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DIE Grammatik

22. Juli 2025/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Ist weiblich. Alexandra Kedves scheitert dennoch daran.

«Das grosse Abc: Unser Sprachquiz», verspricht der «Tages-Anzeiger». Mit nur drei Fehlern sei man «ein Profi». Nun, ist Kedves eine Prof*In?

«Sprachliche Präzision … sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen». Das war einfach, kann jeder. Aber schon bei Frage zwei wird’s problematisch. Die Wendung «über die Achsel ansehen», sei richtig, behauptet Kedves. Und führt dazu Mörike oder Frisch an. «Unter die Achsel stecken», sei dagegen falsch. Das angeblich Richtige ist zumindest veraltet, das angeblich Falsche richtig.

Bei der nächsten Frage entspreche keines der angeführten Beispiele der «Standardsprache». Darunter auch «Fenster auf!», der völlig korrekte Imperativ, wenn die Fenster geöffnet werden sollen.

«Jogging fürs Gehirn» soll hingegen bei der nächsten Frage «völlig korrekt» sein. Ist’s aber nicht.

Sauglattismus dann bei Frage sechs. Ist «Versteckitalis», «Shadow banning», «Bannbilden», «Ausradieren» oder «Disappearing» der richtige Ausdruck für «das Unsichtbarmachen auf den Social-Media-Plattformen»? «Shadow banning» ist im Gegenteil der Versuch, das zu verhindern. Begriff richtig, Frage falsch.

Dann geht ihr spürbar die Luft aus: «Diese Flucht- oder Geheimsprache hat ihrerseits bereits einen eigenen Namen erhalten und wird erforscht. Wie lautet er?» Nur harte Kenner kommen auf «Algospeak», was weniger mit sprachlicher Präzision, dafür mehr mit Fachsprache zu tun hat.

Wir überspringen eine banale Frage zu nicht steigerbaren Wörtern und kommen wieder zum Jugendsprech:

«Übernehmen Sie sprachlichen Klumpatsch telquel, wenn Sie ihn hören, auch weil Sie voll mit Neudeutsch parlierenden Jugendlichen viben, oder eher nicht?» Man zähle die Fehler, inklusive Zeichensetzung. Kedves Antwort: null. Allerdings kennt der Duden das Verb «viben» nicht, Klumpatsch ist hingegen korrekt. Wenn man wie im 19. Jahrhundert sprechen möchte.

Dass bei der nächsten Antwort «Bonei» nicht der Plural von Bonus sein kann, wissen hingegen nicht nur Banker.

Schliesslich als Absackerchen die Frage, ob man auf Englisch «bestest friend» sagen könne. Hat zwar nichts mit Deutsch zu tun, kann man eigentlich nicht, wird aber umgangssprachlich als Steigerung verwendet.

Wir fassen zusammen und erteilen Noten. 14 Fragen, davon vier Gagafragen. Kedves selbst macht fünf Fehler, also kann sie sich nicht als ProfIn bezeichnen.

Aber wer das Korrektorat zusammenholzt, Printrevisionen nicht mehr durchführt und dafür von den Redaktoren Fehlerfreiheit verlangt, muss sich nicht wundern, wenn solche Leserverarsche herauskommt. Das ist ein korrekt gebildetes Kompositum, allerdings etwas derb. Daher dem Verwendungszweck gemäss. Und das Substantiv ist erst noch weiblich.

Schlagworte: Alexandra Kedves, falsche Antworten, Gaga-Fragen, Korrektorat, Leserverarsche, Sprachquiz, Tagi
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/07/Bildschirmfoto-2025-07-19-um-16.16.34.png 978 1728 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-07-22 05:00:552025-07-20 08:55:25DIE Grammatik
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7 Kommentare
  1. René Küng
    René Küng sagte:
    22. Juli 2025 um 20:30

    Und über den Klamauk hinaus:
    was die BILD gestückelt / selektiv verkauft als ‚Skandal-Influencer im Exklusivinterview‘ deckt das wahre Problem des deutsCHen Schurnalismus schonungslos auf: selbst wenn sie noch ein paar Zeilen gerade schreiben könnten, bei freiem, unabhängigen DENKEN ist sofort Schluss.
    Tucker Carlsen (denke sich jede/r über den, was Sie&er will) zeigt dem deutschen Kümmerling schonungslos auf, dass ausser ö ö ö ….. und Partei-Propaganda von den in Anstellung verbliebenen Schreiberlingen, Schlingerlinnen und Staggeli in unseren Medien nur noch erwartet werden kann: kuschen, ducken und ihren Frust durch hetzen&diffamieren abreagieren, an definierten Feindbildern.

    Die die’s können, sind kontinuierlich ausgesondert worden oder freiwillig gegangen, bei TaBZ.media-en schon lange, bei der alten Tante spätestens seit: https://www.freischwebende-intelligenz.org/p/wieso-wahlt-das-volk-die-richter = der kann noch schreiben & denken.

    Zur Ehrenrettung der BILD: immerhin mit dem ‚Skandal-Influencer‘ treffen die voll ins Schwarze.
    Dieser Ronzheimer ist eine skandalös simpel gestrickte NaToTröTe.

    Antworten
    • René Zeyer
      René Zeyer sagte:
      22. Juli 2025 um 23:32

      Und das hat was mit dem Artikel zu tun?

      Antworten
      • René Küng
        René Küng sagte:
        23. Juli 2025 um 6:33

        Schreiben können (und ein Gespräch führen) ist das Eine.
        Denken wollen das Andere.
        Und zum Einen wie Andern jeweils ein Beispiel, wer solchen Journalismus noch kann. Mündlich oder schriftlich.

        Antworten
  2. René Küng
    René Küng sagte:
    22. Juli 2025 um 19:54

    Was nützt Profi, wenn es/sie/er/dort ausser Text kaum was kapiert?

    Antworten
  3. Petra Hartmann
    Petra Hartmann sagte:
    22. Juli 2025 um 5:49

    Da mache ich doch lieber ein Sprichwort Quiz. Möge es mir der offenbar Verbitterte verzeihen 😘

    https://youtu.be/AvHuww4lrYI?si=p9DHgaEJGXe1PUmx

    Antworten
    • René Zeyer
      René Zeyer sagte:
      22. Juli 2025 um 8:55

      Nix verbittert. Nur erschüttert.

      Antworten
      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:
        22. Juli 2025 um 17:16

        Danke, Meister! Ganz lieb.

        Antworten

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