Ein Verschwörungstheoretiker

Andrian Kreye schreibt über Bari Weiss. Und merkt nicht, dass die über ihn schreibt.

Der Autor der «Süddeutschen Zeitung» diffundiert in den «Tages-Anzeiger». Denn er hat Schreckliches zu vermelden: «Rechte Journalistin übernimmt CBS: Ein Kniefall vor Donald Trump

An dieser Schlagzeile stimmt nun genau nichts. Macht nichts. Hinter dieser Fake News steht Folgendes: Die profilierte Journalistin Bari Weiss wird Chefredaktorin des TV-Senders CBS. Der gelte als «Synonym für überparteilichen Journalismus». Hingegen: «Die 41-jährige Bari Weiss wiederum steht für den Strukturwandel und den Rechtsruck in der Medienwelt.»

Das habe sich darin geäussert, dass Weiss medienwirksam bei der «New York Times» gekündigt habe.

«Nach Essays, in denen sie sich für kulturelle Aneignung und gegen linke Hetze positionierte, hätte die Zeitung sie weder gegen die heftige Kritik noch gegen die Shitstorms in den sozialen Medien verteidigt, so Weiss’ Begründung

Auch diese Behauptung von Kreye enthält nur Spurenelemente der Wahrheit. In Wirklichkeit hatte sie Mobbing im Arbeitsumfeld, ideologische Konformität und den Einfluss von Social Media auf redaktionelle Entscheidungen beklagt. Kann man im Kündigungsschreiben nachlesen. Wenn man will.

Nach ihrem Abgang startete Weiss den Newsletter «Common Sense», der schnell einmal weit über eine Million Abonnenten hatte. Während die Nachrichten-Flaggschiffe von CBS schmerzliche Rückgänge bei den Zuschauern verschmerzen mussten. 2025 beispielsweise um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei «CBS Evening News». Erschwerend kommt hinzu, dass das Medianalter des Zuschauers bei 63,2 Jahren liegt, was nur im Vergleich zu Trump als jugendlich gelten kann.

Ausserdem versteifte sich CBS wie die NYT darauf, Donald Trump als Gottseibeiuns wegsenden zu wollen und verzichtete zunehmend auf Diversität im Programm und in den Meinungen.

Immerhin gesteht ihr Kreye zu: «Sie ist eine jener Konservativen, die Debatten nicht mit der ideologischen Kettensäge, sondern mit dem intellektuellen Skalpell auseinandernehmen.»

Er hält es hingegen mehr mit dem Zweihänder: «Auf den ersten Blick wirkt die Besetzung für viele trotzdem wie ein Kniefall vor Donald Trump.» Wer da einen solchen ersten Blick wirft, das verrät Kreye allerdings nicht. Ob er von sich selbst im Pluralis Majestatis spricht?

Was der Gesinnungsschreiber allerdings putzig übersieht: er schreibt hier über Weiss, aber die schrieb auch schon über ihn. In einem Interview im gleichen «Tages-Anzeiger» wurde sie nach ihrem Abgang bei der NYT über die Gründe befragt und sagte 2021, als hätte sie Stücke wie das von Kreye über sich vorhergesehen:

«In diesem Sommer der «Black Lives Matter»-Bewegung setzte sich meiner Meinung nach eine bestimmte Entwicklung durch: Dass es immer mehr Journalisten nicht als ihre Aufgabe empfinden, objektiv zu sein, sondern auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.»

Mit dem intellektuellen Skalpell seziert sie die Blase von «illiberaler Kultur», in der sich auch Kreye bewegt:

«Meine Welt ist das blaue Amerika, das der Demokraten. Und in dieser Welt fürchten die Leute nicht den Illiberalismus der Rechten, sondern haben Angst, von ihren Nachbarn und Freunden aus Schulen, Unis, Jobs gejagt zu werden, weil sie nicht mit der neuen linken Ideologie konform gehen. Es ist kurios, dass unter Linksliberalen inzwischen Leute als Abweichler gebrandmarkt werden, aber es ist so. Und das ist alarmierend.»

So wie sie von Kreye als Beispiel des «Rechtsrucks» in den Medien denunziert wird.

Einen Aspekt hat sie allerdings vergessen: Blasenschreiber wie Kreye neigen auch noch zu Verschwörungstheorien. Fusion Paramount mit CBS und der Blockbusterfirma SkydanceMission Impossible»). Deren Gründer und Chef ist David Ellison, Sohn von Larry Ellison («Oracle») und reichster Mann der Welt.

Der wiederum gelte als «enger Freund von Donald Trump». Und Weiss sei dann direkt David Ellison unterstellt. Schlussfolgerung: Die Aliens sind unter uns und schwarze Helikopter über uns. Nein: «Der Weg ins Weisse Haus ist nicht weit».

So nach der Devise: Trump zu Ellison Senior: sag mal deinem Sohn, er soll Weiss sagen, sie soll den Friedensnobelpreis für mich fordern.

Sagt Kreye, der in einem Medienhaus arbeitet, in dem ähnliche Anweisungen nicht unbekannt sind. Sicher hat Kreye das Buch «Wie ich meine Zeitung verlor» des langjährigen SZ-Reporters Birk Meinhardt überlesen. Und erinnert sich an die Schnüffelei nach einem «Maulwurf» im Plagiats-Skandal um die stellvertretende Chefredaktorin Alexandra Föderl-SchmidJournalisten müssen supersauber sein»). Oder an den Fall Aiwanger.

Aber wieso denn in die Nähe schweifen, das Ferne liegt so nah. Und hat den Vorteil, dass es ein völlig gegendarstellungsfreier Raum ist.

2 Kommentare
  1. Fabian Müller
    Fabian Müller sagte:

    Na gut, der Artikel von Herr Kreye mag Einiges zu wünschen übrig lassen, Frau Weiss aber einfach als objektive Journalistin darzustellen grenzt aber schon an Realitätsverweigerung. Frau Weiss hat nie Journalismus in einer Nachrichtenredaktion betrieben, sie war seit je her im Meinungsjournalismus unterwegs. Auch ihre Plattform comon sense, die, umgetauft auf the free press, bei einem Jahresumsatz von 15 Mio. für 150 Mio von Herrn Elisson Jr. gekauft wurde, wurde mehrfach bei der Verbreitung von halbwahren bis komplett falschen Sachverhalten zur Stützung des eigenen Narrativs ertappt. Die Intention hinter der Beförderung einer eindeutig rechten Meinungsjournalistin zur Chefredakteurin eines der wichtigsten noch mehr oder weniger ausgewogenen News Outlets, ist offensichtlich.

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