Lustig ins neue Jahr

Immerhin: es darf weiterhin gelacht werden.

Diesmal danken wir Matthias Chapman dafür. Unfehlbar, wie ZACKBUM halt ist, haben wir den stellvertretenden Chefredaktor mit dem verkniffenen Gesichtsausdruck wohlweislich von möglichen Sparrunden ausgeschlossen.

Einige unserer Vorschläge wurden bereits befolgt (Kerstin Hasse), bei anderen (Raphaela Birrer, Bruno Ziauddin) steht der Vollzug noch aus. Und ob der Wiederauftritt von Anuschka Roshani, die auf den Chefsessel klettern wollte und darob gefeuert wurde, eine Qualitätsverbesserung darstellt?

Aber zurück zum «Leitartikel zum Jahreswechsel». Den traut sich Oberchefredaktorin Birrer offenbar nicht zu (auch diese Bemerkung wird nicht dazu dienen, dass das Schreibverbot gegen René Zeyer aufgehoben wird).

Also muss Grüssaugust Chapman ans Gerät.

Aber schon der Titel löst eine erste Lachsalve aus. Es «bricht eine neue Zeit an». Ach was. Statt dass sich die alte Zeit wiederholt? Ist morgen nicht immer neuer als gestern? Gibt es statt Anbruch auch Abbruch? Wie wäre es mit «Für unser Land bricht die alte Zeit ab?» Oder, à la Karl Kraus (ChatGPT hilft): bricht eine dicke, dünne, krumme, altehrwürdige, grosse oder kleine Zeit an?

Oder ganz banal: bricht überhaupt nichts an, sondern ist’s einfach 1. Januar geworden, was nach dem 31. Dezember unausweichlich und keinesfalls neu ist?

Nun wäre der Jahreswechsel die Gelegenheit für gute Vorsätze, vernünftige Versprechen, den Willen zur Besserung. Zum Beispiel, indem sich die Schreibtäter des absaufenden Tamedia-Schiffs bewusst werden, dass sie die Reise in die Bedeutungslosigkeit nicht mit markigen verbalen Auftritten begleiten sollten.

«Go down with a smile», das ist die Haltung von Joker in den Batmanfilmen.

Rechthaberei, unverlangte Ratschläge, unqualifizierte Kritiken, das ist die Haltung von Chapman.

In einem Leitartikel zum Jahreswechsel könnte man von einem wohlbezahlten Mitglied der Chefetage doch ein paar Gedanken dazu erwarten, wie es gelingen könnte, den Tagi zu retten. Zum Beispiel, indem man Pietro Supino …, aber diesen Gedanken wagt Chapman nicht mal unter der Bettdecke zu Ende zu führen.

Stattdessen: «Die wirtschaftspolitische Demütigung und die geopolitische Verschiebung haben Folgen für die Schweiz … zwingt auch die Schweiz, sich militärisch für den Ernstfall zu rüsten ... »

Aber damit hat er sich erst warmgelaufen, wir kommen zum ersten wahren Silvesterknaller:

«Jetzt an Silvester kann man es auch so sagen: Nach der (je nach Sichtweise bitteren oder lehrreichen) Erkenntnis im 2025 muss die Schweiz die Weichen für die Zukunft stellen.»

Es ist hingegen eher selten, dass die Weichen für die Vergangenheit gestellt werden, besonders nicht an Silvester.

Nun aber munter zu Befehlen und Anweisungen: «Klar ist: Das Land muss … Das heisst einerseits mehr Mittel für die Armee und andererseits …»

Aber es gibt Probleme, bei denen sogar Chapman eingestehen muss: «Kompliziert gestaltet sich die wirtschaftspolitische Neupositionierung

Da verliert sich selbst ein Grossdenker wie er in einem Dickicht von Fragen ohne Antworten.

Doch dann der Durchbruch ins Licht der Erkenntnis: «Ganz zu schweigen von Europa: Mit der EU steht unser Verhältnis erneut auf dem Prüfstand.»

Nun spricht er ein grosses Wort gelassen aus: «Die Wahrheit ist …» Endlich, was ist die Wahrheit? «Der Handel mit den drei Grossen EU, USA und China ist so wichtig, dass die Schweiz ihre Handelsstrategie mit Diversifizieren bestenfalls gut abrunden kann.»

Öhm, dunkel ist die Wahrheit und geheimnisvoll bis unverständlich, um es abgerundet auszudrücken.

Nun, der Platz neigt sich selbst für einen Leitartikel zum Jahreswechsel dem Ende zu, also hurtig noch ein letzter Ratschlag: «In dieser Gemengelage braucht es Weitsicht, Kompromissbereitschaft und natürlich gut eidgenössischen Pragmatismus.»

Endlich spricht einer aus, was sonst niemand zu denken wagt.

Aber leider muss sich Chapman dann noch selbst diesen besinnlichen Schlussakkord kaputt machen:

«Die Bewältigung der Pandemie war – mit all ihren Fehlern – so ein Fall. Es gibt also guten Grund, das neue Jahr optimistisch in Angriff zu nehmen.»

Ob hier Corona-Kreische Marc Brupbacher die Feder geführt hat? Und apropos Bewältigung: gab es so was bezüglich all der Fehler, bezüglich allem hysterischen Gejapse, der Denunziation von Massnahmenkritikern als Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und potenzielle Massenmörder, die zwangsgeimpft werden müssten (Forderung eines durchgeknallten Tagi-Politchefs), so etwas wie Selbstkritik, Aufarbeitung bei Tamedia?

Kein Sterbenswörtchen gab’s. Denn neben den gut eidgenössischen Qualitäten, die Chapman aufzählt, gibt es noch andere, weniger schöne: verkniffenes Schweigen, Wegducken, Aussitzen, Verwedeln und Ignorieren. Alles auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Also nichts Neues beim Tagi für 2026.

Da hat ZACKBUM auch eine Prognose: das wird nicht gut enden.

 

7 Kommentare
  1. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Während die gesamte Schweizer Journaille in Sachen Crans-Montana wieder einmal im kollektiven Koma dümpelt und seinen Ruf als Vollversager zu betonieren trachtet, etwa mit brunzdummen Texten über das Wallis als „Katastrophenkanton“ (Thaagi), oder seine Bytes für Feuerfilmli verschleudert (Feiertags-Loser-Redaktion der NZZ), ist es einmal mehr Lukas Hässig, der als Einziger oder doch als Erster begonnen hat, die richtigen Fragen an die richtigen Leute zu stellen. So ist es denn auch er, der von der deutschen „Bild“ zitiert wird, und kein Einziger von den Versagern des Mainstreams. Das sei hier angemerkt in der Hoffnung, dass der Meister demnächst dem Gesocks kraftvoll den Marsch bläst.

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  2. K. Meyer
    K. Meyer sagte:

    Schön, dass üble Figuren wie diese Brupbacher und Von Burg (so heisst der durgeknallte Tagi-Politchef) auch dieses Jahr nicht in Vergessenheit geraten. Sie haben es verdient.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Auch 2026 wird nicht gut enden, der TA Newsletter von heute macht Sorgen.
    Die Praktikantin Poorghadiri, «hostet» den TA Newsletter, präsentiert die Vorsätze wie Redaktionsmitglieder ins neue Jahr starten wollen.
    Poorghadiris Vorsatz: weniger Bildschirmzeit.
    Jan Bolliger: mehr kochen, nach seinem Redaktionskollegen Christian Seiler der für fressen uns saufen zuständig ist .
    Der berüchtigte Edgar Schuler: kleine Schritte machen.
    Den Vorsatz besseren Journalismus zu machen sucht man vergebens. So bleibt die Inzucht und Nabelschau an der Werdstrasse auch 2026 bestehen.

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