Wumms: Peter Burghardt

Der erhobene Zeigefinger aus Deutschland im Reich der Tamedia-Qualitätsmedien.

Der SZ-Korrespondent in Washington ist mehrfacher Wiederholungstäter. Unbelehrbar will er der Realität zeigen, wie sie seiner Meinung nach zu sein hätte – und quält seine Leser damit.

Immer wieder unkt und raunt er («So stirbt die Demokratie», «Vielleicht hat Trump einen entscheidenden Fehler gemacht»). Dass seine Prognosen und Wünsche nie eintreffen, was kümmert ihn das. Irgendwann, so seine unerbittliche Hoffnung, muss die Realität, muss Trump doch mal ein Einsehen haben.

Nun sind allerdings zur Abwechslung die Demokraten dran:

«Ende des US-Shutdowns: Die Demokraten knicken wieder vor Donald Trump ein – das wird sie teuer zu stehen kommen».

Zumindest haben sie sich damit wütendes Gezeter von Burghardt eingehandelt. Dem Vernehmen nach ist das Stadtgespräch in Washington, demokratische Parlamentarier lesen sein Werk ehrfürchtig und geloben Besserung, Trump ist bei gemeinsamer Lektüre der Zeilen mit seinem ganzen Familienclan beobachtet worden. «Great guy, huge, I like him», soll er gemurmelt haben.

So sieht das vielleicht in Burghardts Wunschwelt aus. In Wirklichkeit interessiert es dort keinen Menschen, dass er tobt: «Eine Mehrheit der Wählerschaft lehnt Trumps Kurs ab, das zeigen auch Umfragen.» Blöd auch, dass eben diese Wählerschaft Trump zum Präsidenten gewählt hat. Was mal wieder beweist: wer nicht auf Burghardt hört, ist blöd – und selber schuld.

Es ist auch wieder zum Mäusemelken: «Aber Trumps Riege hätte einlenken müssen, nicht das Lager seiner Gegner.» Lang lebe der Wunsch-Konjunktiv.

Vergeblich warnt und mahnt die Unke aus München mal wieder: «Dieser Mann mit seinen Kryptodeals und Milliardärsfreunden darf dieses Land nicht kaputtsparen. Doch acht Abweichler haben Trumps Eigensinn abgenickt

Nur Hohn und bitteren Spott hat er für die acht Demokraten, die für einen Zwischenhaushalt für die nächsten Monate stimmten; ihr Argument, «es habe halt nicht funktioniert, ist eine Bankrotterklärung und wird die Partei teuer zu stehen kommen».

Meine Güte, Trump will, aber darf das Land nicht kaputtsparen. Demokraten erklären schon mal Bankrott. Dann lässt Burghardt die Katze aus dem Sack, bzw. gesteht seine Tagträumerei:

«Erstmals seit Monaten hatte man in den vergangenen Tagen den Eindruck, als wackle Trump etwas, als hätten die Demokraten ein Thema, vorneweg Trumps Wirtschaftschaos. Dieses Momentum wurde am Sonntag kaputt gemacht.»

«Man», schreibt er, sich meint er. Für diese Abweichler hat er nur Verachtung übrig: «Der Präsident kommt wieder durch, weil acht demokratisch/unabhängige Senatoren lieber seinen Wünschen nachgeben, als Haltung zu zeigen. Kurzfristig hilft das den USA, langfristig wird es für viele Menschen teuer, auch für die Demokraten.»

Wird es für viele Menschen teuer, wenn Demokraten Bankrott erklären und der Präsident kaputtspart? Das Schöne an Langfristprognosen ist dagegen: sie müssen gar nicht eintreffen, denn sie sind doch langfristig. So im Sinne: spätestens vor der nächsten Eiszeit.

Es ist wie bei der BBC. Dass Burghardt kein grosser Diagnostiker oder Analytiker vor dem Herrn ist, ist sein Problem. Dass die Realität nicht so will, wie er es gerne hätte, ist deren Problem. Dass niemand auf seine ungebetenen Ratschläge hört, ist das Problem Trumps und von US-Parlamentarieren.

Dass aber weder bei der «Süddeutschen Zeitung» noch bei Tamedia jemand verhindert, dass ein solcher Stuss publiziert wird, ist das Versagen aller Kontrollmechanismen.

Dass die damit gequälten Leser scharenweise die Flucht ergreifen, ist allerdings nicht deren Problem, sondern deren Lösung. Ein klares Nein zu Masochismus und Geldverschwendung.

1 Antwort
  1. A. Zurbuch
    A. Zurbuch sagte:

    Es ist eigentlich immer dasselbe: Journalisten machen ihren Job nicht mehr sondern betreiben Nabelschau (nicht so schlimm) oder verbreiten Propaganda (schlimm).

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