Fragen ohne Antworten

Was leisten die Qualitätsmedien so?

Die Schweiz hat einen Deal. Mit Trump. Endlich. War nicht leicht, aber es ist geschafft. So schreiben alle. NZZ, Tamedia, «Blick», CH Media.

Wunderbar. Nur: es bleiben ein paar Fragen offen.

– Ist die Absenkung der Strafzölle auf 15 Prozent in trockenen Tüchern, besiegelt und unterzeichnet?

– Neben Investitionen von 200 Milliarden in den USA, welche weiteren Zugeständnisse musste die Schweiz machen?

– Reicht es wirklich, dem US-Präsidenten eine goldene Rolex auf sein Pult zu stellen und ihm einen Goldbarren zu widmen, um mit ihm ins Geschäft zu kommen?

– Wenn der Deal jetzt möglich wurde, wieso nicht schon vorher? War die Heraufsetzung auf 39 Prozent nach dem letzten Telefonat am 31. Juli ein dramatischer Flop, der eigentlich einen Rücktritt nötig machte?

– Sind 15 Prozent mehr Zölle aufgrund absurder Berechnungen ein Erfolg oder eine Niederlage?

– Gelten diese 15 Prozent zusätzlich auf alles, welche weiteren Zölle gibt es weiterhin?

– Gibt es einen Zeitpunkt, ab wann diese neuen Zölle angewendet werden?

– Kommen bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin 39 Prozent Zusatzzoll in Anschlag?

– Gibt es eine Laufzeit, eine Zusicherung der Geltungsdauer für diesen neuen Zolltarif?

– An welche weiteren Bedingungen ist dieser neue Zoll geknüpft?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

In der Ukraine tobt weiterhin Krieg. Auch hier gibt es mehr Fragen als Antworten.

– Stehen die russischen Streitkräfte vor der Einnahme wichtiger Städte?

– In welche Zustand befinden sich die ukrainischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befinden sich die russischen Streitkräfte?

– In welchem Zustand befindet sich die ukrainische Wirtschaft?

– Welche Auswirkungen hat der jüngste Korruptionsskandal, der ganz nahe an den Präsidenten Selenskjy heranreicht?

– In welchem Zustand befindet sich die russische Wirtschaft?

– Wie lange ist es für Russland möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wie lange ist es für die Ukraine möglich, den Krieg fortzusetzen?

– Wer wird schlussendlich für die Kriegszerstörungen aufkommen?

– Was wären realistische Verhandlungspositionen bei der Aufnahme von bilateralen Gesprächen?

10 Fragen, null Antworten der Qualitätsmedien. Nichts Genaues weiss man nicht. Kann man das als geldwerte Leistung verkaufen? Und wenn ja, wie viel Geld ist sie wert?

Dazu hätte ZACKBUM noch ein paar allgemeine Fragen.

– Ist der Schwund an Kompetenz und Analysefähigkeit durch die jüngsten Sparrunden so dramatisch, dass solche fundamentale Recherchen nicht mehr geleistet werden können?

– Wieso werden «Meinungen» nicht auf ein gesundes Mass geschrumpft, auf vielleicht einen Kommentar pro Woche?

– Wann konnte man zum letzten Mal eine Gegenmeinung zum herrschenden Narrativ und Framing in den Mainstreammedien lesen?

– Wieso ist die Fähigkeit zur Gewichtung, zur Unterscheidung zwischen Wichtigem (Altersversorgung, EU-Verträge, Kriegsgefahr) und Unwichtigem (Mohrenköpfe, Nemo, Bargeldverbot am Weihnachtsmarkt) abhanden gekommen?

– Muss eine «Reportage» über «Lachyoga» hinter der Bezahlschranke versorgt werden?

– Wie verzweifelt muss man sein, um Ex-Botschafter Borer immer wieder zu interviewen?

–Braucht es eine Kolumne «Moderne Wecker lassen die Sonne aufgehen»?

– Warum werden die Magazine von NZZaS und Tamedia nicht sofort eingestellt?

– Wie viele Fehler kann sich Pietro Supino noch erlauben?

– Wann wird das unfähige Medienmanagement der grossen Häuser entlassen, zumindest ausgedünnt?

30 Fragen, 0 Antworten.

Ausser der, die die Leser mit den Füssen geben …

 

5 Kommentare
  1. Martin Hefti
    Martin Hefti sagte:

    Unglaublich, aber in Sachen Zoll-Deal sind sich Zackbum, Molina und ich mal einig: Der Maga-Dealmaker und Meisterbluffer wechselt von der 40-Prozent-Keule zur 15-Prozent-Fitze plus Reparationszahlungen wolkigen Umfangs, und das wird vorbehaltlos bejubelt.

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  2. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr sagte:

    Auf Inhalte hinter Bezahlschranken kann man getrost verzichten. Irgendwann taucht irgendwo alles frei zugänglich auf. Beim Tagi sogar auf der eigenen Seite. Am Morgen noch gesperrt, am Abend frei lesbar. Das muss ein furchtbares Gefühl sein wenn man etwas verkaufen will und es dann verschenken muss weil die Arbeit sonst für die Katz war. Ohne zahlungskräftige Werbekunden läuft im Internet gar nichts. Wenn ich auf YouTube den Algorithmus zum Überspringen der Werbung überlisten muss, dann leiste damit meinen Obolus. Aber zahlen, dass keine Werbung angezeigt wird? Ich nicht.

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  3. Guido Kirschke
    Guido Kirschke sagte:

    Der Weihnachtsmarkt im HB ist unwichtig, das geltende Bargeldverbot finde ich jedoch sehr wichtig. Im Zuge der es-ist-ja-alles-nur-frewillig Digitalisierung dürfte ein solches Verbot nämlich gar nicht möglich sein. Aber he, who cares?

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  4. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Man möchte doch von den allermeisten Schmierern gar keine Antworten mehr haben.
    Um Langeweile und Öde zu durchbrechen: Schauen Sie sich doch wieder einmal ein paar streng lokale Produkte an, z.B. „Zentralplus.ch“. Da entwickeln sich ganz eigene, spannende Dynamiken, indem ganz ausschliesslich über Unwichtiges berichtet wird, vorab darüber, welcher Loser und Bankrotteur gerade welche Beiz neu zuschanden reiten will, oder welche Hysterikerin in welchem Gemeindeparlament mit welchem Grad an Empörungsrhetorik welche Forderungen stellt. Dabei funktioniert die Titelsetzung immer genau nach dem angedeuteten Muster, das ums Anklicken bettelt: „Dieser Gastronom übernimmt…“, „Hier stehen die Blitzer…“, „Das ist die neue Leiterin…“, „Diese Weihnachtsmärkte sind nur noch zum Kotzen…“, „Das sind die Menschen hinter der Hundlibar…“. Wer dann unbedingt wissen will, wo, wer, wie, der muss blechen. Das Spannende an der Dynamik: Gemessen an den Leserpostings wollen es nur sehr sehr Wenige wissen, was den „schreibenden Personen“ aber egal sein kann, da ein Landis&Gyr-Erbe weiterhin sein schlechtes Gewissen besänftigt und unverdrossen sein Geld mit dem trockenen Zeug verbrennt. Solche Erben, solche schreibenden Personen, solche vertriebenen Leser, solche Co-Chefredaktoren, die nach dem Studium chinesischer Genderistik nichts Besseres gefunden haben, solche Kleinstgruppen, bei denen niemals die Gefahr besteht, dass sie beim rüstigen Vorangehen über die heimische Ackerfurche hinaus oder auf einen interessanten Gedankengang geraten könnten, der sich nicht in „Der Stadtrat ist gut beraten, wenn…“ erschöpft, gibt es doch überall und haufenweise. Ich würde mich über eine kleine Serie freuen. Denn, spannende Dynamik zum Dritten: Würde man es richtig machen, läge doch genau hier eine Chance für einen rentablen Journalismus im Postjournalismus.

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