After-Journalismus

Wenn der Wunsch weiter die Feder führt.

Peter Burghardt, diesmal unterstützt von Boris Herrmann, kriegt sich in seinem Trump-Hass mal wieder nicht ein. Nachdem seine düstere Vorhersage «so stirbt die Demokratie» nicht eingetroffen ist, belästigt er seine Leser weiterhin mit seinen aus dem Bauchgefühl gespeisten Absurditäten.

Dass das die Abonnenten der «Süddeutschen Zeitung» aushalten müssen, wo beide in Lohn und Brot stehen, ist eine Sache. Dass die Qualitäts-Auslandredaktion von Tamedia seinen Stuss übernimmt und ihn kostenpflichtig serviert, ist die andere. Im Sommerloch gehen alle Massstäbe verloren, und ZACKBUM wird sich nicht schon wieder ein Tiefenlot kaufen.

«Das Geheimnis einer Freundschaft», titelt die SZ vorsichtig. «Maga-Bewegung erschüttert: «Wunderbares Geheimnis»: Trumps Nachricht an Jeffrey Epstein bringt ihn in Erklärungsnot», legt Tamedia einen drauf.

Schon im Titel wird etwas im Indikativ behauptet, was lediglich eine Meldung des «Wall Street Journal» ist. Donald Trump, beweisbar im Freundeskreis um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, soll ihm zum 50. Geburtstag  in einer Gratulationssammlung einen anzüglichen Glückwunsch geschickt haben. Die Skizze einer nackten Frau, in deren Intimbereich die Unterschrift Donald.

Der US-Präsident dementiert kategorisch und verklagt das WSJ, die Muttergesellschaft Dow Jones und den Besitzer Rupert Murdoch persönlich auf ein paar Fantastilliarden.

Das Duo Burghardt/Herrmann verwendet flugs den Indikativ: diese Nachricht «belegt die langjährige Freundschaft der beiden.» Diese Freundschaft wird nicht einmal von Trump bestritten, die bislang als unbewiesene Behauptung dastehende Berichterstattung des WSJ «belegt» überhaupt nichts.

Richtig ist, dass Trump in seiner gewohnt ruppige Art reagiert. Dass seine Justizministerin Pam Bondi nicht gerade eine gute Figur machte, als sie zuerst ankündigte, dass alles auf ihrem Schreibtisch liege und veröffentlicht werde. Um dann hektisch zurückzurudern.

Aber selbst Burgardt/Herrmann müssen einräumen: «Bislang gibt es keinerlei öffentlich bekannte Beweise dafür, dass Donald Trump sich im Zusammenhang mit der Causa Epstein etwas hat zuschulden kommen lassen

Also können sie nur nach über 11’000 A Platz- und Zeitverschwendung schliessen, dass nun doch noch mehr Akten freigegeben werden sollen: «Wie das geht, was da drinsteht und wie vollständig diese Dokumente sind, das ist das nächste Mysterium.»

Nein, das einzige Mysterium ist: Wie ist es möglich, dass im sogenannten Qualitätsjournalismus ein solcher Haufen Müll durch alle Kontrollinstanzen rutscht und sowohl die Leser der SZ wie auch des Kopfblattsalats von Tamedia anstinkt?

Nicht einmal Qualitätspapst Simon Bärtschi hat eingegriffen, obwohl das Meinungsstück die absolute Obergrenze für Artikellängen deutlich nach oben überschreitet.

Ob Präsident Trump oder die amerikanische Öffentlichkeit sich vom kläglichen Zwischenruf beeindrucken lassen? Es steht zu befürchten, dass die Länge seine Aufmerksamkeitsspanne deutlich überschreitet.

Bei Meinungsumfragen über Trumps Beliebtheit hat man die freie Wahl unter Dutzenden Angeboten. Nehmen wir das der «New York Times», die nicht gerade als Trump-freundlich gilt. Da haben die Ankündigungen seiner TACO-Zollpolitik für einen deutlichen Einbruch gesorgt. Aber das Thema Epstein lässt sie recht unverändert. Aktuell knapp 44 Prozent Zustimmung, 53,5 Prozent Ablehnung.

Und wenn Burghardt in Washington und Herrmann in New York herumfragen, welchen Impact ihre Suada in den USA gehabt hat, wird ihnen ein verständnisloses: «What the heck are you talking about?» entgegenschallen.

 

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