort «eingeordnet» werden, meinen die bewährten Fachkräfte Jan Bolliger und Benno Tuchschmid. Und dafür gibt es die Allzweckwaffe Marko Kovic (bitte mit k am Schluss aussprechen).
Der weiss schon im Lead: ««Absurde Aktion». Der Forscher Marko Kovic spricht von «nützlichen Naiven», die dem Kreml als Propagandamaterial dienen».
Nützliche Idioten traute er sich nicht zu sagen. Knapp berichten die Tagi-Journalisten, worum es geht. Rund 30 Schweizer reisten nach Moskau und erstaunten die Bevölkerung mit einem Umzug mit Glockengeläute, der sie zur Schweizer Botschaft führte, wo sie empfangen wurden.
Das war’s dann schon mit der Berichterstattung. «Einordnung» Nummer eins: «Sehen kann man das in einem Videobeitrag auf «Russia Today» (RT), einer vom russischen Staat finanzierten Medienplattform. In der EU ist RT seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gesperrt, unter anderem weil der Sender Desinformation verbreite. Aus der Schweiz heraus ist die Seite jedoch erreichbar. Die Journalisten des Senders bezeichnen den Umzug als «wichtige Botschaft» an die Schweizer Regierung.»
Wenn das vom im freien Europa gesperrten Desinformationssender RT verbreitet wird, muss es ja falsch sein. Dann wird der Organisator zitiert, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der auch «gegen den «masslosen Ausbau des Mobilfunks»» kämpfe. Dann folgt der grosse Auftritt des «unter anderem Politik- und Kommunikationswissenschaftlers an der Hochschule Luzern» Kovic. Der forsche zu «Propaganda und Desinformation».
Allerdings ist der HSLU ein solcher Mitarbeiter nicht bekannt:

Der Mann ist schon häufig auffällig geworden, indem er mit unwissenschaftlichem Geschwurbel Aufsehen erregte. Er ist Kopist des Begriffs «Intellectual Dark Web» (IDW) und denunziert gerne ad personam: «Personen wie Milosz Matuschek, Gunnar Kaiser, Roger Köppel, Milena Preradovic, Tamara Wernli, Daniel Stricker, Henryk Broder und Plattformen wie «Die Achse des Guten», der «Nebelspalter», «Die Weltwoche», der «Schweizer Monat» bilden prominente Knotenpunkte im deutschsprachigen IDW.»
Selbst die NZZ ist für ihn lediglich eine «quasi-journalistische Meinungspublikation». Obwohl er dort selbst gelegentlich seine Meinung publiziert. Aber Widerspruchsfreiheit war noch nie das Ziel von Schwulstschwätzern.
Er selbst bildet hingegen einen Knotenpunkt im Liefern von erwünschten Echokammer-Resonanztönen: «Es kann gut sein, dass die Trychler wirklich nur das Beste wollen. Aber für den Kreml sind sie vor allem nützliche Naive», behauptet er im Tagi.
Der rundet seine Berichterstattung über diese Aktion mit folgendem Absatz ab: «In der Nacht vor der Trychler-Aktion in Moskau griffen russische Kräfte laut dem Institute for the Study of War ukrainische Städte mit 138 Drohnen an. Die ukrainische Armee beschoss russische Ölraffinerien. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine sind fast 2 Millionen Soldaten getötet oder verwundet worden.»
Mit anderen Worten: und mit solchen Unter-, Pardon, Unmenschen wollen diese Trychler befreundet sein?
Was dem Tagi recht ist, kann der Resteverwertungsanstalt Nau.ch nur billig sein. Sie zitiert die SoZ und natürlich den «Wissenschaftler» Kovic.
Der holzte dort schon zuvor gegen den «ideologischen Wahn der SRG-Halbierungsinitiative». Nach einem Ausflug nach Deutschland (AfD!) und in die USA (Trump!) kommt er zum «Sinn öffentlicher Medien». Der sei «eine garantierte Informationsinfrastruktur bereitzustellen, die der Gesellschaft als Ganzer zugute kommt». Hä? Versteht wohl nur ein Wissenschaftler, aber auch der vielleicht nicht wirklich.
In seinem 11’000 A langen Gelaber, das glücklicherweise kaum jemand zu Ende liest, kommt er nach Luftsprüngen und Umwegen zum Kern seiner Kritik:
«Es geht in erster Linie um ideologiegetriebene Versuche, unliebsame öffentliche Medien einzuschränken oder abzuschaffen, weil sie nicht so berichten, wie man es will.»
Schlimmer noch: «Der ideologische Kampf gegen öffentliche Medien im Allgemeinen und gegen die SRG im Besonderen ist ausgesprochen irrational und enthemmt.»
Hier ist Kovic lediglich «Gesellschaftskritiker». Als solcher aber ideologiegetrieben und ziemlich enthemmt. Dafür aber weder naiv, noch nützlich.










Kovic nennt sich «Gesellschaftskritiker» ist sich aber nicht zu schade für den Staatssender SRG SSR einen Gefälligkeitsartikel in Nau zu schreiben. Auch SRF Journis holen Kovic um «einzuordnen». Eine Hand wäscht die andere.
Kovic hat nicht begriffen das in einem freien demokratischen Land jede/r die Freiheit haben sollte sein Medium frei zu wählen und dafür bezahlen. Er bevorzugt eine Gesellschaft unter dem Diktat von SRG SSR, eine unkritische und hörige Gesellschaft.
Aber da ist er in guter Gesellschaft von vielen die nicht wissen was Freiheit ist!
«Intellectual Dark Web», ein angeblich durch die berüchtigt-schmalsinnige Bari Weiss (CBS) geprägter Kampfbegriff, genauso wie «Conspiracy theories» aus der PR-Geheimdienstküche stammend. Schön auch die Selbstdarstellung von M.Kovic auf der eigenen Website:»Ich mache mir Gedanken darüber, wie die Gesellschaft funktioniert und wie sie funktionieren sollte (sollte kursiv). Mein besonderer Fokus sind Komplexität, Zerbrechlichkeit und technologiebedingte systemische Risiken». Wie er das mit «Zerbrechlichkeit und Komplexität» wohl meint?
Nein, das war Eric Weinstein …
Da haben Sie recht. Aber Eric Weinstein, Thiels Geschäftsführer und ein Schwätzer, ist auch nicht vertrauenswürdiger und kommt aus dem gleichen Club wie Weiss.
Es fällt mir schwer, nicht von einem Pawlow’schen Reflex zu sprechen, sobald Zackbum auf den Namen Marco Kovik trifft. Die Kritik (Lieferant erwünschter Echokammer-Resonanztönen) ist nicht unzutreffend, aber dahinter scheint noch etwas Anderes durch. Anstatt eine notwendig subjektive Aussage zu wagen, wird ein x-beliebiger Dritter als Experte gesucht, der genau diese Aussage macht. Das hat nur Vorteile. Der Autor entzieht sich der Verantwortung, der ‚Experte‘ steigert Marktwert und schärft das Profil. Offensichtlich ist die tatsächliche Qualifikation des Experten dabei irrelevant. Aber am Ende hat es der kritische Leser nicht mit der Meinung des Autors zu tun, sondern mit dem Anschein etablierter Wissenschaft. In dieser Situation auf den Experten zu zielen, heisst, sich ins Bockshorn jagen zu lassen. Es war der Autor.
Richtige Beschreibung der Funktion von Kovic. Ich gebe zu, dass es sich bei ihm um ein besonders übles Exemplar des willfährigen Denunzianten handelt. Aber was soll da anderes durchscheinen?
Kovic ist einfach eine problemlos zu beanspruchende Quelle für Journalisten die zu bequem sind, wirklich Sachverständige aufzutreiben. „Ruf doch den xxx an, der sagt immer etwas“ heisst es auf Redaktionen in solchen Fällen.