Tages-Anzeiger revisited

Und wenn Mischa Aebi doch recht hätte?

Thomas Baumann
Jeder hat das Recht auf einen Verteidiger. Auch Tages-Anzeiger-Journalisten. Reicht das Geld nicht für einen, erhalten sie einen gestellt. Ich stelle mich zur Verfügung, versuche es zumindest.
Tages-Anzeiger-Redaktor Mischa Aebi versuchte der Leserschaft eine Erbschaftssteuer zu ‹verkaufen›. Dass er dies gleich nach der Klatsche für die JUSO mit ihrer Erbschaftssteuerinitiative versucht, war strategisch ungeschickt. Oder er ist, passend zur Adventszeit, einfach ein guter Christ: Wenn jemand dich auf die Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin (Lukas 6,29).
René Zeyer, wir wissen es, konnte nicht widerstehen. In diesem Sinne: Froher Advent allerseits!
Doch kann man die Argumentation von Mischa Aebi irgendwie retten?
Erben sei grundsätzlich ungerecht findet er. Das leuchtet auf den ersten Blick ein: Was hat ein Erbe schon dafür getan, um das Erbe zu erhalten? Doch zum Erben braucht es immer zwei: Den Erblasser und den Erbnehmer. (Es ist also nicht so wie bei Bill Clinton und Monica Lewinsky, wo sie Sex mit ihm hatte, während er gleichzeitig keinen Sex mit ihr hatte. Ganz offiziell und juristisch korrekt.)
Die Frage ist also nicht nur, ob Erben ungerecht ist, sondern ob auch Vererben ungerecht ist. Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit einem Bund roter Rosen nach Hause, um sie Ihrer Frau oder Ihrem Mann zum Geburtstag zu schenken. Jetzt nimmt Ihnen der Concierge alle bis auf zwei Rosen weg und verteilt sie an die anderen Nachbarn — dies mit der Begründung, Ihre Frau oder Ihr Mann habe ja nichts dafür geleistet, um diese Rosen zu erhalten. Ich nehme an, Sie finden dass ziemlich ungerecht, dass man Ihnen das schöne Geschenk wegnimmt. Soviel zur Gerechtigkeit des Erbens. Bei solchen Gerechtigkeitsüberlegungen ist auch das Gerechtigkeitsempfinden der Erblasser mit in Betrachtung zu ziehen.
Aber gut, primär argumentiert Aebi ja ökonomisch. Die Erbschaftssteuer sei so liberal, dass die FDP sie fordern müsste meint er. Und sie kurble die Wirtschaft an. Bingo, touché! Hier hat er natürlich einen Punkt: Wenn man den Menschen etwas wegnehmen will, versuchen sie es noch kurzfristig auszugeben, zu konsumieren, etc. Dasselbe kann man an jedem Kindergeburtstag beobachten, wenn man die Kleinen mit kopfgrossen Kuchenstücken herumrennen sieht.
Kurzfristig kurbelt eine Erbschaftssteuer also die Wirtschaft durchaus an. Da hat Mischa Aebi einen Punkt.
Erben mache faul, weniger grosse Erbschaften führen dazu, dass Menschen länger arbeiten würden, meint er weiter.
Auch das dürfte stimmen, allerdings nicht unbedingt so, wie es der Redaktor erwartet. Klar, wer mal kurz 10 Millionen erbt, kann es sich leisten, weniger zu malochen.
Auch führt eine Reform des Steuersystems, wodurch sich der Staat einen grösseren Teil seiner Mittel vermehrt durch eine Erbschaftssteuer und weniger durch andere Steuern beschafft, ceteris paribus dazu, dass der Grenzsteuersatz auf die Arbeit (Einkommenssteuern) und aus den Konsum (Mehrwertsteuer) sinkt. Wodurch in beiden Fällen mehr vom Lohn bleibt und somit ein stärkerer Arbeitsanreiz vorherrscht. Kein Wunder, arbeiten Menschen mehr, wenn es sich auch eher lohnt.
Hier hat die Erbschaftssteuer — wenigstens in der kurzen Frist — Elemente einer Kopfsteuer: Die negativen Anreize auf das Arbeitsangebot werden reduziert.
Langfristig lohnt es sich allerdings weniger, zu sparen und damit Kapital zu akkumulieren, wenn dieses eh‘ zu einem grossen Teil später sozialisiert wird. Die Folge: Die Wirtschaft wird mit einem tieferen Kapitalstock arbeiten müssen. (Oder der Kapitalstock befindet sich, im Fall einer kleinen offenen Volkswirtschaft, vermehrt in ausländischer Hand.)
Dann müssen wir tatsächlich alle mehr arbeiten, um den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Oder anders gesagt: In der langen Frist müssen die Leute mehr arbeiten, um dieselbe Menge an Gütern konsumieren zu können wie heute.
Dafür müssen die, welche mehr haben, in der Gegenwart mehr konsumieren, damit sie ihrer Güter nicht verlustig gehen. Ob diese Art von kurzfristigem ‹Notverzehr› um der Enteignung zu entgehen, auf Kosten des langfristigen Wohlstands wirklich das Gelbe vom Ei ist, bleibe dahingestellt.
Jedenfalls nähert man sich sich so in raschen Schritten dem sozialistischen Paradies an: Alle arbeiten, aber niemand hat etwas.
OK, die Verteidigungsleistung hier war durchaus überschaubar. Was auch damit zu tun hat, dass der Schreibende Ökonom und nicht Jurist ist. Was ja wie Hund und Katze ist. Aber gut, vielleicht hat es wenigstens geholfen, die ökonomischen Verwirrungen etwas zu entwirren.
15 Kommentare
  1. Christoph Grossmann
    Christoph Grossmann sagte:

    Der Ökonom erkennt, dass der Staat noch nie effizient mit Geld umgehen konnte (Monopolfalle, mit fremdem Geld (vermeintliche,) fremde Interessen verfolgen, der Jurist sieht die Gewaltentrennung, die Eigentumsgarantie bedrohnt und Steuerprinzipien wie keine Mehrfachbesteuerung und Allgemeingültigkeit verletzt. Das egoistische Gejammer der Faulen und Unfähigen nervt einmal mehr und ist der Darstellung nicht wert. Es braucht neue Leute in Bern, die eine solide Ausbildung und Praxiserfahrung haben.

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    • Rapahel Stein
      Rapahel Stein sagte:

      Wenn Sie jene neuen, gut ausgebildeten Kräfte für Bern gefunden haben, teilen Sie es uns unbedingt mit. Denn glauben mag man ja kaum noch daran, dass in der abgeschotteten Kammer der Bundeshauptstadt jemals ein Hauch von Erneuerung auftaucht. Man würde dort vermutlich schon Zugluft für Revolution halten.

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  2. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Lukas 6.29
    Tja, die Urbibel existiert leider nicht mehr.
    Ein Wörtchen weggelassen und alles ergibt einen ganz anderen Sinn.
    Theo log!

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  3. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:

    Die Juso und der Tagi würden sich besser mal Gedanken machen, weshalb EL Bezüger bei einer Erbschaft, lediglich einen Freibetrag von CHF 30 000 gewährt wird. Sowie auch die Betroffenen, die von der IV an die Sozialhilfe abgeschoben wurden. Denen bleibt nur noch der Freibetrag von CHF 4000. Ein gewolltes Unrecht, dass nicht nachvollziehbar ist. Der so hoch gelobte Rechtsstaat, raubt uns Geringverdiener, ungeniert alles, was es zu nehmen gibt.

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Es reicht! Lernen Sie endlich mal die vier Fälle des Deutschen kennen. Ihre groteske diesbezügliche Unkenntnis macht im Verein mit Ihrer bizarren Kommasetzung Ihre sicherlich wertvollen Aussagen schlicht unverständlich. Sie verstehen? Es handelt sich nicht um ein bisschen Kosmetik bzw. Besserwisserei an irrelevantem Ort. Es geht um das heisse Zentrum sprachlicher Äusserungen.

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      • Petra Hartmann
        Petra Hartmann sagte:

        Keine Sorge, meine Autobiographie, wird von einem versierten Lektor geprüft werden.

        Da Sie einmal mehr, inhaltlich nix zu schreiben vermögen, hoffe ich doch innigst, dass Sie ansonsten keine Probleme haben.

        PS: falsch gesetzte ,,, dürfen Sie behalten 😘

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        • Peter Bitterli
          Peter Bitterli sagte:

          Ich verstehe die Logik nicht: DA ich inhaltlich nichts zu schreiben vermag, hoffen Sie, dass ich keine Probleme habe? Es liegen also nicht nur Grammatik und Zeichensetzung, sondern auch die Gedankenführung im Argen. Was zu beweisen war.

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      • Petra Hartmann
        Petra Hartmann sagte:

        @Oberlehrer Bitterli

        Übrigens, laut KI habe ich im Kommentar lediglich EIN KOMMA falsch gesetzt. Werde beim nächsten Kommentar extra keine machen, damit Sie so richtig verärgert Ihrer Beschäftigungstherapie frönen können. Ihren sexistischen Seitenhieb ist inhaltlich deplatziert.

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    • H.R. Füglistaler
      H.R. Füglistaler sagte:

      Gratulation! Sie leben in der Realität.
      An diesem Elend sind aber nicht die Jusos schuld.
      Ihre jüngst abgeschmetterte Initiative (an deren Annahme
      auch keiner von ihnen je geglaubt hatte) ist für sie selbst
      ein Grosserfolg! Ihr Bekanntheitsgrad ist riesenhaft gewachsen.
      Und so können sie sich mit grösserer Kraft auch für die von ihnen
      angesprochenen Probleme einsetzen!

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  4. Rapahel Stein
    Rapahel Stein sagte:

    Eine Gesellschaft, die Arbeit bestraft und Vermögen privilegiert, hat ihre Massstäbe verloren. Da kann ein Rosenvergleich nur verwelken.

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