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Die Avatarin

26. August 2024/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Jessica Peppel-Schulz fällt durch eine spezielle Kommunikation auf.

Ihr Leistungsausweis im Journalismus ist überschaubar. Sie war mal kurz CEO bei Condé Nast Deutschland, der Massenzeitschriften wie «Vogue» oder «GQ» herausgibt. Und einen Umsatz von stolzen 50 Millionen im Jahr macht. Dort sparte sie ein wenig ein, bis sie selbst nach 28 Monaten eingespart wurde.

Fast ebenso lang war sie dann in einem Sabbatical, nämlich für 22 Monate. Bis Pietro Supino wieder sein sicheres Händchen für Personalentscheidungen auf höchster Ebene bewies – und sie als neuen CEO von Tamedia berief. Man kann also sagen, dass sie rudimentäre Medienkenntnisse in Deutschland und keine in der Schweiz hat.

Dafür hat sie viel Ahnung von Manager-Bullshit-Talk. «Empowerment», «Customer Journey», «Digital Transformation». Das sind Worthülsen, die schlichtweg überhaupt nichts sagen. So wie «Resilienz» oder «Purpose», wovon ihre Kolleginnen Ladina Heimgartner von Ringer und Isabelle Welton (NZZ-VR-Präsidentin) schwabbeln.

Obwohl Peppel-Schulz vor über einem Jahr ihren neuen Job sehr ausgeruht antrat, hörte man eigentlich nix weiter von ihr. Auch mit ihren Untergebenen pflegt sie eine spezielle Form der Kommunikation. Dafür verwendet sie nämlich einen Avatar, der dann flüssig Deutsch und auch Französisch parliert. Der wurde mit KI geschaffen; was er absondert, wirkt allerdings nicht wirklich intelligent.

Und so richtig fassbar wird sie damit im Hause auch nicht. Allerdings werkelte sie vielleicht in dieser ganzen Zeit an einem neuen Masterplan. Denn wenn im Hause TX (oder «Tages-Anzeiger», man weiss vor lauter Namensänderungen nicht mehr ein und aus) etwas sicher ist, dann das: nach der Sparrunde ist vor der Sparrunde. Und da ist die Verkündung der Halbjahreszahlen am Dienstag immer eine gute Gelegenheit, mal wieder eine neue Strategie vorzustellen.

Bei der man allerdings, bedauerlich auch, nicht alle Mitarbeiter mitnehmen kann. Auch nicht die Druckereien, so sad. Denn was Ringier kann, kann doch Tamedia auch. Es ist zu vermuten, dass an der für heute Abend angesagten Mitarbeiterinformation nicht der Avatar, sondern Peppel-Schulz leibhaftig auftreten wird. Also virtuell, per Videoschalte natürlich.

Wie wichtig ihr das Digitale ist, sieht man an der zunehmenden Verluderung des Online-Auftritts von Tagi & Co. «Online first», das Schlagwort ist schon so abgenutzt, dass es wohl nicht einmal von Peppel-Schulz mehr verwendet wird.

Kann man ihr aber wirklich zutrauen, dass sie eine zündende Idee hat, wie Tamedia künftig verhindern kann, dass Google, Facebook und Co. rund 80 Prozent des Online-Werbemarkts absahnen, während für die grossartigen medialen Contentprovider nur Peanuts bleiben, wie das ein Manager formulieren würde?

Nun, Wunder gibt es immer wieder. Darauf müssen die rund 1800 Tamedia-Mitarbeiter ganz fest hoffen. Während sie sich gegenseitig anschauen und denken: hoffentlich trifft es dich, und nicht mich.

Schlagworte: Avatar, CEO, Empowerment, Halbjahreszahlen, Jessica Peppel-Schulz, neue Strategie, online first, Pietro Supino, Sparmassnahmen, Tamedia
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/08/Bildschirmfoto-2024-08-25-um-14.31.58.png 442 816 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-08-26 06:00:232024-08-25 14:46:48Die Avatarin
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3 Kommentare
  1. Balti
    Balti sagte:
    26. August 2024 um 7:06

    Man wünscht der Belegschaft viel Kraft. Peppel-Schulz glänzt durch Abwesenheit. Hasse durch Nichtstun. Und die beiden arbeiten ja bestimmt gratis, wenn sie frischfröhlich kündigen. Wer hier nicht durchdreht, hat einen guten Psychiater …

    Antworten
    • Victor Brunner
      Victor Brunner sagte:
      26. August 2024 um 10:28

      Hab ich schon öfters erlebt, Deutsche sind im verkaufen gut im liefern schlecht!

      Antworten
      • Manfred
        Manfred sagte:
        26. August 2024 um 13:29

        Ist Schüren nationalistische Ressentiments zur – vermutlich – Kaschierung eigener gefühlter Impotenz. Tut’s sehr weh?

        Antworten

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