Eine Meldung und ihre Geschichte

Wie fast immer: Lukas Hässig und sein «Inside Paradeplatz».

Ein Rollstuhlfahrer kommt zur ZKB Bülach und will ein Konto eröffnen. Dafür werden ihm einige Fragen gestellt, heutzutage läuft das unter dem Kürzel KYC, know your customer, kenne deinen Kunden. Könnte ja ein verkappter Terrorist sein. Ein Oligarch. Ein Händler von Blutdiamanten. Also wird der Schweizer gefragt, ob er Mitglied einer Partei sei. Ist er, findet aber, dass das die ZKB schlichtweg nichts angeht.

Da geht er die ZKB nichts mehr an: «Ohne Offenlegung könne sie ihm kein Sparkonto eröffnen, beschied sie (eine ZKB-Angestellte, Red.) dem Mann», zitiert Hässig aus dem Politblog «Die Tribüne» eines Ex-SVP-Kantonsrats.

Wäre eigentlich eine Story, der ein Qualitätsmedium unbedingt nachgehen sollte. Vor allem eines, das über eine riesige Lokalredaktion mit eigener Chefredaktion verfügt. Aber i wo, die sind wohl alle damit beschäftigt, Reise nach Jerusalem zu spielen.

Nur IP (und ZACKBUM) haben bei der ZKB nachgefragt, wie man sich denn das erklären könne. Und bekamen gleichlautende Antworten von der Medienstelle:

«Bei Eröffnung einer neuen Geschäftsbeziehung sind Banken aufgrund des Geldwäschereigesetzes regulatorisch verpflichtet, politisch exponierte Personen (PEP) zu erkennen. Darunter fallen Personen, die auf nationaler Ebene führende öffentliche Funktionen in Politik, Verwaltung, Militär und Justiz innehaben. Nicht relevant ist das Engagement als Parteimitglied ohne Führungsfunktion auf nationaler Ebene.»

Eigentlich sind PEP zum Beispiel der Potentat einer Drittwelt-Diktatur, zwielichtige Figuren wie Maduro oder x-beliebige Herrscher aus Afrika, Asien oder Lateinamerika. Aber könnte sich in einem behinderten Schweizer ein potenzieller Potentat und Drogenhändler verbergen? Das weiss man natürlich nie, und dann hilft für alles:

«Aufgrund des Bankkundengeheimnisses können wir den konkreten Sachverhalt nicht kommentieren. Sollte in einem Einzelfall eine missverständliche Formulierung gewählt worden sein, bedauern wir dies.»

Es scheint aber keine missverständliche Formulierung gewählt worden sein, sondern das Onboarding, wie man das auf Banglisch nennt, wurde schlichtweg abgebrochen, der potenzielle Neukunde abgelehnt.

Ist das die feine Art? Sollte so eine Bank mit Staatsgarantie einen Neukunden behandeln? Wäre es nicht eine Geste, die abgebrochene Kontoeröffnung fortzusetzen und dem Kunden zum Einstand ein Goldvreneli zu schenken? Plus ein Jahr Gebührenbefreiung?

Das würde sich die ZKB vielleicht überlegen, wenn es einem Massenorgan einfiele, auf die Geschichte aufzuspringen, die ja nicht nur für Hässig frei erhältlich ist. Aber ausser der WeWo (und ZACKBUM) macht das niemand.

Im Elendsjournalismus, wo ein angebliches ungebührliches Verhalten eines ETH-Professors mit unglaublichem Gezeter zelebriert wird, als sei hier ein neuer «#metoo»-Fall aufgetaucht.

1 Antwort
  1. Jürg Streuli
    Jürg Streuli sagte:

    Man wähnt sich im falschen Film. Zum Beispiel der wählerstärksten Partei der Schweiz anzugehören, bedeutet bei der ZKB kein Konto eröffnen zu können. Durch die ZKB werden also Gesinnungsprüfungen vorgenommen! Hat man sich eher bei der gewesenen Staatsbank der DDR so vorgestellt. Für die Zukunft einer solchen ZKB ausser Rand und Band muss gelten: „Go Woke go Broke“.

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