Lesen lenkt ab
Und entstört. Und entführt. Und berührt.
ZACKBUMs Bildungsauftrag führt bekanntlich zu gelegentlichen Leseempfehlungen. Denn was könnte besser geeignet sein als ein gutes Buch, um vom aktuellen Wahnsinn aller Orten abzulenken. Von all dem «Unfassbaren», was dann doch holprig in Worte gefasst wird.
Hier aber sind Könner am Werk.

Nachdem Enzensberger und von Matt tot sind, ist Alexander Kluge (93) wohl der letzte bedeutende Essayist und gebildete Betrachter der Zeitläufe. Auch ihm verschlägt es (fast) die Sprache, also hat er die Form eines Bilderatlas gewählt, um dem aktuellen Wahnsinn einigermassen gerecht zu werden. «Ich bin mir sicher, dass es «mitten im Verblendungszusammenhang» Auswege gibt.» Kluge zitiert Adorno. Den muss man nicht mehr unbedingt kennen. Aber dieses Buch sollte man lesen und anschauen.

Es ist Zeit, auf einen der ganz Grossen des Dadaismus hinzuweisen. Raoul Hausmann hinterliess ein umfangreiches Werk aus Zeichnungen, Collagen und Fotos. Und es wird immer klarer, dass eigentlich auch heute nur noch zertrümmerte Spiegel und schräg zusammengesetzte Wirklichkeitsschnipsel den Zeitläuften gerecht werden können. Wie damals, nach dem Ersten Weltkrieg.

Wer Europas hilflose Reaktion auf die Machtpolitik und Eroberungsgelüste von US-Präsident Trump mitverfolgt, täte gut daran, sich darüber zu informieren, wohin Appeasement, also Beschwichtigung, Verhandlungen und Konzessionen, führt. So wie 1938 in München, als der englische Premierminister nach diesem Abkommen meinte, damit habe er den Frieden für diese Zeit gesichert. Ein Jahr später begann der Zweite Weltkrieg. Robert Harris hat daraus einen lesbaren Stoff gemacht, historisch gut recherchiert, literarisch gut ergänzt.
Noch etwas als Trost und Heilung?

Uruguay ist ein gemütliches Paradies weit weg von allem. Und Juan Carlos Onetti ist der berühmteste Schriftsteller des Landes. War damals wegbereitend für Könner wie Gabriel García Márquez und andere. Keine ganz grosse Literatur. Aber lenkt ab in andere Welten, die unseren doch nicht so unähnlich sind.

Sozusagen gegenüber, auf der anderen Seite des Río de la Plata, in Argentinien, wirkte einer der ganz Grossen der lateinamerikanischen Literatur, in dessen fantastischen Welten man sich problemlos verirren kann und dennoch immer den Eindruck hat, man werde geleitet und bereichert. Jorge Luís Borges ist nichts weniger als ein Planet für sich. Wer ihn nicht kennt, hat eine Entdeckungsreise vor sich.
Apropos, wem die Feldtheorie zu langweilig ist, wer aber noch kleine Unsicherheiten bei der Quantentheorie hat, dem kann geholfen werden:

Schliesslich werden Quantencomputer nicht nur die bisherigen Verschlüsselungssysteme vor ungeahnte Schwierigkeiten stellen. So als Ergänzung zu «ach, die Heisenbergsche Unschärferelation» und da wäre ja noch Schrödingers Katze, eignet sich dieses Buch ausgezeichnet. Zum Thema: wenn wir schon die Welt nicht verstehen, dann wenigstens die Quantentheorie. Ausserdem ist es seit «Gödel Escher, Bach» von Douglas R. Hofstadter mal wieder ein Fachbuch, das Spass beim Lesen macht.
Wer oft genug Orwell gemurmelt und auch «Schöne neue Welt» von Aldous Huxley in der Bibliothek stehen hat, sollte seinen Wortschatz um Zitate aus diesem Essay erweitern:

1946 analysierte Huxley die Zukunft, in der durch technologischen Fortschritt die Macht in den Händen von immer weniger konzentriert wird. Nach 80 Jahren ist dieser Text wieder aufgetaucht, eigentlich gerade rechtzeitig. Dass Robert Habeck das Buch lobt, sollte einen nicht von der Lektüre abschrecken. Auch nicht der zugegeben unverschämte Preis von Fr. 23.90 für schlappe 90 Seiten. Die es aber in sich haben.
«Bei einer derart schlechten Einrichtung der Gesellschaft wie der unseren, in der eine kleine Zahl von Menschen die Macht über die Mehrheit hat und diese unterdrückt, dient jeder Sieg über die Natur unweigerlich nur dazu, Macht und Unterdrückung zu vergrössern. Und genau das geschieht heute.»
Das ist die Einleitung zu diesem Essay von Huxley. Ein Zitat von Leo Tolstoi (1828 – 1910, «Krieg und Frieden»). Also ist die Geschichte vielleicht doch nur ein Rad, das sich unablässig dreht – auf der Stelle, wie das schon Shakespeare auf die Bühne wuchtete.
Apropos wuchten:

Uff: 1279 Seiten. Aber der Harvard-Professor Sven Beckert hat sich auch nichts Geringeres vorgenommen, als die Gesamtgeschichte der erfolgreichsten Ideologie der Welt zu schreiben: «Kapitalismus» heisst sie. Und der hat bekanntlich die ganze Welt erobert. Hat Wohlstand und Ausbeutung, Imperialismus und Globalisierung gebracht. Nur angelsächsische Professoren sind offensichtlich in der Lage, ein so dickes Brett zu bohren, ohne dass der Leser unterwegs schlapp macht. «Geschichte einer Weltrevolution» nennt er seine umfassende Gesamtdarstellung. Sie ersetzt problemlos die Lektüre vom «Kapital» von Karl Marx. Und natürlich auch «Das Kapital» des Dünnbrettbohrers Thomas Piketty mit seinen manipulierten Statistiken.
Aber natürlich nicht die tägliche Lektüre von ZACKBUM.











‚Wie damals, zwischen den Weltkriegen‘
Mit dem Unterschied, dass die Menschheit immer noch nicht schnallt, dass Teil 1 der noch perverseren Art Weltkrieg weiterhin in seiner Wirkung ist.
Und ‚Appeasement‘ heisst heute ‚Aufarbeitung‘ wo die Mitläufer darüber richten, wer was sagen darf und ganz Stockholm mauert mit.
Während die paar Wenigen, die schon Panndemie 1.C jahrelang promoten und planen durften, jetzt schon 2.1 herbei schw$rbeln.
Anstatt im Hochsicherheits-Knast zu sitzen oder der tief verschlossenen Psychiotrie.
Trotzdem velen Dank für die Hinlenkung zur Wiederholung der Geschichte.
Wenn sich die Geschichte wiederholt haben wird, werden sich dann auch Ihre panndemischen Texte wiederholen?