Wer recherchiert das?
350 Millionen für Velowege in Zürich. Wahnsinn mit Methode.
Die Absicht ist klar: am liebsten sollte Zürich autofrei werden. Lastenvelos, Anhänger-Velos, Kinderwagen-Velos, ohne oder mit Hilfsmotoren (elektrisch, please) und immer mit Spassbremse. Das soll die Zukunft sein. An der darf jetzt gebaut werden, für den Irrsinnsbetrag von 350 Millionen.
Dafür verschwinden gegen die erbitterte Gegenwehr von Anrainern und Gewerbe Parkplätze im Multipack.
Machen wir es eine Nummer kleiner und nehmen etwas, was bereits für rund 40 Millionen Franken gebaut wurde. Der Velotunnel unter dem Zürcher Hauptbahnhof. Erlaube das gefahrlose Unterqueren, werde gut angenommen und fleissig benützt.
Seit der Eröffnung im Mai sollen bereits 600’000 Durchfahrten gezählt worden sein, vermeldet die Stadt Zürich und wird fleissig abgeschrieben.
Gezählt worden sei das ganz objektiv mit Induktionsschleifen, Beschiss unmöglich.
Zählen wir nach. Am 22. Mai wurde dieser Tunnel eröffnet. Das wären bis heute 194 Betriebstage. Also sollen an jedem einzelnen Tag rund 3100 Velofahrer den Tunnel benützt haben. Nimmt man acht Nachstunden weg, wären das 193 pro Stunde oder drei pro Minute.
Das ist einerseits nicht mehr so furchtbar viel. Jede einzelne Durchfahrt hätte bislang den Steuerzahler 66 Franken gekostet. Teurer Spass.
Aber es gibt noch ein weiteres Problem. Natürlich nicht repräsentative Beobachtungen ergeben regelmässig, dass kein einziger Velofahrer gesichtet wird. Keiner, null, nada, nix.
Nun könnte es natürlich sein, dass diese Beobachtungen immer genau zum falschen Zeitpunkt stattfinden, während zu Stosszeiten sich eine ganze Flut von Velos in beiden Richtungen durch diesen Luxustunnel ergiesst.
Aber wäre das nicht mal Anlass für eine vertiefte Recherche von Lokalmedien, die sich ja angelegentlich mit jedem verunfallten Velofahrer befassen?
Ausgangsfrage: kann es wirklich sein, dass rund 600’000 Durchfahrten bislang gezählt wurden? Wo kann man diese Zählung einsehen? Wie funktioniert diese Messung genau?
Wäre doch mal Anlass für eine ergebnisoffene Recherche.
Das wiederum wäre ganz schlecht für den heutigen Thesenjournalismus. Der ist eben überhaupt nicht ergebnisoffen. Sondern ein Redaktor, der ein Thema vorschlägt, wird sofort gefragt: und was ist unsere These?
Die kann hier natürlich nur lauten: Velofahren gut, Kritik schlecht.










Einsehen kann man die Anzahl Durchfahrten ganz einfach am Zähler der sehr prominent bei der Einfahrt vor der Sihlpost steht.
Man hätte auch mal hingehen können bevor man in die Tasten greift. Das geht auch ganz gut mit dem Auto, es hat um die Ecke ein grosses Parkhaus. Gebaut von der Stadt Zürich.
Man ist sich aber trotzdem nicht zu schade der Stadt noch indirekt zu unterstellen, dass mit den Zahlen etwas gemauschelt wird, weil jemand der mal da war kein Velo gesehen hat. Zu guter letzt behauptet man noch allen ernstes, dass Kritik am Velo in den Medien quasi verboten sei.
Schon ein bisschen zu viel des Guten.
In die Baukosten nicht eingerechnet sind die Kosten für den ursprünglich vorgesehenen Strassentunnel, der aber nie in Betrieb kam. Er stand jahrzehntelang einfach so herum. Jetzt hat man ihn eingekleidet, angemalt und beleuchtet. Die nie genutzte unterirdische Bauruine wurde mit 40 Mio aufgepepp. Ohne Einrechnung der Basiskosten. So geht das, wenn genug Steuergeld hereinkommt.
Diese Kosten hat man nicht eigerechnet, weil sie eben nicht angefallen sind. Ist so wenn man etwas nutzt das schon da ist.
Wir haben übrigens in der Stadt darüber abgestimmt ob das gebaut werden soll. Die 40 Millionen haben wir mit unseren Steuern finanziert.
Wer braucht schon Fakten, wenn man Ideologie im Überfluss hat?
Fakten sind rechte Hetze!
Jedem sein ve Löli.
Veloideologen ändern sich nie:
Nach unten treten, nach oben buckeln.
„Nach unten treten, nach oben buckeln.“ Scharfe Beobachtung! Raffiniert in eine Metapher überführt! Und passt ausgezeichnet auf den aktuellen Fall. Ich gratuliere herzlich zu dieser Neuformulierung!