Heiteres Raten
News-Journalismus liefert News.
Banal? Nun, dazu noch Hintergründe und Analysen und Einordnungen. Damit sich der Konsument in der Welt orientieren kann – und sich eine eigene Meinung bilden.
Dabei gibt es Themen, die geradezu inflationär abgehandelt werden. Das aktuelle Triumvirat: Trump, Ukraine, Gazastreifen. Wobei Letzterer schon langsam abgibt. Gelegentlich tauchen dann nationale Sternschnuppen wie der Steuer-Deal mit den USA auf.
Aber die Welt besteht aus etwas mehr Staaten und Konflikten. Wo viel mehr Menschen umkommen als in der Ukraine oder im Gazastreifen. Was die dortigen Toten nicht relativiert. Aber Beleg für eine völlig verzerrte Wahrnehmung der Massenmedien ist.
Beweis? Einfach, ein paar Quizfragen:
– Wer kämpft im Sudan gegen wen und worum?
– Wer unterstützt welche Kriegspartei von aussen, und warum?
– Welche Kriege finden in Myanmar statt?
– Worum geht es im Krieg im Jemen, wer ist hier der Aggressor?
– Kann man Haiti noch als Staat bezeichnen, warum nicht?
– Wann haben Sie das letzte Mal vom Konflikt in Westpapua gehört, worum geht es?
– Welche Konflikte gibt es in Nigeria?
– Ist der Drogenkrieg in Mexiko bereits ein Bürgerkrieg?
Da wären noch Kongo, Äthiopien, Kurdistan, Kolumbien oder Transnistrien.
Man kann doch nicht bei allen kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Laufenden sein? Schon, aber man muss von den Informationsmedien verlangen, dass sie richtig gewichten und nicht in Stampeden den gleichen Konflikten nachrennen, andere vernachlässigen.
Es müssen auch nicht immer Kriege sein. Wie viele Staaten beteiligen sich an den Sanktionen gegen Russland? Zählt man die EU als ein Staat, sind es ganze 12. Darunter bedeutende Nationen wie Montenegro, Nordmazedonien oder Monaco. Ach, und die Schweiz.
Von insgesamt 193 Staaten, die in der UNO vertreten sind. Also eine kleine, radikale Minderheit.
Auch Wirtschaft- und Militärzahlen können für eine erste Einordnung dienen. So hat Schwarzafrika insgesamt ein Bruttoinlandsprodukt von rund 2 Billionen Dollar. Die USA von knapp 30 Billionen.
Das Verteidigungsbudget der USA beträgt knapp eine Billion Dollar, oder sollte man Kriegsbudget sagen? Das ist mehr als die Militärausgaben der nächsten zehn Länder zusammen.
China (314 Milliarden) und Russland (149) liegen auf den Plätzen, dann folgen Deutschland, Indien, Grossbritannien und Saudi-Arabien mit jeweils um die 80 Milliarden.
Natürlich sind diese Zahlen Annäherungen, da überall Budgetposten versteckt werden.
Auch hier gibt es nur Näherungen: Die USA unterhalten über 800 Militärbasen ausserhalb ihres Territoriums. Russland etwas über 20. China mindestens eine.
Statt regelmässig Meldungen mit dem Bauchgefühl und der Bauchnabelbetrachtung eines Journalisten zu dekorieren, wäre es doch zum Beispiel eine Idee, mit solchen Angaben den Konsumenten zu helfen, die Berichterstattung einzuordnen.
Denn die x-te Wiederholung, dass Trump ein Amok sei, Putin ein ganz böser Bube, Selenskjy ein Freiheitsheld mit kleineren Korruptionsproblemen, die schafft weder neue Erkenntnis, noch hilft sie bei der Einordnung, was auf der Welt so alles passiert.
Natürlich ist dem Schweizer Leser der Steuer-Deal mit den USA näher als der Konflikt auf Westpapua oder Borneo. Dort verschwand hingegen im Jahr 2000 der Schweizer Ethnologe und Menschenrechtsaktivist Bruno Manser.
Und so ist doch alles auf der Welt irgendwie miteinander verknüpft. Diese Knoten darzustellen, wäre gar nicht so schwierig. Man müsste nur wollen.











«Natürlich ist dem Schweizer Leser […] näher als der Konflikt auf Westpapua oder Borneo.»
Ich vermute mal, dass dies der Grund ist, warum darüber nicht berichtet wird.
Ich wüsste auf einer Weltkarte noch nicht einmal, wo ich mit dem Finger hinzeigen müsste für Westpapua. Wüssten Sie es? Muss man das wissen?
Die Einen schwafeln Einordnen und anderen Superlativen zu Gunsten des Medienkonsumenten…
Wie oben sichtbar beschrieben, selber völlig überfordert…
Danke für die Erinnerung an Bruno Manser.
Man müsste nur wollen.
Man müsste überhaupt erst fähig sein, zu wollen.
Doch wenn ich mir die Verlegerfamilien ansehe, finde ich dort kein intellektuelles Gewicht, nur Rappenzähler und selbstzufriedene Hobby-Schlossbesitzer.
Sie verlangen Unmögliches von Leuten die kein Studium abgeschlossen haben. Und die die eins haben sind zu teuer. Darum lesen wir Schlagzeilen wie: «Ab wann frieren Katzen?». «Diese Fehler machen viele beim…».