Meinungs-Karikatur

Silvan Wegmann zeichnet und schreibt. Vielleicht sollte er eins von beidem lassen.

Eine spitze Feder ist eine gute Sache, wenn man Cartoons verfertigt. Aber mancher ist schon an Multitasking gescheitert. Wegmann darf im Kopfblattsalat von CH Media eine «Medienkolumne» füllen. Immerhin, ein Lebenszeichen der komatösen Medienkritik in der Schweiz.

Da fühlt sich ZACKBUM angesprochen, liest – und ist nicht amüsiert.

Es gäbe viel zu schreiben zu diesem Thema. Der klägliche Niedergang des Kopfblattsalats bei Tamedia. Die Herrschaft des Coninx-Clans, des Ringier-Clans und des Wanner-Clans. Über die Leserverarsche, für weniger Angebot mehr Geld zu verlangen und das als angebliche Qualitätssteigerung zu verkaufen. Und dafür noch um staatliche Subventionen betteln.

Aber wieso in die Nähe schweifen, das Ferne liegt so nah. Ein wenig Trump-Bashing ist wohlfeil. Interessiert in den USA keinen, Schweizer Leser nur mässig.

Da hat CBS die «Late Night Show» mit Stephen Colbert nach über dreissig Jahren abgesetzt. Colbert who? Das ist einer der Nacht-Talker, die mit spitzer Zunge und unterstützt von einer ganzen Crew jeden Abend ihr Publikum mit bissigen Kommentaren bespassen.

Und dabei nicht schlecht verdienen. So kassierte Colbert rund 90’000 Dollar pro Show, mal 168 macht runde 15 Millionen pro Jahr.

Das ist bedauerlich. Wäre aber vielleicht Anlass, sich zu fragen, wieso es in der Schweiz nichts Vergleichbares gab und gibt. Roger Schawinski: abgesägt. Viktor Giacobbo und Mike Müller: versendet. Deville? Abgesetzt, wohl nicht zuletzt wegen krampfhaft müden Scherzen.

Und würde es jemand wagen, so wie Colbert, Maher, Oliver oder früher Letterman über alles herzufallen, ohne Rücksicht auf Bedenklichkeiten oder Verluste, es würde nicht mal ein Pilot ausgestrahlt.

Wieso ergreift der Besitzer der meisten Privatradio- und TV-Stationen da nicht die Initiative? Oh, der heisst Wanner, ganz falscher Ansatz.

Mindestens so falsch wie die Gaga-Titelzeile: «Lachen über Donald Trump ist verboten». Aber immerhin: darüber darf herzlich gelacht werden.

So fällt Wegmann über den sich dafür anbietenden Mann mit der interessanten Frisur her. Als Waffe setzt er seinen gesunden Menschenverstand ein:

«CBS begründete die Absetzung finanziell. Sie habe nichts mit dem Inhalt der Sendung zu tun. Präziser gesagt: Was wir meinen, mit unserem gesunden Menschenverstand her­leiten zu können, entspricht nicht der Wahrheit. Kann sein, aber der fade Beigeschmack bleibt.»

Deutsche Sprache ist schwieriger als Zeichnen. Seine hergeleitete Meinung entspricht also nicht der Wahrheit?

Fade und mit Geschmäckle breitet Wegmann seine Verschwörungstheorie aus:

«Was seine «Brothers» Xi, Putin oder Erdogan können, das will der Donald auch. Kuschende Medien und keine Witze über ihn.»

Trumps «Brothers», und Trump wird zum kollegialen Donald? Auch Vergleiche sollten gekonnt sein.

Aber eine so dünne These trägt nicht weit, das sieht selbst Wegmann am Schluss ein. Im Unterschied zu diesen drei autokratischen Herrschern gibt es nämlich in den USA Ausweichmöglichkeiten, die der ebenfalls abgesägte Tucker Carlson zum Beispiel mit grossem Erfolg benützt.

Oder wie es der Medienmeinende formuliert: Im Keller könne man sich  diese Satiriker auf dem Bildschirm weiter gönnen, «auf dem wir uns die Colberts, Jon Stewarts, John Olivers und wie sie alle heissen über«Schwarze-Humor-Streaming-Kanäle» genüsslich reinziehen können».

Also ist es doch, zumindest in den USA, ganz einfach. Gibt es genügend Publikum, das Colbert sehen will – und via Werbung oder Abo das Angebot finanziert –, dann kann der Satiriker noch dreissig Jahre weitermachen, wenn er lustig drauf ist.

Mindestens so lange müssen wir darauf warten, dass sich Wegmann mal sein eigenes Medienhaus zur Brust nimmt. Oder es mit einer Schweizer Medienkritik versucht. Statt mutig über den Atlantik Richtung USA zu wäffeln und sich dafür Schulterklopfen von Gesinnungsgenossen abholen. Die es niemals wagen würden, beispielsweise die Schweizer Regierung so gnadenlos ranzunehmen, wie es in den USA – mit oder ohne Colbert – Gang und Gebe ist.

Meinen darf man immer. Aber seiner Meinung hätte geholfen, wenn er das eine oder andere Beispiel von Colberts amüsanten Aperçus zitiert hätte. Dafür müsste er seine Sendung halt mal geschaut haben. Und Englisch können.

3 Kommentare
  1. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:

    Dieser „Deville“, der nach meiner Meinung (und Besichtigung von fünf Minuten seiner krampfhaften Flachwitze auf youtube) und derjenigen von Gewährsleuten wohl wirklich etwas vom Allerdümmsten ist und extremst leutschenbächelet, hat unlängst den „Kulturpreis“ der Stadt Luzern nachgeschmissen bekommen, der seit Jahren einer immer kulturferneren Riege von immer unfähigeren Stümpern nachgeworfen wird. Diese Jahre decken sich mit denjenigen einer linken („urbanen“!) Mehrheit in Regierung und Parlament.

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  2. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:

    Apropos Leserverarsche: der Blick hat sich was putziges einfallen lassen. Ich überfliege morgens die Schlagzeilen jeweils mit dem Handy. Seit neuestem kommt bei kostenlosen Artikel folgender Zensur Balken: Du liest oft bei uns – mach weiter mit Blick+

    @blick, yeah Baby schön gsi. Ich lese jetzt halt unzensiert auf dem Laptop oder Tablet 🍿

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  3. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:

    Dafür dürfen wir m i t Donald lachen. Über die europäischen
    Blökschafe, die ihm dauernd in den Hintern kriechen!

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