Dummschwätzer und Dünnbrettbohrer
Jan Heidtmann schreibt sich die Welt zurecht.
Wenn man selbst in Lateinamerika weilt, gehen einem vor Ideologie triefende «Analysen» ganz besonders auf den Zeiger.
SZ-Korrespondent Heidtmann bestreicht von Buenos Aires aus ganz Lateinamerikas, und natürlich übernimmt das Qualitätsmedienhaus Tamedia seine Ergüsse ungefiltert. Wozu sollte sich die noch vorhandene Auslandredaktion auch bemühen, solches Geraune richtigzustellen:
«Die Angst hat auch in Chile gewonnen, wieder einmal. Ihr Kandidat hiess José Antonio Kast, ein Politiker der extremen Rechten, autoritär und erzreaktionär. Nayib Bukele oder Daniel Noboa lauteten die Namen der Kandidaten der Angst in El Salvador oder in Ecuador.»
So hört es sich an, wenn einem Demagogen die Ergebnisse von Wahlen nicht passen. In Montevideo kann man nur den Kopf schütteln und dem Mann gute Besserung wünschen.
Zunächst beklagt er die zunehmende Macht der Drogenkartelle – ohne zu erwähnen, dass die nur gedeihen, weil die USA als grösster Absatzmarkt mitsamt Geldwaschmaschinen und offener Hilfe zum Anlegen von Drogengeldern deren Gedeihen befördern.
Bevor er wieder zur angeblichen Angst in Chile zurückkehrt, nimmt er sich sein Feindbild Nummer eins vor: «2019 nach einer populistischen Kampagne zum Präsidenten gewählt, hat Bukele die Strukturen des Landes nun nach seinen Vorstellungen geformt.» Schlimmer noch: «Bukeles Vorgehen gegen die Drogenkartelle verstösst vielfach gegen die Menschenrechte. Besonders junge Männer wurden teils wahllos verhaftet und sitzen seit Jahren ohne Prozess in Haft.»
Was er zu erwähnen vergisst: El Salvador verzeichnete einen der stärksten Mordrückgänge weltweit. Die Mordrate sank von über 100 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner auf einstellige Werte in den Jahren 2022–2024. Ganze Stadtviertel, die zuvor von Gangs kontrolliert wurden, gelten heute als staatlich zurückerobert. Der Staat erlangte Kontrolle über Gebiete zurück, die zuvor faktisch Parallelherrschaft unterlagen. Öffentliche Dienstleistungen (Schulen, Transport, Handel) konnten in vielen Regionen erstmals ohne Schutzgeldzahlungen funktionieren.
Das verbesserte die wirtschaftliche Situation deutlich und führt zu anhaltend hohen Zustimmungswerten von über 80 Prozent für Bukele. Aber für Heidtmann spielt das keine Rolle, ihm passt die ganze Richtung nicht, also blendet er all das aus.
Und wieso hat mit Kast in Chile auch die Angst gewonnen? Auch da hat Heidtmann seine partielle Weltsicht parat: «José Antonio Kast: Chiles neuer Präsident ist gläubig, rechts und extrem – sein Vater war NSDAP-Mitglied». Das alte Prinzip der Kontaktschuld oder der Sippenhaft. Vater war Nazi, also wird es der Sohn wohl auch sein.
Wieso hat er dann eigentlich 58 Prozent der Wählerstimmen bekommen? Das bleibt für Heidemann schleierhaft, auch seinen Lesern mag er das nicht erklären. Stattdessen fügt er Nebensächlichkeiten aneinander: «Kast unterhält enge Verbindungen zur deutschen AfD, 2018 unterstützte er im brasilianischen Präsidentschaftswahlkampf den rechtsextremen Kandidaten Jair Bolsonaro. Immer wieder hat Kast seine Sympathien für Chiles ehemaligen Militärdiktator Augusto Pinochet bekundet.»
Das mag nicht sympathisch sein, dass er Sympathien für den Blutsäufer («Die Demokratie muss manchmal in Blut gebadet werden») und Verbrecher Pinochet äussert. Aber entscheidend für seine Wähler ist nicht die Verblendung von Kasts Vater oder einige fragwürdige Sympathiebekundungen, wobei an Kontakten mit der grössten deutschen Oppositionspartei im Bundestag, die in Umfragen inzwischen auf Platz eins in der Wählergunst liegt, nichts Verwerfliches ist.
Gewählt wurde Kast, weil sein Vorgänger versagt hatte, seine Gegenkandidatin Kommunistin ist und er für eine autoritäre Sicherheitspolitik, marktradikalen Wirtschaftsliberalismus, Sozialkonservatismus und nationalstaatliche Prioritäten eintritt. Zudem die Folgen einer zunehmenden Immigration (vor allem aus dem gescheiterten Staat Venezuela) und die steigende Kriminalität angehen will.
Das sind nämlich Probleme, die die Chilenen mehr als das Geraune von Heidtmann beschäftigen. Genauso, wie die absolute Mehrheit der Salvadorianer mit der Politik Bukeles absolut einverstanden sind. Weil ihnen dessen Erfolge und die Verbesserung ihrer Lebensqualität entschieden wichtiger sind als das Stirnrunzeln eines völlig verpeilten Korrespondenten.
Dass Heidtmann in Buenos Aires noch die Erfolge von Milei aushalten muss, das gibt ihm offenbar den Rest.
Was für ein jämmerlicher Journalismus ist das. Statt zu versuchen, die lateinamerikanische Wirklichkeit dem Leser näherzubringen, reitet Heidtmann seine ideologischen Steckenpferde zu Tode.
Wieso demokratisch gewählte Präsidenten der Demokratie schaden sollen, vermag Heidtmann nicht zu erklären. Sie schaden höchstens seinen zerplatzenden linken Träumen.










Wirklich interessanter Text. Langsam, aber sicher habe ich die Schnauze voll vom fremdgesteuerten Auslandteil des Tagi. Und überhaupt…
Sicher, aber langsam.
Wie schön. Jederzeit und immer hat der Bitterli eine hochkarätige, intelligente, ja bewusstseinserweiternde Anmerkung parat. Konkurrent Brunner dürfte gewarnt sein.
Und nein, damit ist der bilaterale Meinungsaustausch beendet.
Südamerika emanzipiert sich nachhaltig vom Sozialismus, der jahrzentelang den Kontinent würgte. In der €U passiert gerade das Gegenteil.
Das ist falsch. Und das Andere ist auch falsch.
Richtig.
Südamerika war schon immer in politischen Schwierigkeiten.
Die Rezepte europäischer «Aufklärer» scheiterten mehr oder weniger
alle. Jetzt kommt Nordamerika und holt zum letzten Oelchlag aus.
Hat es vielleicht an Venezuelas Küste auch eine Schweinebucht?
Oder ein Butscha?
Das Gute ist ja, dass das ganze links-ideologische Geschwafel dieser Gesinnungsschreiber von der Wirklichkeit in den Senkel gestellt wird. Die politische Welt entwickelt sich momentan genau in die entgegengesetzte Richtung, da nützt alles Jammern und „Einordnen“ nichts mehr.
Genau wie es in der Schweiz ist, ist es auch in Chile. Die Bevölkerung verfügt über mehr gesunden Menschenverstand als die gesamte links-grüne Journalistenschar, die längst den Bezug zur Realität verloren hat. Das Tragische dabei ist, dass sie es nicht mal merken.
Davon bin ich auch überzeugt: Genau wie es in der Schweiz ist, ist es auch in Chile. Mit Night-GA und Samschtigs-Jass.