Heisse Luft dreschen

Die neue Paradedisziplin bei Tamedia.

Simon Bärtschi bekommt ernsthafte Konkurrenz, bleibt aber Taktgeber für die Bärtschi-Peinlichkeitsskala. ZACKBUM vergibt hierfür eine glatte 15:

Riesige Freude, Startschuss, gemeinsam, innovativ. Kein Manager-Bullshit-Buzzword darf hier fehlen, wenn der «Chief Revenue Officer & Member of the Executive Board at Tamedia» Marc Isler in die Tasten greift. Nicht einfach Board, you know, but Executive Board, you know. Nur, worum ging es eigentlich?

«Unsere CEO Jessica Peppel-Schulz, zusammen mit Simon Bärtschi, Leiter Publizistik, und Philipp H. Mankowski, zukünftiger Tamedia Advertising CEO, haben erläutert, wie wir das grösste privat finanzierte Redaktionsnetzwerk der Schweiz in die digitale Zukunft führen wollen.» Samt Beweisfoto:

Ist das nicht wunderbar? Das der New York Times abgekupferte T. Daneben der Name einer CEO, die ein Jahr lang über der wohl peinlichsten Neustrategie des an Peinlichkeiten nicht armen Konzerns brütete. Leider hat sich kein Frechdachs getraut, ihren Namen zu Plapper-Schulz, wie sie intern genannt wird, zu verklaren.

Aber, der Höhepunkt, es sieht ganz danach aus, als ob Klapper-, Pardon, Peppel-Schulz höchstpersönlich auf der Bühne stand und nicht etwa einen Avatar vorweggeschickt hatte.

Ach, und dieser Sympathieträger war auch da:

Simon Bärtschi, der wandelnde Peinlichkeitsfaktor 10.

Aber lassen wir diese Äusserlichkeiten, kommen wir zum Inhalt. Wie wollen diese kompetenten Fachkräfte denn «das grösste privat finanzierte Redaktionsnetzwerk der Schweiz», das allerdings ständig zwecks Qualitätssteigerung schrumpft, «in die digitale Zukunft führen»?

«Dabei haben sie einen ersten Ausblick gegeben, wie Tamedia Advertising neben klassischen Werbeformaten und Performance-Modellen kreative Lösungen konzipieren will, um die Zielgruppen in der gesamten Schweiz zu begeistern.»

Aha, gibt es diese heisse Luft noch konkreter?

«Philipp Mankowski: “Unser Ziel ist es mit unserer neuen Aufstellung und der Nähe zu unseren Produkten, unsere Partner zu begeistern, mit uns neue Wege zu gehen und ihre Werbebotschaften noch effizienter in einem hochwertigen, attraktiven Umfeld zu platzieren.»

ZACKBUM wiederholt ermattet die Frage …

Aber vielleicht hilft da die Webseite von advertising.tamedia; dort wird hoffentlich erklärt, wie weit die Beine gespreizt werden:

Nehmen wir mal den «Case: Berner Zeitung». Was gibbs da?

«Stellen Sie sich vor: Sie können in einem hochwertigen Umfeld die Reichweite Ihrer Social Media Kampagne verlängern und dabei eine beeindruckende Wirkung erzielen.
Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Social Media Story nahtlos auf einem speziell dafür angedachten Halfpage Ad in unseren reichweitenstarken News-Medien zu platzieren.
Dabei können Sie nicht nur Ihren ursprünglichen Social Post verlinken, sondern auch weitere Ziel-URLs einbinden, um die Performance Ihrer Kampagne optimal zu steigern.
Auf allen digitalen Plattformen der Tamedia buchbar

Mit anderen Worten: wir rücken Ihre Werbebotschaft so nahe an den redaktionellen Content wie das die Weko noch knapp schluckt.

Und wie sind die begeisterten Reaktionen des Publikums auf LinkedIn? Zwei Schleimer, die sich zukünftige Geschäfte versprechen:

«Danke Tamedia, dass wir Euch unterstützen durften!» Oder: «Die Firma Tamedia, oder TX Group, vor allem das grösste privat finanzierte Redaktionsnetzwerk der Schweiz verdient viel Gratulation.»

Aber einer, der nicht von Tamedia abhängig ist, bringt’s auf den Punkt: «Aucun avenir. Du vent.» Offensichtlich ist Tamedia seit dem neusten Zusammenholzen in der Romandie zweck Gewinn-, Pardon, Qualitätssteigerung nicht sonderlich beliebt.

Kurt Tucholsky hat mal ein wunderschönes Stück geschrieben, wie ein kleines Kind mit der wiederholten Frage nervt, wie denn die Löcher in den Käse kommen. Die Erwachsenen versuchen sich in gewichtigen Erklärungen, bis sie aufgeben und das quengelnde Kind ins Bett schicken.

Bei diesem Heissluftfön-Event fragt sich der erwachsene Betrachter allerdings auch vergeblich: WIE soll nun Tamedia, T oder «Tages-Anzeiger» (man weiss ja nie, wie das Ding gerade heisst) in die Zukunft geführt werden? In der Schlussszene von «Touch of Evil» fordert Orson Welles die als Wahrsagerin verkleidete Marlene Dietrich auf, sie solle für ihn Karten legen und seine Zukunft vorhersagen.

Dietrich nimmt einen tiefen Zug aus der Zigarette, blickt ihn unnachahmlich an und sagt: «Du hast keine.»

Statt all der Wichtigtuerei und dem inhaltsleeren Gequatsche hätte man im Kunsthaus besser diesen grossartigen Film gezeigt. Er hat auch nichts mit der Zukunft von T zu tun. Unterhält aber ungemein.

4 Kommentare
  1. René Küng
    René Küng sagte:

    Wär echt Klasse, wenn dieser zackige Artikel (inklusive köstlicher Illustrationen) im Feuilleton von Tagi&Co erscheinen könnt, würd, möcht, träumt……

    Aber leider, Schreibverbot, you know.
    Und dabei könnten sie mit einem deal (ohne fixe Lohnkosten) das Qualitätslevel schlagartig nach oben biegen. Leider hat soviel eitle Fühlung vieles, aber keinen Humor, über sich selber können die schon lang nicht mehr lachen.
    Ich versteh’s und den armen Tagi/BaZ/BZ&cococo Abonnentenden würd das Lachen vielleicht, wahrscheinlich, ein wenig, im Hals stecken bleiben.

    Jetzt wo sie in Züri grad den ‚Milton‘ überlebt und ausgelutscht haben noch dieser gäche Zeyer-Föhn.

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    • Eveline Maier
      Eveline Maier sagte:

      Warum nicht………Wäre in der Tat eine schöne Rubrik in der Tamedia-Anstalt namens: Der Zeyer-Föhn™

      Die Diversität wird ja dort intensiv gepflegt.

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      • Victor Brunner
        Victor Brunner sagte:

        Zeyer wäre Bedrohung für die Journis an der Werdstrasse. Hat Bildung, Wissen, Erfahrung und muss nicht «Experten» aus dem linken ideologischen Filz beiziehen. Kann schreiben und liefern. Würde wahrscheinlich auch eine Lippe riskieren wenn Peppel-Schulz oder Bärtschi Unsinn verquatschen und das dürfte öfters der Fall sein. Bärtschi möchte ja noch lange auf der Payroll von Tamedia und PS wird sich mit einem schönen Bonus vom Acker machen wenn der TA und die RZ erledigt sind.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Immer wieder ein Brüller wenn Bärtschi, Chief demolitionist and gravedigger of sophisticated journalism by Tamedia, für sich in Anspruch nimmt die Zukunft zu gestalten.

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