Medienpranger
Das Weisse Haus will gegen Fake News vorgehen. Mit Fake News.
Präsident Trump pflegt eine zunehmend vulgäre und despektierliche Sprache gegenüber Journalisten («Schweinchen, dumm, hässlich»). An inhaltlicher Kritik hat er nicht viel zu bieten oder täuscht sich. Oder lügt, je nachdem.
Nun hat das Weisse Haus eine neue Webseite aufgeschaltet. «Irreführend, voreingenommen, entlarvt», verkündet sie. Sie nagelt einzelne Publikationen ans Kreuz und will vorführen, wie die «Feinde des Volkes» (Trump über missliebige Journalisten) ihm mit Falschmeldungen schaden wollen.
Schlimmer erwischt’s im Moment nur die Somalier («Abschaum, Müll»).
Es ist durchaus so, dass bedeutende linksliberale Zeitungen oder auch CNN kaum ein gutes Haar an allem lassen, was Trump tut oder unterlässt. Ein Echo davon findet man in der USA-Berichterstattung von Tamedia, die der Qualitätskonzern von verbitterten Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung» übernimmt. Die haben sich bis heute nicht davon erholt, dass die US-Stimmbürger so blöd sind, Trump gleich zweimal zum Präsidenten zu wählen.
Obwohl sie ihnen doch eindringlich davon abgeraten hatten.
Eine Stichprobe ergibt allerdings, dass Trump angebliche Fake News mit Fake News bekämpfen lässt.
CNN und andere Medien sollen eine «Straftat» begangen haben, indem sie über «eine gerichtlich genehmigte Strafverfolgungsmassnahme» berichteten, «die in einer Fabrik in New York stattfand, wobei Formulierungen wie „verängstigt“ und „terrorisiert“ verwendet wurden, um die Strafverfolgungsbehörden zu dämonisieren und ein Unternehmen, das Straftaten begangen hatte, zum Opfer zu machen.»
Das läuft unter den «Kategorien voreingenommen und links-irr». Die «Wahrheit» sei: «CNN verunglimpfte legale Strafverfolgungsmassnahmen anstatt eines Unternehmens, das amerikanische Steuergelder nutzte, um illegale Einwanderer zu beschäftigen.»
Die Wirklichkeit ist, dass in den entsprechenden Artikeln die Besitzer dieser Fabrik zu Wort kamen, die berichteten, dass ihre Angestellten verängstigt seien, nachdem von 220 Mitarbeitern über 70 durch 50 teilweise vermummte ICE-Agenten abgeführt wurden. Teilweise wurden sie anschliessend wieder freigelassen, einigen soll es nicht erlaubt worden sein, ihre Papiere, die den legalen Status belegen würden, aus dem Auto zu holen.
Die Wirklichkeit ist, dass die Firma tatsächlich staatliche Unterstützung à fond perdu erhalten hat, um Lohnzahlungen zu garantieren. Allerdings war das keineswegs damit verknüpft, «Amerikaner» anzustellen («intended to be used by the company to employ Americans»).
«„Wir sind entsetzt, es gibt keine Erklärung“, sagte Lenny Schmidt»,
wird einer der beiden Besitzer zitiert. Beide unterstreichen: «Ihre Einstellungspraktiken und -standards entsprächen vollumfänglich dem Bundesrecht. Sie versicherten, alle Mitarbeiter verfügten über die erforderlichen Arbeitserlaubnisse.»
Die ICE und weitere zuständige Behörden wollten hingegen nicht erklären, welche Vorwürfe genau wie vielen dieser Arbeiter gemacht werden.
Ob dem so ist oder nicht, lässt die Berichterstattung offen. Die «dämonisierenden» Ausdrücke wurden von den betroffenen Besitzern gemacht, allen Seiten wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt.
Soweit sich das beurteilen lässt, eine professionelle, saubere Berichterstattung. Deren Inhalt allerdings Trump und dem Weissen Haus nicht in den Kram passt.
Es ist nicht erkennbar, was daran voreingenommen oder gar «left-wing lunacy» sein soll.
Nun macht sich diese Webseite durch solche «lunacy» selbst unglaubwürdig und lächerlich. Es ist allerdings ein weiterer Versuch Trumps, unliebsame Medien einzuschüchtern. Nachdem seine Klage-Offensive bislang noch keine nennenswerte Erfolge erzielt hat.
Abgesehen davon, dass auch damit die Institution Weisses Haus beschädigt wird.











Wer Englisch als Muttersprache beherrscht hörte «Peggy», nicht «Piggy». Fremdsprachen sind halt eben Fremdsprachen.