Das Elend des Geknödelten
Daniel Binswanger lesen macht nicht schlauer. Ist aber erkenntnisreich.
Man kann den desolaten Zustand des linksintellektuellen Diskurses an vielen Beispielen exemplifizieren. Oder einfach eine einzige Kolumne der schreibenden Schmachtlocke lesen.
Dabei entsteht zwar das Gefühl, in ein nasses Handtuch zu beissen und Kreide auf einer Wandtafel quietschen zu hören. Aber da muss man durch.
Folgt also ZACKBUM in die Vorhölle des Präpotenten, Hochstaplerischen, wo jemand meint, niveauvoll zu denken. Aber an sich selbst jämmerlich scheitert.
In seinen 13110 A über das angebliche «Ende einer Illusion» behauptet Binswanger: «Die alte Wertordnung zerfällt. Wir müssen eine neue schaffen.» Diese Erkenntnis ist ungefähr so umwerfend originell wie die Feststellung, dass bei Föhn der Schnee schmilzt. Und die Forderung, damit überfordert er sich gleich selbst.
Was tut dieser kleine Vorspiegler luzider Intellektualität? Banal, so zitiert er fleissig und macht name dropping: «wie die Autorin Anne Applebaum zu recht bemerkt … schäumt Trumps Vize-Stabchef Stephen Miller … deklariert Markus Somm … wie es der französische Geostrategie-Experte Olivier Schmitt darlegte … der Afghanistan-Experte Emran Feroz hat dargelegt … der Republik- Autor Daniel Strassberg hat dargelegt … in einem Strategiepapier, dass der finnische Präsident Alexander Stubb publizierte …»
Dann will er eine gewisse Bildungsnähe vorspiegeln, indem er den inzwischen zu Tode zitierten Orwell mit «1984» bemüht. Frivol-komisch ist hingegen, zu behaupten, man solle sich «auf «Die gefährlichen Liebschaften» von Choderlos de Laclos besinnen». Tollkühne Interpretation dieses Werks von 1782 (!):
«Diese Romanerzählung über sexuelle Intrigen in einer Welt der Kälte, der Verachtung und des Egoismus kulminiert in einer Szene, in der das Hauptopfer des zynischen Verführers Valmont diesen anfleht, doch bitte zu lügen: Eine Weltordnung der frommen Lügen ist tragfähiger als die ungefilterte Aggression.»
Kurze Lachpause, dann zum nächsten Element seiner Schaustellerei: gewählte Fremdwörter einstreuen. «Es ist die Welt, die ideologisierte Zeloten im Kielwasser des US-Präsidenten mit ekstatischer Begeisterung bejubeln.» Fremdwörter sind halt Glücksache.
«Sekundäre Relevanz», die Nato werde «eine Mutation von bitterer Ironie durchmachen» (hä?), «das Völkerrecht war zu Teilen immer eine kontrafaktische Unterstellung» (hä?), «das Völkerrecht wurde nicht immer gewahrt – seine Legitimität aber affirmiert» (hä?). Und niemals fehlen, so wie «unfassbar» bei Crans-Montana, dürfen natürlich der «Paradigmenwechsel» und die «Äquidistanz».
Geschäumtes, um die eigene Gesinnungsblase zu stimulieren, darf natürlich auch nicht fehlen, und wer böte sich da mehr an als Gottseibeiuns Trump: «Der Fluchtpunkt seiner Mobster-Instinkte … feuchte Träume der Brutalisierung … Einerseits ist er ein maligner Narzisst, der schamloser, zwanghafter und häufiger lügt als jeder andere US-Präsident … Andererseits liegt Trumps wahrhaft destruktive Macht aber genau darin, dass er es nicht mehr für notwendig erachtet, zu lügen.» Ja was denn nun?
Leider bleibt Binswanger, aber auch er kann nicht an zwei Dinge gleichzeitig denken, die Antwort auf seine einleitende Behauptung schuldig, «wir» müssten eine neue Weltordnung schaffen: nämlich wie das, und wer ist «wir»?
Diesen Erguss auf inhaltlichen Mehrwert, auf gedanklich Neues abzuklopfen, das ist ungefähr so sinnvoll, wie die Belastbarkeit von Eierschnee zu prüfen, die Stabilität eines Wackelpuddings.
Am Schluss lässt er noch die Seifenblase platzen, beim finnischen Präsidenten handle es sich um einen tiefen Denker. Den zitiert Binswanger so:
«Die neue Ordnung wird geschaffen werden von Entscheidungen, die die Verantwortlichen sowohl in grossen wie in kleinen Staaten fällen, ob es sich nun um demokratische, autokratische oder dazwischen zu situierende Regierungen handelt.»
Das ist von einer geradezu erschütternden Trivialität und Banalität. Wobei die Verantwortlichen in grossen oder vielmehr mächtigen Staaten wohl ein Mü mehr diese Ordnung schaffen als Kleinstaaten wie Cabo Verde, Nauru oder Tuvalu.
Woran merkt man nun, wenn Binswanger seine Ausführungen auf Höhe Meeresspiegel zu Ende geführt hat? Ganz einfach.
Es folgen keine Buchstaben mehr, und es stellt sich Erleichterung ein.
Ist also diese Lektüre Zeitverschwendung und Quälerei? Nein, es ist lehrreich, entlarvend und kann als archetypisches Geschwurbel, als abschreckendes Beispiel beliebig oft gelesen werden. Gut, einmal reicht.










Daniel Binswanger lesen macht nicht schlauer und ist eine Binsenwahrheit.
Um auf so einen Kalauer zu kommen, muss Ihr Binswanger-Studium intensiv gewesen sein.
QED
Geistige Masturbation am Nutten-Boulevard und VerlegerInnen und Millionäre zahlen noch dafür!
Brunner! Herzlich willkommen und vielen lieben Dank! Einen ganzen Vormittag lang habe ich auf Ihre plumpe Nachtreterei gewartet. Endlich ist das Unzulängliche Ereignis geworden. Dass Sie noch einmal das olle Vokabular von damals hervorkramen, macht die selige Erinnerung an unschuldige Zeiten besonders süss. Die Übernahme fremden Vokabulars belegt vorbildhaft, dass Sie nicht nur dorthin treten, wo Einer sich schon erledigt am Boden windet, sondern auch das Buckelchen dahin präsentieren, wo Sie brav Ihre Sprachhülsen abholen. Sie sind mir ja wahrlich ein perfekter Linker!