Wie ’ne More

Die NZZ greift das peinliche Verschwinden des Mohrenkopfs in Zürich auf.

Mit dem Fall machte sich die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch weitherum zum Gespött. Sie besteht darauf, dass die Hausinschrift «Zum Mohrenkopf» zu verschwinden habe.

Der Zürcher Heimatschutz wehrte sich gegen diese ahistorische Geschichtsklitterung. Auf Kosten des Steuerzahlers prozessierte die Stadtregierung den Fall durch. Nachdem das Bundesgericht aus formaljuristischen Gründen nicht auf darauf eingetreten ist, darf die Inschrift nun verschwinden.

Die Stadt triumphiert, der Stadtrat spricht nur noch vom «M-Wort». Als sei der altehrwürdige Begriff Mohr so toxisch, dass seine blosse Verwendung empfindlichen Mitmenschen Unwohlsein und Schmerzen verursachen könnte.

Ebenfalls auf Kosten des Steuerzahlers gab der Stadtrat bei den beiden Historikern Bernhard C. Schär und Ashkira Darman ein «Gutachten» in Auftrag. Das befand wunschgemäss, die Inschrift sei ein «rassistisches Symbol».

Wobei beide zur lärmenden zweiten Garnitur ihres Fachbereichs gehören. Eine Gymnasiallehrerin und ein Lehrbeauftragter der Fernuni Schweiz.

Fast unvermeidliche Folge: dieses Gutachten ist genauso mangelhaft wie die Auffassung des Stadtrats. Das belegt ein Gegengutachten, das vom Heimatschutz in Auftrag gegeben und der NZZ zugehalten wurde. Natürlich ist das auch ein Parteiengutachten. Allerdings sind seine Fakten nicht parteiisch, sondern richtig – und peinlich für die beiden Historiker.

Die NZZ fasst den Stuss im offiziellen Gutachten zusammen:

«Ein unkorrekt zugeordnetes Familienwappen in Kombination mit einer Namensverwechslung hat das Autorenduo also in die Irre geführt.»

Denn die beiden Gutachter behaupten, eine Familie Schulthess aus Lenzburg, deren Familienmitglied Besitzer des Hauses zum Mohrenkopf gewesen sei, habe in ihrem Wappen den abgeschlagenen Kopf eines Mohren geführt.

Nur: erstens stimmt das nicht. Zweitens heisst der ursprüngliche Besitzer des Hauses tatsächlich Schulthess. Ist aber mit den Lenzburgern gar nicht verwandt.

Und schliesslich hiess das Haus immer «Zum Mohrenkopf». Die heutige Inschrift stammt aber wohl aus den 1930er Jahren.

«Bisher nicht bekannt war, dass Sophie Panchaud die Urheberin ist. Sie war eine Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung, die in den 1930er Jahren ein volkskundliches Museum einrichtete.»

Ihr sei es sicher nicht um eine Abwertung von Schwarzen gegangen, kommentiert der Autor des Gegengutachtens. Der Verfasser ist der Historiker Martin Illi, der ein profunder Kenner des mittelalterlichen Zürich sei, schreibt die NZZ.

Und was sagen die Autoren des fehlerhaften Gutachtens? «Ashkira Darman will die Kritik auf Anfrage der NZZ nicht kommentieren. Sie schreibt: «Zurzeit bin mit anderen Projekten zeitlich ausgebucht.»»

Gehen da weitere Steuergelder den Abfluss runter?

Das Stadtpräsidium schmeisst Geld für ein unbrauchbares Gutachten raus. Mauch schmeisst Geld für die Verteidigung der darauf beruhenden Entscheidung raus, die Inschrift zu überdecken.

Besucher der Stadt Zürich, die stolz auf ihre Tradition als Mohren sind, werden sich fragen, wieso ihre Bezeichnung hier diskriminiert wird.

Sprachreiniger in der schlechtesten Tradition des Nationalsozialismus triumphieren mit ihrem angebräunten Gedankengut, dass die Entfernung von angeblich störenden Begriffen die Heilung eines dann gesunden Sprachkörpers bedeute.

Ihre absurde Vorstellung: wer nicht mehr Mohr sagt oder sieht, wird dadurch weniger rassistisch.

 

11 Kommentare
  1. Lukas Hellinger
    Lukas Hellinger sagte:

    Scheusslich finde ich vor allem diese verzweifelte Sehnsucht, doch auch „Täter“ gewesen sein zu wollen. Sich eine rassistische Vergangenheit geben zu wollen, ganz wie in den so bewunderten USA, die man doch so gut aus NETFLIX-Serien kennt und man wild darauf ist, halt ein M- statt einem N-Wort zu etablieren. Ganz egal, dass die USA da einen ganz anderen Kontext haben – macht im ach so internationalen Zürich nichts. Das sich immer wie provinzieller der Lächerlichkeit preisgibt.

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  2. Frank Fischer
    Frank Fischer sagte:

    Naja, sie schreiben ja selber, dass die heutige Inschrift aus den 1930er Jahren stammt, was Ergebnis der Untersuchungen der von Ihnen herabgewürdigten – aber offensichtlich nicht gelesenen – Arbeit war. Und damit einen Hinweis darauf geben kann, wie schutzwürdig diese Inschrift ist – oder eben auch nicht. Auch in Ihrem Fazit liegen Sie leider daneben. Es geht nicht darum, dass man weniger rassistisch wird, wenn man bestimmtes nicht mehr sieht, sondern dass man, wenn man sich in die Perspektive der Rassismus-Betroffenen begibt – zu dem Schluss kommen kann, Bestimmtes nicht in alle Ewigkeit zu erhalten. Es scheint so, als fehlt Ihnen hier der offene Geist, der für einen Journalisten eigentlich Voraussetzung sein müsste.

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    • René Zeyer
      René Zeyer sagte:

      Wissen Sie, eine sogenannte «Untersuchung», und das ist hier ja das Thema, die dermassen schlampig und fehlerhaft durchgeführt wurde, bei der die Autoren sogar das zu untersuchende Wort aus Abscheu als M*** schrieben, die ist eine reine Verschwendung von Steuergeldern.
      Nichts ist ewig. Aber im Geiste faschistoider Sprachreinigung Wörter wie Mohr auslöschen zu wollen, das ist wahrlich das Gegenteil von offenem Geist.

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    • Peter Bitterli
      Peter Bitterli sagte:

      Wie kommt ein Herr Fischer dazu, sich „die Perspektive der Rassismus-Betroffenen“ zu eigen zu machen, ja anzueignen? Kann er eine Legitimation vorzeigen, dass er im Namen von irgend jemandem spricht? Ist das nicht appropriation, Anmassung, schlimmster Rassismus und Kolonialismus? Naja, versuche mal einem Wokli seine Bildungs- und Logiklöcher klarzumachen! Dass aber so Einer seinen Stuss noch als „offenen Geist“ bezeichnet, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Weg mit dem Mist und seinen Befürwortern!

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  3. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Just gestern stiess mich ein Woker in den Rücken, drohte mir, mich mit seinem Kaffee zu übergiessen, beschimpfte mich als Rassist, Sexist, Nazi und riet mir, abzuhauen zu meinen Faschofreunden. Dann fotografierte er mich und meine Motorradnummer. Das alles, weil ich in einem Buchantiquariat geäussert hatte, dass ich bei Nennung des Namens „Judith Butler“ kotzen müsse, als er nach deren Werken fragte. Ja, so sind sie: Sofort argumentfrei und schlagbereit. Analysieren wir es nach woker Lehre: Wenn Diskurs Gewalt ist, dann ist das Zuschlagen halt die reinste Form von Diskurs. Zuschlagen, Verbieten, Verdecken, Wegkratzen.
    Ja, ich fühle mich echt als Märtyrer. Jedenfalls hat der Vorfall meine Toleranz gegenüber dem Shitbürgertum nicht gesteigert.

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  4. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Zürich braucht einen Politikwechsel.
    Allerdings keinen bürgerli….
    Die Diffamierung des Mohrenkopfs könnte
    noch weitreichende Folgen haben.

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  5. Rolf Hug
    Rolf Hug sagte:

    Die Linken und Grünen sind Weltmeister im Erfinden von Krisen, die wir ohne sie nicht hätten: Im grossen, die eigebildete Krise des menschgemachten Klimawandels, im Kleinen das Wort Mohrenkopf, da hilft nur eines, ersteres ignorieren und nicht ernst nehmen, und beim Zweiten herzhaft weiterhin echte Mohrenköpfe kaufen und genüsslich verzehren, und den Begriff möglichst oft verwenden in Wort und Schrift.

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