Solchen Journalismus braucht es nicht
Freitag war Trauertag. Die Medien waren zum Heulen.
Alleine am Freitag ergibt das Wortpaar Schweiz und Trauer 129 Treffer. Trauer alleine bringt’s auf 177 Einschläge, Crans-Montana auf sagenhafte 846 Resultate.
Venezuela kommt immerhin auf 290 Treffer, Ukraine auf 210, Gazastreifen – auf einen einzigen. Das ist immerhin einer mehr als die Menschheitskatastrophe im Sudan, in Somalia, in Äthiopien.
Kann man alles nicht vergleichen? Wieso eigentlich nicht.
Aber das sind ja nur Zahlen. Aschgrau wird es, wenn sprachlich minderbegabte Journalisten nach einer Woche Trauerarbeit nochmals in die Tasten greifen müssen, obwohl sie alle Adjektive, alle Betroffenheitslyrik und vor allem das Wort «unfassbar» sowie «es gibt keine Worte» bis zur Brechreizschwelle wiederholt haben.
«… in der ganzen Schweiz waren schwarze Schleifen … gedenken auch Zürich, Bern, der Thurgau, Solothurn (und eigentlich alle Kantone und Menschenansammlungen) der Opfer … drei Jugendliche werden zum Symbol … tiefe Trauer … die Bilder zur Trauerfeier … wenn ein Ort verstummt … emotionale Trauerfeier … das waren die berührendsten Momente … Blumen und Gebete zum Gedenken … so trauert die Schweiz … Kerzen und Schweigen … Bern steht ein paar Atemzüge lang still … Saal der Trauerfeier füllt sich zusehends … jetzt live die Trauerfeier … bewegende Worte … wünscht Angehörigen viel Kraft … Parmelin wendet sich ans Volk … moralisch auf der Anklagebank …»
Ganz hin und her gerissen ist ZACKBUM von einer Idee des «Blick». Radikale Ausnützung des interaktiven Internets: «Spende dein Licht im Moment der Trauer». Wie das? «3 Sek. tippen und eine Kerze erscheint».
Endlich, müheloses Instant-Trauern, virtuell ein Zeichen setzen mit der Tastatur, gibt es eine Steigerung von geschmacklos?
Muss trauern so schmerzlich traurig beschrieben werden? Unfähig bis zur Pietätlosigkeit, trauern als Veranstaltung des Fremdschämens.
Man meint, einzelne Textbausteine der ChatGPT-Übung von ZACKBUM in den Texten wiederzufinden. Da hat sich so manch trauernder Journalist in seiner Qual gerne bedient.
Dabei hat doch hier die Bibel einmal das Richtige in kurze Worte gefasst, was auch Atheisten einleuchtet:
zerreißen hat seine Zeit,
zunähen hat seine Zeit;
schweigen hat seine Zeit,
reden hat seine Zeit;
Übrigens ist Kohelet (Prediger) 3,1–8 insgesamt nicht schlecht:
Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.
Man möchte leise Amen sagen und laut: haltet doch einfach mal die Schnauze.











240 Nasen am Dreikönigstreffen der Medienbranche. Trotzdem waren die Plattformen und Zeitungen voll wie jeden Tag. Da ist noch viel Luft zum Ablassen. Die SRG-Generalin hat keine Zeit für ein Interview mit Schawinski. Für Beizentouren schon.
„Unfassbar“ ist dieser Tage das Lieblingswort von Haessig.
Es erinnert mich an das Klatschen von den Balkonen während Covid.