Kommentar-Krätze

Kommentare sind Symptome einer Krankheit.

Kommentare unter Artikeln sind meistens wie die Krätze. Unangenehm, ansteckend (ein Kommentator kommentiert den nächsten, der Inhalt des kommentierten Artikels wird nebensächlich), aber eigentlich harmlos.

Auch wenn es beunruhigend ist, wie viel gestörte und kranke Menschen ohne Therapie vor sich hinvegetieren.

Aber die Pest sind die eigentlichen Kommentare in den Massenmedien. Hier nützen frustrierte Journalisten, die noch nicht weggespart wurden, ein Privileg aus, das sie sonst nicht haben. Sie können so lange sie wollen, worüber sie wollen und so unsicher-arrogant wie sie wollen salbadern.

Ohne sich ihrer Lächerlichkeit bewusst zu sein, weil doch wirklich niemand einen feuchten Furz auf ihre Meinung gibt. Dabei ist ihr Leiden einfach zu diagnostizieren: zunehmende Bedeutungslosigkeit. Einerseits wegen abnehmender Reichweite und Einschaltquote. Andererseits wegen abnehmender intellektueller und schreiberischer Potenz. Trotz eifriger Verwendung des Viagras AI als Krähwinkelsteigerung.

«Alles Taktik: Trump steht offen zu seinen Untaten», meint Detlef Esslinger. «Wenn die Europäer diesmal einknicken, sind sie verloren», meint Daniel Brössler. «Der Ukraine droht in Alaska die Unterwerfung», meint Florian Hassel.

Dass alle drei eigentlich in der «Süddeutschen Zeitung» meinen und bei Tamedia nur Mietmeinungen sind, spielt allerdings keine Rolle. Weder dort noch hier kümmert sich jemand um ihre Meinungen. Ausser sie selbst natürlich, die mit stolzgeschwellter Brust herumstolzieren und meinen, verhindert zu haben, dass Trump seine Untaten verbergen könnte, Europa verloren ginge oder die Ukraine in Alaska unterworfen würde.

Natürlich fragt und meint auch die NZZ: «Die Welt hofft auf Amerikas Richter: Stoppen sie Trumps Zölle?» Ob die Welt um diese, ihre Hoffnung weiss? Jürg Meier, ein gestählter Schreibtischunternehmer, steht der Schweizer Wirtschaft bei: «Trumps Zölle haben die gute alte Welt für Schweizer Firmen zerstört: Was es jetzt braucht, um zu überleben». Werden sie auf ihn hören – und nur so überleben?

Wunderbar auch dieser Einerseits-andererseits-aber-dann-doch-Nicht-Kommentar: «Russland und China könnten theoretisch gemeinsam gegen den Westen vorgehen – aber Putin ist zu schwach und kann daran kein Interesse haben». So rein praktisch gesehen.

Auch der «Blick» weiss einiges besser: «Fünf Gründe, wieso Alaska keinen Frieden bringen wird», oder meint er bloss? Auf jeden Fall kostenpflichtig, Gratis ist hingegen die Frage: «Wo war eigentlich Aussenminister Cassis?» Sachdienliche Hinweise an den nächsten Polizeiposten. Eher nervig sind zwei ziemlich blöde Meinungen: «Ich nehme das Wetter persönlich», und «weniger Plastik ist besser», das ist von der fliegenden Nicht-Fliegerin Aline Trede.

Und was meint es so bei CH Media? «Ein Handystopp für Primarschüler – die Eltern sind gefragt». Mit dieser Meinung kann Stefan Schmid nicht falschliegen. Die Meinung im Zeichen des Sommerlochs: «Brot und Spiele, das ewige Sterben und das Zen des Gamens». Tja, wenn das wechselhafte Wetter ausgelutscht ist, bleibt nicht mehr viel, gell, Sascha Erni. Und noch eine pädagogisch wertvolle Meinung: «Lehrerinnen und Lehrer brauchen Freiheiten, nicht mehr Vorgaben

Es wird gemeint, geraten, gefragt, gewarnt, gemahnt und gefordert. Es werden schreckliche Konsequenzen an die Wand gemalt, sollte nicht auf den Kommentator gehört werden.

Nur: Interessieren heute noch diese zwei Wochen alten Meinungen? Wetten, dass selbst der Kommentator sie schon längst vergessen hat?

5 Kommentare
  1. Niklaus Fehr
    Niklaus Fehr sagte:

    Dass Journalisten mehr sein möchten als nur Berichterstatter kann man ihnen nicht verübeln. Aber das Resultat ist tragisch und entlarvend.

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  2. Timo Werder
    Timo Werder sagte:

    Den Vogel hat soeben Marcel Rohr in der Basler Zeitung abgeschossen:

    „Die Explosion der ausländischen Wohnbevölkerung bringt Basel an seine Grenzen. Es nervt, wenn man täglich stundenlang vor jeder Ampel im Stau steht oder keinen Sitzplatz im Zug findet, umzingelt von Grenzgängern. Es wirkt befremdlich, wenn mehrheitlich nur noch Hochdeutsch gesprochen wird. Und es macht wütend, wenn man von Ausländern liest, die in den Basler Schwimmbädern jeglichen Anstand vermissen lassen und gar Polizeieinsätze provozieren.

    In solchen Momenten wird selbst der besonnenste Schweizer zum kleinen Rassisten im Alltag, der sich wieder vermehrt nach dem verbindenden Geist sehnt, nach typisch schweizerischen Tugenden wie Disziplin und Zurückhaltung, nach Fleiss und Bescheidenheit. Die Schmerzgrenze in Sachen Ausländeranteil ist bei vielen erreicht. Verständlich.“

    Soviel vom Chefredaktor…

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