Wie der «Blick» Werbung macht
Trennung redaktioneller Inhalt und Werbung? Wozu auch.
Im verarmenden Elendsjournalismus gibt es keine Reisereportage, keinen Restaurantbesuch, keine Anpreisung eines Schönheitsmittels, keinen Autotest, der nicht direkt oder indirekt von den beschriebenen Produkten finanziert wird.
Daher ist es auch ausgeschlossen, dass die angepriesene Destination, das Lokal, die Nachtcreme oder die Karre schwerwiegende Defekte aufweist. Oder schon mal gelesen: wir raten dringend vom Besuch, vom Ankauf ab? Eben.
Über den Swatch-Chef und den Börsenkurs eines Unternehmens gäbe es einiges zu sagen. Aber wieso nicht stattdessen auch redaktionell darauf hinweisen, dass Nick Hayek mal wieder eine Marketing-Idee hatte? Eine ziemlich schräge. In verschiedenen Schweizer Zeitungen erschien ein ganzseitige Anzeige, zufälligerweise auch im «Blick».
Darauf ist eine Dada-Swatch abgebildet, auf der die Worte «Me, myself and I» überall in verschiedener Reihenfolge mäandern. Der Slogan dazu: «A spirit of dialogue». Dem Redaktor Wirtschaft Michael Hotz seinem Adlerauge ist aufgefallen, dass es sich dabei doch um den Slogan des WEF handelt – und die Ichbezogenheit des US-Präsidenten Trump damit auf die Schippe genommen werden soll.
Es fehlt auch nicht der Hinweis auf die Zoll-Protest-Swatch, bei der die Zahlen 9 und 3 vertauscht waren, was immer das auch bedeuten sollte. Das Modell war ein voller Erfolg, komplett ausverkauft.
Nun ist ein solches Inserat tatsächlich interessanter als «Sonderangebot, Kalbsplätzli heute und morgen 20 Prozent günstiger».
Allerdings ist die Dada-Swatch laut Hotz nur in einem einzigen Exemplar vorhanden, und das bewahre «der Swatch-Chef in seinem Büro am Hauptsitz in Biel auf». Diese Recherche-Leistung hat Hotz allerdings dem Portal ajour.ch zu verdanken.
Aber damit ist der investigative Muskel von Hotz noch nicht erschlafft. Er weiss auch, dass das «Blick»-Inserat nicht einfach so mit «AI-Dada» überschrieben ist.
«Unter diesem Namen hat Swatch im letzten November ein neues Design-Tool lanciert. Dieses ermöglicht Nutzern, mittels künstlicher Intelligenz eigene Swatch-Uhren zu kreieren. Das funktioniert so: Man gibt im Tool seine Idee mit ein paar Stichworten ein. Die KI erstellt dann in weniger als zwei Minuten ein individuelles Uhrendesign, das man dann für 170 Franken kaufen kann.»
Schön, dass Swatch dafür keinen teuren Werberaum kaufen muss. Das erledigt heutzutage die Redaktion gratis. Denn ganzseitige Inserate im Print, das ist eher selten geworden, abgesehen von der Anpreisung von Sonderangeboten.
Neuland ist auch die abschliessende Aufforderung an Swatch, doch noch selbst etwas zu ihrem Inserat zu sagen: «Auf Anfrage von Blick untermalt der Konzern seine WEF-Kritik. Der einzige Kommentar: «DADAvos.» Für den Rest solle man seine Fantasie spielen lassen.»
Eine solche Umrahmung einer bezahlten Werbung durch Gratiswerbung im redaktionellen Teil: es ist alles grenzenlos geworden im heutigen Elendsjournalismus.











Vielleicht macht der Journalismus den gleichen Wandel durch wie die Haute Couture? Irgendwann ging es nicht mehr ohne Models. In den Redaktionen und Studios suchen sie bezahlte Deppen, die ihre Visage in die Kamera halten. Die Qualität entspricht mittlerweile diesem Niveau…
Sie meinen, die Visagen von Loser, Eigenmann, Hossli usw. wirken magnetisch?