Ein Selbstkommentar
Der «Blick» steigert das Nabelschaulaufen.
«Sara Belgeri ist Redaktorin bei Blick.» Das ist schön für sie. Sie weiss ziemlich viel und eigentlich alles besser. «Wohnungsnot: Expats sind nicht das Problem». «Frauen-Nati im Viertelfinal: Wie wärs mit Freude statt Gemotze?» «Fertig mit dieser Selbstoptimierung». «Warum die Schweiz beim Schutz von Frauen versagt».
Es ginge der Schweiz im Allgemeinen und den Frauen im Speziellen viel besser, wenn man endlich auf Belgeri hören würde.
Aber eben, diskriminierende Männer-Macho-Gesellschaft.
Dem setzt sie ein trotziges Lächeln entgegen und sehr viel Gemeintes. Nun hat sie aber einen Selbstkommentar geschrieben und damit ein neues Genre des Journalismus erfunden:

Damit meint sie die China-Reise des alt Bundesrats Ueli Maurer. China feiert mit einer grossen Militärparade sich selbst und das Jubiläum des Siegs über Japan im Zweiten Weltkrieg.
Eurozentristisch wird gerne übersehen, dass die Invasion und Besetzung durch Japan mindestens so grausam und barbarisch war wie der Russland-Feldzug des Dritten Reichs. Bis zu 20 Millionen Tote, das Massaker von Nanking, Grund genug, dem zu gedenken und die heutige Stärke Chinas zu feiern.
Und zu zeigen, dass China eine ganze Reihe bedeutender Staatenlenker um sich scharen kann. Was Präsident Trump so irritiert, dass er – statt teilzunehmen – etwas von einer Verschwörung gegen die USA motzt.
Dabei könnte man eher von einer Verschwörung gegen China sprechen, da kein europäischer oder angelsächsischer Staatsmann an dieser Feier teilnimmt – ausser Maurer.
Was in China sicherlich wohlwollend registriert wurde und die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen, auf die die Schweiz dringend angewiesen ist, durchaus befördert.
Das sieht Belgeri allerdings ganz anders: «Die Teilnahme an der Militärparade in Peking schadet jedoch eher seinem eigenen Image als dem Ansehen der Schweiz.»
Zum krachenden Schlusspunkt holt Belgeri den verbalen Morgenstern heraus:
«Das kann man peinlich und problematisch finden – und zwar zu Recht. Doch es geht nicht um mehr als einen alt Bundesrat auf der Suche nach Bedeutung. Deshalb ist Gelassenheit angebracht. Soll Maurer doch mit Autokraten posieren und sich für Propagandazwecke missbrauchen lassen. Am Ende beschädigt er damit eher sein eigenes politisches Erbe als das Ansehen der Schweiz.»
Allerdings: unfreiwillig trifft der Titel des Kommentars auf ihn selbst zu. Diese geschickte Handlung, die Schweiz ist offiziell nicht dabei, aber irgendwie schon, als «peinlich, aber bedeutungslos» abzuqualifizieren, das ist peinlich. Aber glücklicherweise bedeutungslos.
Peinlich, weil es völlig frei von Argumenten dahingeschrieben ist. Das chinesische Regime werde den Anlass «zu Propagandazwecken missbrauchen». Ja Himmelswillen, wozu denn sonst eigenen sich solche Feiern, sind sie dann überall auf der Welt missbräuchlich, oder nur in Peking?
Auf der Gästeliste stünden «Autokraten». Ja Himmelswillen, auf welcher Gästeliste denn nicht? Oder ist Mohammed bin Salman von Saudi-Arabien, der einen Dissidenten in seiner Botschaft umbringen und zerstückeln liess, der im Jemen einen schmutzigen Krieg führt, kein gern gesehener Gast im Westen?
Ist Maurer wirklich auf der «Suche nach Bedeutung»? Oder nicht vielmehr Belgeri?
Aber immerhin, einen Kommentar über den richtigen Umgang mit ihr gibt sie selbst ab: «Deshalb ist Gelassenheit angebracht.»
Denn nichts altert schneller, nichts zerfällt schneller zu Staub als ein dümmlicher Kommentar von vorgestern. Auch die Seufzer der Leser, die diesen Stuss serviert bekommen, verhallen.











Die Redaktorin zeigt das typische Verhalten der heutigen Gesellschaft.
Kaum aus dem Kindergarten entwachsen, mit einem dünnen Bildungsrucksack, glauben die Welt erklären zu können. Zwar waren sie viel im Ausland, ausser den typischen Klischee’s, haben sie nichts mit nach Hause gebracht.
Geschichtliche Hintergründe und Zusammenhänge über Länder und Kulturen werden kaum mehr gelernt. Da gibt es heute scheinbar wichtigere Themen. Oder auch die Begriffe, Lebenserfahrung, Herzensbildung, Reife oder Abgeklärtheit fehlen bei der Redaktorin. Wäre sie wirklich Intelligent, würde sie ihre Grenzen kennen und sich nicht über diese Themen auslassen…
無為 (Wu Wei, chinesisches Verb, ‚den Dingen ihren Lauf lassen‘)
Sie ist hübsch anzusehen…
Russland liegt zwar näher bei Europa als China und Japan. Aber es ist zu bezweifeln, ob die weit über 20 Mio. Opfer, allein in der Sowjetunion, des Nazi-Vernichtungskriegs noch im kollektiven Gedächtnis des «Wertewestens» präsent sind. Eher wird heutzutage alles getan seitens Politik und Medien, diese Erinnerung zu tilgen.
„Bis zu 20 Millionen Tote, das Massaker von Nanking, Grund genug, dem zu gedenken.“ DESSEN zu gedenken. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod.
Ähnlichen Stuss hat Remo Hess gestern in der Luzerner Zeitung abgesondert. Wo man hinschaut, nur noch schwachsinniges Gekeife.
U.Maurer ist für seinem Mut zu beglückwünschen.
Die Zeit des Kolonialismus ist abgelaufen.
Belgeri hat das noch nicht gemerkt. Leider ist sie
nicht die einzige im Land der Hinterwäldler.
Ich darf mich sicher anschliessen»
Frau Belgeri, Geopolitik ist kein Pausenplatz für Meinungsstarke – wer alles besser weiß, sollte auch wissen, wann Nachdenken wichtiger ist als Moralisieren.