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Tagi ausser Rand und Band

17. August 2024/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn eine klare Führung fehlt …

Die Leitung des «Tages-Anzeiger» besteht genderkorrekt aus zwei Quotenfrauen und zwei Quotenmännchen. Das ist vom Aspekt der korrekten Gesinnung her wunderbar.

Professionell betrachtet ist es aber fatal.

Eine Serie darüber, dass sich eine (in Zahlen 1) Frau durch angebliche Spanner in Fernglasentfernung belästigt fühlte, wobei Nachforschungen ergaben, dass solche Beschwerden alle Schaltjahre einmal erhoben werden? Das allein ist schon ziemlich gaga.

Aber dann gibt es ja auch noch das Thema Busen, dem sich ein Mitglied (Pardon, eine Mitgliedin) der Chefredaktion lebhaft annimmt. Nicht zuletzt hier spricht Kerstin Hasse (Männer, nicht glotzen!) über Brüste. Nackte Wahrheiten über nackte Brüste. Über politische, nackte Brüste:

Dieses Thema nimmt sie sich gerne zur Brust: «Ich bin also keine Verfechterin des Oben-ohne-Trends. Und ich mag – auch als Feministin – nicht mehr darüber diskutieren, ob Frauen einen BH tragen sollen oder nicht.» Hallöchen, ich bin dann Feministin, im Fall. Daher auch für die Offenlegung meines Lohns. Oder auch nicht.

Allerdings, wie bebildert man denn im Tagi ein solch heikles Thema? Will man da etwa eine nackte Brust zeigen, was ja naheläge? Oder vielleicht zwei vierbeinige Möpse? Aber nein, das wäre pfuibäh, so macht man das:

Wer hier das Politikum sieht, muss ein Spanner sein.

Eingeleitet wird dieser Podcast mit einem Spruch, der nun aus der Mottenkiste des Sexisten stammt: «Zieht eine Frau oben blank, muss sie vielfach mit Blicken, Sprüchen und Bewertungen rechnen.» Zieht blank? Ein Lieblingswort von «Bild», «Blick», RTL und Co.

Nur die «Ruhr Nachrichten» legten noch einen drauf:

Aber vom Skurrilen zurück zum Peinlichen, also zum Tagi.

Da publizieren doch die beiden Recherchiergenies Thomas Mathis und David Sarasin ein Stück und verstecken es hinter der Abo-Schranke:

Sie schreiben kühn: «Nun zeigt sich: Die Firma Cinerent Arena AG, die hinter dem Projekt steht, steckt in finanziellen Schwierigkeiten.» Zeigt sich? Ja, das zeigte sich ein paar Stunden zuvor auf dem Finanzblog «Inside Paradeplatz»:

Dort kann man all das, was im Tagi steht, auch lesen. Und erst noch gratis. Früher war es im anständigen Journalismus noch so, dass man knirschend schrieb: «Wie der Finanzblog IP zuerst vermeldete.» Heute ist’s «es zeigt sich».

Mit schnaufendem Pathos eine völlig banale, triviale und altbekannte Tatsache erzählen, das gehört auch zu einer Redaktion ausser Rand und Band:

Korrelation und Kausalität, über diesen Unterschied sind schon ach so viele Schwachstromjournalisten gestolpert.

Eine Peinlichkeit veredeln gehört auch zum tollen Treiben:

Das ist nun echt dumm gelaufen. Laut einer Umfrage von Tamedia sagen 33 Prozent ja oder eher ja zur BVG-Reform. Und 59 Prozent nein oder eher nein. Bei der SRG-Umfrage sieht’s etwas anders aus: 49 Prozent ja oder eher ja, 39 Prozent nein oder eher nein. Hoppla. Da braucht es dann einiges an Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber, um diese klitzekleine Differenz wegzuerklären.

Völlig unparteiisch setzen Tiefflieger im Tagi die Berichterstattung und Kommentierung der US-Präsidentschaftswahlen fort. Philipp Loser schafft es damit zu einem kurzen Gastauftritt bei ZACKBUM: «Was die Linken von Tim Walz lernen können». Kicher. Und die nicht gerade erfolgsverwöhnte Mitbetreiberin eines Finanzblogs für Frauen, bei dem Frauen ärmer werden können, behauptet: «Es ist Zeit für eine Präsidentin wie sie». Man kann nur hoffen,  dass Kamala Harris mehr von Geld und Finanzen versteht als Nadine Jürgensen.

Dann noch etwas Zahlenhokuspokus:

Das sei nicht nur furchtbar, sondern widerspreche auch Zahlen der UNO und von Unicef, die 2022 lediglich 2,2 Milliarden Menschen ohne sichere Trinkwasserversorgung sahen. Also sind es in Wirklichkeit 4 Milliarden? Werden da wieder dramatische Probleme schöngezählt? Ein Skandal?

Ach was, selbst die Autorin der neuen Studie räumt ein: «Hinzu kommt, dass für die Hälfte der Weltbevölkerung keine Daten zur Qualität des Wassers vorhanden sind.» Tja, ohne Daten ist gut raten, nicht wahr.

Ach, und die «aufwühlende Geschichte von Flo-Jo», ein Podcast in gefühlt 37 Folgen, wühlt ungefähr so auf wie die Koch-Videos von Elif Oskan. Die brutzelt aus lauter Verzweiflung schon ein paniertes Schnitzel und zeigt dem wegklickenden Leser, wie man banale Zutaten für einen Sommersalat in Würfelchen schneidet. Ein einziger müder Kommentator mochte sich bislang dafür begeistern.

Also in der Abteilung Selbstverwirklichung kann die Restmannschaft des Tagi sich wahrlich nicht beschweren. Sie frönt ungehemmt dem Prinzip: Ich schreibe, worüber ich will, am liebsten über mich selbst und meine Befindlichkeit. Das hat den Leser gefälligst zu interessieren, und wenn nicht, ist er selber schuld.

So rammt man wirklich ein einstmals stolzes Flaggschiff des Journalismus schneller in den Grund, als damals die Titanic sank. Nur wird hier der Captain nicht an Bord bleiben.

Schlagworte: Bauchnabel, Belästigung, Brüste, Egotrip, einseitig, plemplem, Spanner, Tages-Anzeiger, Untergang
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/08/Bildschirmfoto-2024-08-16-um-18.02.58.png 386 708 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-08-17 05:00:432024-08-17 13:19:46Tagi ausser Rand und Band
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3 Kommentare
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:
    17. August 2024 um 10:33

    Die Frauen die beim Tagi publizieren sind ausser Rand und Band!

    Annick Senn und Kerstin Hasse möchten sich obenrum ausziehen können – ganz ohne fremde Blicke. Öffentlichkeit ohne Öffentlichkeit. Supino fragen ob sie ein paar Tage auf seine Jacht dürfen, er dann natürlich unter Deck und zuhause keine Männer mehr dulden.

    Ronja Fankhauser 24, erlaubt Frauen selber zu entscheiden ob sie Kinder möchten überlegt sich ihren Uterus zu entfernen was natürlich die ganze Schweiz bewegt wie ihr nicht bewältigter Konflikt mit der Mutter. Eigentherapie auf Kosten TA Abonnenten.

    TA verhilft Nadine Gloor, Onlineplattform «kinderfrei-leben» zu mehr Aufmerksamkeit, feministische Solidarität. Gloor verkündet «Bewusst auf Kinder zu verzichten, ist extrem befreiend». Das haben schon Tausende Frauen vor ihr entschieden aber immer schön wenn frau Vorreiterin sein will aber einfach hinterher japst!

    Nina Fargahi schreibt aus der Wellnessoase Werdstrasse «Die Volksschule darf nicht zur Kampfzone werden». Sie haut auf FDP Burkart und SVP Dettling ein die kritisch zur integrativen Schule stehen und behauptet unverdrossen «Die integrative Schule ist eine wichtige bildungspolitische Errungenschaft der letzten zwanzig Jahre». Dumm nur die «Errungenschaft» hat in viele Klassenzimmer mehr Unruhe gebracht, Nivellierung der Lernfortschritte, den Mangel an Fachkräften verstärkt, LehrerInnen ausgelaugt. Die Schule ist mit Integration nur dann besser wenn frau es aus der ideologischen Sicht betrachtet, SchülerInnen haben mehr Nachteile! Die PISA-Werte sind auch mit Integration nicht besser geworden

    Antworten
  2. K. Meyer
    K. Meyer sagte:
    17. August 2024 um 9:00

    Im Gegensatz zum Nebelspalter ist der Tagi wenigstens unfreiwillig komisch.

    Antworten
  3. H C
    H C sagte:
    17. August 2024 um 7:52

    Sehr gelacht, obwohl tragisch. War der Tagi doch einmal eine wichtige und ernstzunehmende Forumszeitung.

    Antworten

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