Bührle und kein Ende

Die Stadt klagt gegen die Stiftung. Die soll sich nicht so anstellen, rät Tamedia.

Beat Metzler von Tamedia ist ein Tausendsassa. Der Erfinder des Blick-o-Meters, mit dem die Lüsternheit eines Männerblick gemessen werden kann (kein Scherz). Natürlich stand er auch im Mohrenkopfkampf an vorderster Front («rassistisch»), ist ein glühender Verfechter der Sprachvergewaltigung durch den Genderstern und verwendet auch gerne anrüchige Ausdrücke wie «Kulturkampf». Denn historische Bildung ist seine Sache nicht.

Während Kollega Tobler, der auch schon mal anregte, die Bührle-Sammlung doch schlichtweg ihrem Besitzer wegzunehmen, Pause macht, wirft sich Metzler nun in diese Schlacht.

Längst ist in den Hintergrund getreten, ob die x-te Nachuntersuchung der Provenienz der Kunstwerke und der Frage, ob einzelne ihren Besitzern unter Ausnützung einer Notlage billig abgekauft wurden, noch Sinn macht, in den Hintergrund getreten.

Die Stiftung beharrt darauf, dass das erschöpfend untersucht und beantwortet wurde, ein Gefälligkeitsgutachten im Auftrag der Stadt kam zu einem abweichenden Ergebnis, das wiederum hochumstritten ist.

Was macht der Beamtenapparat, wenn die Wogen hochgehen? Genau, er gibt eine weitere Untersuchung in Auftrag. Diese ganze Geschichte referiert Metzler einigermassen neutral.

Kollega Samira Kunz hatte zuvor zum x-ten Mal ins gleiche Fettnäpfchen gefasst:

«Im Artikel «Stadt geht rechtlich gegen möglichen Wegzug der Bürhle-Sammlung vor» in der Print-Ausgabe vom Donnerstag hiess es, die Sammlung sei wegen eines Umbaus bis 2027 geschlossen. Richtig ist, dass ab dem 20. März 2026 die Präsentation «Zwischenstand. Sammlung Bührle» eröffnet und eine Vielzahl der Werke wieder zu sehen sein wird.»

Richtiger ist, dass die Sammlung zurzeit nicht besichtigt werden kann.

Kein Wunder, dass es der Stiftung, die diese Kunstwerke für den Neubau des Kunsthauses als Leihgabe zur Verfügung stellte, den Hut gelupft hat.

Sie beschwert sich über

«massivste Vorwürfe von angeblich ethisch-moralischem Fehlverhalten, kritiklosem Umgang mit sogenannt historisch kontaminierten Kunstwerken bis hin zum Vorwurf von Antisemitismus».

Klare Rufschädigung.

Also hat es die Stiftung gewagt, aus ihren Statuten zu entfernen, dass die Werke in Zürich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Natürlich unbeschadet des Leihvertrags, der erst im Jahr 2034 abläuft.

Von der staatlichen Stiftungsaufsicht ist das problemlos genehmigt worden. Dagegen zieht nun die Stadt Zürich vors Verwaltungsgericht. Was absurd und die Verschwendung von noch mehr Steuergeldern ist, nachdem zusätzlich 5 Millionen Franken aufgeworfen werden, um die Kunstwerke nochmals zu untersuchen und zu «kontextualisieren».

Und genau hier legt sich Metzler nun in die Kurve und biegt nach Absurdistan ab:

«Psychologisch lässt sich die Abwehrhaltung der Bührle-Stiftung nachvollziehen. Erst bemühte sich die Stadt Zürich um die Bilder. Dann ging sie auf Distanz. Auch Kritiker haben die Stiftung teils unzimperlich angefahren.
Doch sie erweckt den Eindruck, Kritik von aussen generell als Zumutung wahrzunehmen. Mit der Präsentation ihrer Bilder in einem stark subventionierten Museum gehört solche allerdings dazu. Zudem hat die Stiftung mit Auseinandersetzungen rechnen müssen. Das Vermächtnis des Oerliker Waffenfabrikanten wird von links seit Jahrzehnten hinterfragt.»

Psychologisch? Da bietet die Stiftung Hand, den Neubau mit einer Attraktion zu füllen, die anfangs auch von der schreibenden Schmachtlocke Daniel Binswanger und vielen anderen als Bereicherung für den Kulturstandort Zürich bejubelt wurde. Dann begannen die Meckereien und haltlosen Verdächtigungen, die von der Stiftung mit Engelsgeduld beantwortet wurden.

Was soll daran nun rein psychologisch sein, wenn ein Verleiher von weltberühmten Kunstwerken dafür nicht ständig eins in die Fresse kriegen will? Sondern irgendwann völlig verständlich sagt: also wenn ihr die Sammlung so scheisse, zweifelhaft und anrüchig findet, wieso soll sie dann bei euch ausgestellt bleiben?

Dagegen Metzler: «Auch die Ansprüche, die das Kunsthaus an die Herkunftsprüfung stellt, sind keine Schikane. Sie gelten für alle Bilder im Museum. Und falls die Eigeneinschätzung der Sammlung als unproblematisch zutrifft, hat die Stiftung nichts zu befürchten durch weitere Abklärungen.»

Doch, in der x-ten Wiederholung des Generalverdachts, dass hier Raubkunst ausgestellt sein könnte, ist es reine Schikane. Und der Gang vor Gericht gegen die Stiftung ist reinste Schikane.

Kleine Frage am Rande: «Sie gelten für alle Bilder im Museum.» Welche anderen Bilder im Kunsthaus sind denn dermassen gründlich, wiederholt und dann nochmal wiederholt auf ihre Herkunft untersucht worden?

 

 

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