Bilderblatt Tages-Anzeiger
Viele bunte Bilder, wenig grauer Text.
Der Tagi macht sich Sorgen. SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer nimmt eine Auszeit. Das erwecke «viel Verständnis». Verständlich. Aber:

So sah die Front des Tagi vom 2. Dezember aus. Dem Leser, der ja kein Bildbetrachter ist, fehlt das Verständnis dafür, wieso rund ein Drittel der ersten Seite für ein Porträtfoto der durchaus bekannten Politikerin verbraucht wird. Informationsgehalt, oberhalb von «das ist Meyer»: null.
Nun meint aber offenbar der Tagi, was bei der Alterstruktur seiner Leser nicht ganz abwegig ist, dass deren Kurzzeitgedächtnis nicht mehr das beste ist. Also kommt hier Seite 4:

Hier nimmt das Foto (immerhin nicht das gleiche wie auf der Front) knapp die Hälfte des bedruckten Raumes ein. Eine zusätzliche Information im Vergleich zur Fotografie auf Seite eins ist nicht erkennbar; sozusagen eine Doppelnull.
Aber immerhin, eine gewisse Konsequenz ist dem Tagi nicht abzusprechen. Das Prinzip «viel informationsleeres Bild, umrahmt von trüben Texten», wird im ganzen Blatt auf allen schütteren 30 Seiten dieser Ausgabe durchgezogen:

Im Symbolbild: Waffen. Wahnsinn.
Oder der hier:

Symbolbild: Schülerin mit Kopftuch von hinten. Wahnsinn.
Umfasst der Artikel nicht die ganze Seite, wird das Symbolbild sogar etwas geschrumpft; seine Aussage liegt weiterhin bei null:

Im Bild: Schnellboot, schnell unterwegs. Wahnsinn.
Das mit Abstand blödeste Symbolbild kommt aber erst noch:

Attraktive Frau betrachtet mit lasziv geöffnetem Mund einen Ich-Erzähler. Immerhin ein Bild mit Aussage: leichter Sexismus-Verdacht kommt auf.
Gibt es och eine Steigerung von Gaga-Symbolbild? Aber sicher, Gaga-Symbolbild plus Gaga-Text. Et voilà, wir blättern einen Tag weiter zu diesem Kommentar:

Zuerst der Bild-Gag: die NZZaS als Altpapier, der Brüller.
Der «ehemalige Molkereifachmann» Marco Maurer hat einen unseligen Hang zu abstrusen Texten. Der hier löst ernste Besorgnis aus:
«Ich bin an deutschen Mülltonnen ein freier Mensch. In Zürich dagegen herrscht ein Entsorgungsregime.»
Hä? Nun, es wird noch bedenklicher, er melkt seine Story zu Tode: «Dennoch bin ich im Grunde auch ein Abfalltourist. Mir ist die Schweiz einfach zu akkurat. Ich scheitere an der Integration. Drei Fragen beschäftigen mich daher. Erstens: Warum gibt es in Zürich keine Papiertonnen? Zweitens: Warum darf ich in Deutschland Papier und Karton zusammen entsorgen? Drittens: Wo ist, beim Altpapier und Altkarton, der berühmte Schweizer Liberalismus geblieben?»
Karton, Papier, wo ist der Unterschied? Hauptsache Müll, meint Maurer. Der erbitterten Widerstand gegen den Zwang zum Verschnüren von Altpapier leistet: «Ich wehre mich dagegen. Mit einer Tüte voller Altpapier. Das ist höchstpeinlich, ja. Mein kleiner Akt der Rebellion – gegen Schnurzwang und geordnete Haufen – macht mich aber glücklich.»
Es ist natürlich schön, dass ihn das glücklich macht. Das soll auch der Sinn dieses Gaga-Gefässes sein: «In dieser Kolumne denken unsere Autorinnen und Autoren jede Woche über das gute Leben nach.» Im Ernst jetzt?
Für Maurer besteht also gutes Leben darin, mit einer Mülltüte voll Altpapier und Karton nach München zu reisen und es dort zu entsorgen.
Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen:
Knick in der Fichte, Wand draussen, einen an der Waffel, komplett Banane, Sprung in der Schüssel, im Oberstübchen zieht’s, alle Schrauben locker, ins Hirn geniesst oder was.
Und für diese lediglich therapeutisch interessanten Ergüsse noch Geld verlangen?










Die Quittung dafür, das in den behaglichen Redaktionsstübchen, die 3. oder 4. Garnitur vor sich hin werkelt. Kenne solche Figuren, nicht nur Journis, die könnte man als Wunder im Vatikan anmelden. Da staunt der Laie, wie die das am Morgen schaffen, gewaschen, gekämmt und sogar unfallfrei aus dem Haus zu kommen. Es bleibt ein Mysterium.
Bei Mattea Meyer zeigt sich die Belastbarkeit dieser Politikergeneration, schwafeln von Resilienz und anderen Schlagwörtern. Sobald die Arbeitsbelastung etwas steigt, dann noch etwas Gegenwind, dann werden sie buchstäblich verblasen…
Den Vogel schiesst das rechtsufrige Blödblatt ab, das wegen der Auszeit einer Berufspolitikerin eine Debatte über das unmenschliche Milizsystem anstösst.
Was ist ein rechtsufriges Blödblatt? Muss man das wissen?
«Ich bin an deutschen Mülltonnen ein freier Mensch. In Zürich dagegen herrscht ein Entsorgungsregime.» Liberalismus an der Mülltonne haben Penner auch wenn sie nach Brauchbarem suchen. Maurer soll sich von einer kompetenten Person seinen Mülltext erklären lassen, die ihm schonend beibringt was für ein Bünzli er ist. Marco ist die männliche Gülsha.
Perspektive hat Maurer noch. Der Grossmeister des «Qualitätsjournalismus» Simon Bärtschi ist neues Mitglied der Stiftung Zürcher Journalistenpreis vielleicht kommen neu auch Mülltexte in die Endrunde. Im TA sind sie schon lesen