Das Mehr in den Bergen

Das Kunstmuseum in Chur zeigt Leiko Ikemura.

Gerne nimmt ZACKBUM seinen Bildungsauftrag wahr und ernst. Vor allem, da wir die Künstlerin Leiko Ikemura nicht kannten. Das hat die Ausstellung im zweiten Untergeschoss des Bündner Kunstmuseums eindrücklich geändert.

«Das Meer in den Bergen» heisst sie, und versammelt Installationen, Gemälde, Skulpturen der japanisch-schweizerischen Künstlerin. Da wartet ein «Rocket Girl» darauf, abzuheben, umgeben von anderen Silhouetten, auf Kies gebettet, im Hintergrund eine lebendige Video-Installation.

«Die Ausstellung soll im Zusammenspiel von Film, Skulptur, Malerei, Zeichnung und architektonischen Eingriffen ein Panorama ergeben, das zum Verweilen einlädt. Eine Landschaft des Inneren, vielleicht auch der Erinnerung

Man wandert in dieser Landschaft herum und weiss eigentlich nicht, wieso sie einen im Innersten berührt.

Wohl weil Kunst nur dann Kunst ist, wenn sie über sich selbst hinausweist. Mehr da ist, als dargestellt wird. Diese Kunst nimmt den Betrachter in sich auf und bereichert ihn. Denn Kunst steht nie für sich selbst, sie entsteht erst im Dialog mit dem Betrachter.

Sicherlich auch, weil Ikemura japanische Tuschzeichnungen, europäische Einflüsse, massive Steinbrocken und fein Gewobenes miteinander verbindet. Fusionen herstellt. Und der Mensch? Der ist der Wanderer selbst in diesen Werken, der dabei zum «Alpenindianer» wird.

Zum Fremdling im Vertrauten, zum Bergwanderer in den Ebenen, wo sich neue Horizonte eröffnen.

«Memento mori» heisst diese Skulptur, die wie echt am Boden liegt. Aber natürlich nicht echt ist, sondern Kunst. Umspielt von einer Video-Installation, die sie in ein Meer einbettet, in Vergängliches und doch Ewiges.

Es braucht Mut und Imagination, eine Ausstellung so zu gestalten, dass der Besucher selbst zum Bestandteil von Kunstwerken wird. In sie hineingeht, in ihnen aufgeht, sich selbst in ihnen wiederfindet, ohne gesucht zu haben.

Ergänzt wird die Ausstellung mit einer Werkschau von Diego Giacometti, eines weiteren Sprosses dieser Künstlerfamilie, ergänzt durch Werke von Giovanni und Alberto.

Künstlerisch ganz schön was los in der Provinz. Wer es deswegen nicht bis nach Chur schafft, sollte sich unbedingt den Ausstellungskatalog zulegen. Eine Augenweide.

2 Kommentare
  1. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    „Ergänzt wird die Ausstellung mit einer Werkschau von Diego Giacometti, eines weiteren Sprosses…“
    EINEM weiteren Spross…
    Der Genitiv ist nur dann des Dativs Tod, wenn der Schreiber alles richtig machen will und genau deshalb ausrutscht.
    Ansonsten: ein erfreulicher Ausflug in die Sphäre der Kunst. Bildungsauftrag erfüllt. Moralinfreier Sonntag. Möglich dank sattester Subventionierung der Rumantschlis.

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