Die Heiligsprechung
Der Chäf hat vorgebetet, Urs Gehriger frömmelt hinterher.
«Mord an einem Brückenbauer», jammert Gehriger in der «Weltwoche» und wiederholt die Worte seines Vorbeters: «Das Attentat auf Charlie Kirk ist ein Anschlag auf das Herz der Demokratie.»
Denn das schlug offenbar in Kirk und nirgends sonst. Auch die Schuldfrage ist für Gehriger geklärt: «Politiker und Massenmedien tragen Mitschuld an seinem Tod.»
Also ZACKBUM schon mal nicht, aber wir sind ja auch kein Massenmedium.
Zunächst geht es um die Heiligsprechung: «Dabei hat er seine Werte stets ostentativ nach aussen getragen: seinen Glauben an Gott. Seinen Patriotismus. Seine Ablehnung des Gender-Wahns. Seinen Einstand für sichere Grenzen und Widerstand gegen unkontrollierte Einwanderung und Kriminalität.»
Kirk war von sanfter Überzeugung, laut Gehriger: «Viele ertrugen Kirks kritische Stimme nicht. Er wurde angefeindet. Kirk liess sich nicht einschüchtern. Er doppelte nach: «Bekämpfe Hassreden mit mehr Meinungsfreiheit» war seine Losung.»
Vielleicht sollte bereits der Papst eine Vormerkung machen: «Kirk war ein Frühberufener.» Das wäre doch ein Doppelschlag: Kirk wird heilig gesprochen und Trump kriegt den Friedensnobelpreis. Oder umgekehrt. Oder beide beides.
Dann zitiert Gehriger Präsident Trump, der seinerseits für versöhnliche Worte, Ausgleich und Brückenbauen bekannt ist: «Seit Jahren vergleichen radikale Linke wunderbare Amerikaner wie Charlie mit Nazis und den schlimmsten Massenmördern und Verbrechern der Welt. Diese Art von Rhetorik ist direkt verantwortlich für den Terrorismus, den wir heute in unserem Land erleben, und sie muss sofort aufhören.»
Terrorismus in den USA? Der grösste Terroranschlag von US-Staatsbürgern war das Oklahoma City Bombing von 1995. Fast 170 Menschen wurden getötet, darunter 19 Kinder. Ausgeführt wurde er von den zwei rechtsradikalen Gegnern von Waffenkontrolle und überhaupt staatlichen Massnahmen Timothy McVeigh und Terry Nichols.
Aber he, nicht nur Trump lügt notorisch und stetig.
Kirk war ein Sprachrohr der Wahlfälschung-Verschwörungstheoretiker von 2020 und nahm an «Stop the Steal»-Veranstaltungen teil. Als er vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses aussagen und seine wilden Behauptungen belegen sollte, machte er vom 5. Verfassungszusatz Gebrauch, also von seinem Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen.
Er brüstete sich damit, dass seine Organisation «Turning Point» im Januar 2021 80 Busse «voller Patrioten» nach Washington schicken werde, um Trump zu unterstützen. Später räumte sein Haufen dann ein, dass es eher sieben Busse gewesen seien.
Ganz schlimm sind seine fundamental-christlichen Aussagen. Gefragt, ob ein vergewaltigtes zehnjähriges Kind die Schwangerschaft austragen sollte, sagte er, das sei ein furchtbares Beispiel, «aber ja, das Kind würde zur Welt gebracht werden».
Grauenhaft ist auch sein Vergleich von Abtreibung mit dem Holocaust:
«Das ist, wie wir Auschwitz bekommen, das ist, wie wir den grössten Horror des 20. Jahrhunderts bekommen haben.»
Auf Nachfrage, ob er Abtreibung wirklich mit der Judenvernichtung vergleiche, antwortete er: «Absolut. In Wirklichkeit ist es schlimmer, es ist schlimmer.»
Oder in den salbungsvollen Worten von Gehriger: «Für Kirk war der Glaube der Urquell für alles, was er tat. Die Bibel war ihm Kraftstoff und Referenzschrift für alle Situationen im Leben.»
Dabei war sich Kirk, säuselt die WeWo, seiner menschlichen Begrenztheit durchaus bewusst: «Wir sind alle Sünder. Wir alle haben Probleme. Wir alle haben Laster, doch Jesus macht uns ganz.»
Kirk gleich als Messias hochzujubeln, das traut sich Gehringer dann doch nicht. Noch nicht. Aber dafür hat er einen anderen Vergleich auf Lager, der einem die Lachtränen in die Augen treibt:
«Sein Rhetorikstil erinnerte an Sokrates, den antiken Philosophen, den wir aus Platons Werken kennen. Durch Fragen und Nachfragen legte er Widersprüche im Denken des Gesprächspartners offen.»
Charlie Sokrates Kirk, Wahnsinn.
Das ist Abteilung Dadaismus und Gagaismus. Aber Gehriger kann auch hinterfotzig: «Medien und Politiker bis hinauf in die Staatsspitze haben über Jahre eine Stimmung geschaffen, die das Terrain für den Mord an Kirk ebneten.»
Die ausgeleierte alte Leier: die Medien waren’s, und wenn nicht sie, dann die Politiker. Ausschliesslich die linken natürlich. Dann wird es ganz, ganz dünn: «Gewalt gegen Politiker und Aktivisten gibt es in den USA auf beiden Seiten. Doch Konservative werden auffällig oft ins Visier genommen.»
Als Beleg dafür kratzt Gehriger gerade mal einen angeschossenen republikanischen Abgeordneten und ein vereiteltes Attentat auf einen Bundesrichter zusammen. Plus natürlich die beiden Attentatsversuche auf Trump.
Am 14 Juni 2025 wurden die demokratische Politikerin Melissa Hortman und ihr Mann erschossen. Kurz zuvor gab es einen Anschlag auf den demokratischen Senator John Hoffmann und seine Frau, die beide schwer verletzt wurden. 2022 wurde bei einem Kidnappingversuch der Ehemann von Nancy Pelosi schwer verletzt. Im gleichen Jahr gab es einen Attentatsversuch auf den demokratischen Bürgermeisterkandidaten Craig Greenberg. Usw.
Irgendwie passen alle drei zusammen. Trump, Kirk und Gehriger. Alle drei nehmen es mit dem Fakten nicht so genau, dafür polemisieren sie ungehemmt. An der Frömmigkeit muss er vielleicht noch etwas arbeiten. Aber auch da kann er sich seinen Chäf als Vorbild nehmen.










Andreas Scheiner versucht in der heutigen NZZ, uns nahezubringen, wie dieser Kirk tickte. Er tut es so quantitativ ausgeglichen und qualitativ lauwarm als wäre das Stück (Doppelstück sogar aus Filmchen und Text) in den verborgensten saferooms von Leutschenbach zusammengebastelt worden. Es bleibt trotzdem dabei, dass den Kirk vor seinem Ableben hierzulande kein Schwein kannte. Genausowenig übrigens wie die ganzen Kimmels und Fallons, die angeblich allesamt grosse Nummern darstellen sollen.
Heute ist eine gute Gelegenheit, einmal live zu erleben, was Linke und Grüne Extremisten unter Toleranz und Meinungsfreiheit verstehen. In Oerlikon findet der Marsch fürs Leben statt. Eine friedliche Veranstaltung, bewilligt von der Stadt, geschützt durch Hunderte von Polizisten. Schon vor dem Start der Veranstaltung wird sich eine üble Rotte woker, degenerierter, linksgrüner Terroristen einfinden, deren «Toleranz» sich in Gewalt, Hassparolen und unterirdischem Verhalten entladen wird. Mit ohrenbetäubendem Lärm werden sie in illegaler Manier, der Veranstaltung beiwohnen, einige werden sich wie wilde Teufel aufführen, angetrieben von krimineller, bös- und abartiger Energie.
Und diese Meinung ist auch ein leuchtendes Beispiel von Toleranz, immerhin geschützt durch meine Auffassung von Meinungsfreiheit auf meiner Plattform …
«Terroristen, wilde Teufel, abartige Energie»? Aus dem Wörterbuch der Menschenverachtung …
Vor allem hat noch gar nichts stattgefunden, und das Hug weiss schon, was sein wird.
Es ist aber unerklärlicherweise genau so gekommen wie Orakel Hug es prophezeit hat. Wer hätte das gedacht. Überrascht, Bitterli?
Nö, so ist es nicht gekommen. Wenig unerklärlich und überraschend bei dieser massiven Präsenz der Inhaber des Gewaltmonopols. Hug Rolf hat also noch Überraschungspotenzial. Das Kotzvokabular ist allerdings bereits verballert.
Das Beste was bisher auf deutsch über diesen tragischen Fall geschrieben wurde.
Die MAGAS erweisen dem Christentum im übrigen eher einen Bärendienst.
In unbegrenzter amerikanischen Weise!
Jetzt muss Trump sogar für den Niedergang des Christentums hinhalten…wahrscheinlich machen sie ihn auch noch für das Artensterben im Amazonas verantwortlich. Realsatire.