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Fakten, Fakten, Fakten

3. April 2025/7 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Das war das Mantra des «Focus»-Erfinders und Chefredaktors Helmut Markwort.

Der zweite Teil: «und an den Leser denken». Damit hatte er als Erster Erfolg, neben dem «Spiegel» ein zweites Nachrichtenmagazin in Deutschland zu etablieren.

Wie sieht das heutzutage aus, in den Zeiten von Fake News und dem Verschwinden der Wirklichkeit in der öffentlichen Wiedergabe der Realität?

Der zweite Teil des Erfolgsrezepts von Markwort, da ist die Analyse einfach. Kaum ein Massenmedium kümmert sich darum, dass dem Konsumenten die Ware zusagen muss, nicht dem Hersteller. Die persönliche Weltsicht des Journalisten überschattet meistens die eigentliche Aufgabe, dem berühmten mündigen Leser oder Zuschauer oder Zuhörer, Entscheidungsgrundlagen für ein besseres Weltverständnis zu liefern.

Manchmal sind solche freihändigen Interpretationen durchaus unterhaltsam, meistens aber auf dermassen erbärmlichem intellektuellem Niveau, dass sie die Leser in Scharen vertreiben. Am ungeniertesten toben sich die Egoshooter bei Tamedia aus. Dort verschwinden Meldungen hinter Meinungen, Rechthabereien, Beckmessereien und aus Frust geborenen Ratschlägen, wie man es besser machen sollte, wenn, verdammt nochmal, nur irgend jemand auf den Journalisten hören würde.

Schwieriger ist die Analyse des Umgangs mit Fakten. Fangen wir mit Banalem an. Ein Fakt ist ein nachweisbarer oder anerkannter Sachverhalt. Wobei auch hier kaum allgemein anerkannte Sachverhalte existieren. Selbst die Aussage, dass die Erde eine Kugel ist und sich um die Sonne dreht, wird nicht von allen akzeptiert.

Dass in Myanmar ein schreckliches Erdbeben stattgefunden hat, dessen Epizentrum ganz in der Nähe der Stadt Mandalay lag, ist ein Fakt. Wie viele Opfer es gefordert hat, ob die Bauweise der Häuser dazu beitrug, wie effizient die Hilfsmassnahmen sind, ob die Diktatur sie behindert oder unterstützt, da verschwimmen bereits die Fakten im Ungefähren.

Und das ist nur eine vergleichsweise nebensächliche Angelegenheit. Dass Donald Trump laut «Washington Post» schon in seiner ersten Amtszeit Tausende von nachgewiesenen Lügen von sich gegeben hat, ist kein Fakt, sondern grob aufgeblasen. Dass Trump wohl eher mehr als andere US-Präsidenten lügt, dürfte hingegen ein Fakt sein.

Dass er beispielsweise bis heute behauptet, ihm sei bei den vorletzten Präsidentschaftswahlen der Sieg gestohlen worden, ist nicht nur eine nachweisliche Lüge, sondern untergräbt zudem das Vertrauen in die US-Demokratie. Dass die peinliche Offenlegung eines strikt vertraulichen Chats zwischen höchsten Vertretern der US-Administration «Fake News» und eine «Hexenjagd» sei, ist faktenfrei.

Gesicherte Fakten brauchen vertrauenswürdige Quellen. In den guten alten Zeiten beendete der Satz «das ist amtlich» (fast) jede Diskussion über Fakten.

Heutzutage werden im grossen Abholzen der wuchernden Staatsbürokratie auch Zahlenquellen zugeschüttet. So richtig das Abstellen völlig sinnloser Geldverröstereien von USAID ist, ist beispielsweise die Einstellung des Programms Demographic and Health Surveys eine helle Katastrophe.

Glaubhafte Statistiken, Zahlenquellen, glaubhafte Vermittlung von Erkenntnissen, das ist die Basis für eine sinnvolle öffentliche Diskussion.

Findet eine solche Diskussion in der Schweiz statt? Die Frage stellen, heisst sie beantworten.

Gibt es Abhilfe? Beschränkt. Der mündige Bürger kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass Bezahlmedien für ihr Geld ihrer Aufgabe nachgehen. Also muss er sich selbst in den Weiten des Internets Informationsquellen zusammensuchen.

Es ist interessant, dass dafür kaum Hilfe angeboten wird, denn nicht jeder ist gelenkig genug, sich ein Nachrichtenportal einzurichten, das ihn zufriedenstellend versorgt. Dabei wäre Hilfe dabei eine klare Marktlücke.

Schlagworte: Donald Trump, Fake News, Fakt, Focus, Helmut Markwort, Hexenjagd, Myanmar, Tamedia, Washington Post
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/04/Bildschirmfoto-2025-04-02-um-09.20.13.png 532 1724 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-04-03 05:00:252025-04-02 09:59:56Fakten, Fakten, Fakten
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7 Kommentare
  1. René Küng
    René Küng sagte:
    8. April 2025 um 22:01

    Als ob die ‚Fakten‘ von ‚Demographic and Health Surveys‘ oder vom BAG noch Fakten waren oder sind………
    Was mal runder war, wird zunehmend flach gemacht, damit’s zu den verbreiteten Lügen passt.

    Antworten
  2. M. Matanas
    M. Matanas sagte:
    5. April 2025 um 7:50

    Meiner Meinung nach greift Markworts «Fakten, Fakten, Fakten» genauso zu kurz wie Augsteins «Sagen, was ist». Denn beide vernachlässigen die Vollständigkeit. Falls heute in den Medien überhaupt Fakten präsentiert werden, geschieht dies meist selektiv, d.h. es werden nur jene Fakten publiziert, die den eigenen Überzeugungen/Interessen entgegenkommen. Um das Fass zum Überlaufen zu bringen, werden diese unvollständigen Fakten von der schreibenden Zunft entsprechend einseitig, sprich manipulativ, analysiert, erklärt oder eingeordnet. Ja, es ist heute wirklich sehr aufwändig und für mich oft nahezu unmöglich, mir ein Bild machen zu können, von dem, was wirklich ist.

    Antworten
  3. Ruedi Rudolf
    Ruedi Rudolf sagte:
    3. April 2025 um 21:05

    Wieso Fakten? – Wenn es zu viele bevorzugen angelogen zu werden. Zu viele ertragen die Wahrheit gar nicht mehr. Die Wahrheit würde nur die selbstgebastelte Fantasie-Welt in den Hirnen der Träumer zerstören. Deshalb glauben sie lieber an die eigenen Lügen, und an die Menschen welche sie in ihren Lügen bestätigen. Die Lügen der angeblichen Gutmenschen, die glauben ganz fest daran die Guten zu sein – auch wenn es keine Messbaren überprüfbaren Taten oder Fakten zum Gut sein gibt. Sie glauben es wie in einer Religion mit der fehlenden Gewissheit – ist es nur ein Glaube. Ein Voodoo. Ein Zauber. Eine Magie. Eine Selbstlüge.

    Antworten
  4. Peter Bitterli
    Peter Bitterli sagte:
    3. April 2025 um 10:10

    „Fakten, Fakten, Fakten“ hat man eigentlich fast nur noch wegen des grossartigen Interviews in Erinnerung, in welchem Roger Willemsen dem aufgeblähten Markwort jedes mal mit dieser Phrase den Fangschutz versetzte, nachdem er ihn mit dem Nachweis einer weiteren Lüge in „Fokus“ wundgeschossen hatte.

    Antworten
    • René Zeyer
      René Zeyer sagte:
      4. April 2025 um 23:40

      Fangschutz?

      Antworten
      • Peter Bitterli
        Peter Bitterli sagte:
        4. April 2025 um 23:51

        Neinnein, Herr Zeyer: „Fangschuss“ natürlich. Zwei Vermutungen habe ich angestellt: Dass Sie den Fehler nicht überlesen, und dass Sie das kundtun werden. Zwei Volltreffer also.

        Antworten
  5. H.R. Füglistaler
    H.R. Füglistaler sagte:
    3. April 2025 um 9:29

    Zum Glück springt Zackbum wieder in die Lücke!
    Natürlich kann man sich die Informationen heutzutage aus dem
    Internet zusammenklauben, aber wer kann schon wirklich
    Indisch oder Chinesisch?
    Auch RZ ist natürlich nicht absolut fehlerfrei, hat sich aber immer
    schon durch die Nachrichtenflut durchgewühlt, bevor er sich
    schriftlich äussert. Unentbehrlich!

    Antworten

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