Werbejauchzer vom «Blick»

Wenn das keine Gratis-Flugmeilen gibt …

«Das musst du wissen», behauptet das Boulevardblatt ohne Boulevard, aber mit Regenrohr im Logo, nassforsch. Da wird sich die Lufthansa als Besitzer des Charterfliegers freuen, dass es gleich eine ganze Lobeshymne absetzt, wie sie eine Werbeagentur nicht besser schnitzen könnte.

Aber wozu die bezahlen, plus Geld für einen «paid content» aufwerfen, wenn das der «Redaktor Wirtschaft» Jean-Claude Raemy auf Kosten des Medienhauses erledigt. Vielleicht ist es auch eine Stellenbewerbung als Werbetexter, obwohl er am Einstieg noch etwas arbeiten könnte, denn der ist zu banal: «Edelweiss startet durch».

Dann liefert er «musst du wissen»-Delikatessen a gogo ab: «Neu reicht das Rot bei der Heckflosse bis auf den Rumpf, dazu sind die Konturen der Edelweiss-Blume am Heck etwas feiner als bisher.» Wahnsinn, da fühlt sich der Passagier doch gleich viel besser im Flieger.

Selbst Verschlechterungen werden angepriesen: «30 Sitze in Business, in 2-2-2-Reihe». Das war bis anhin eine Fünferreihe auch mit Einzelsitzen, Privatsphäre für Alleinreisende. Nun hat man zwangsweise einen Sitznachbarn, was für das Geld leicht unverschämt ist.

Auch Zukunftsmusik wird gespielt: «Geflogen werden die neuen Routen noch mit Flugzeugen des Typs Airbus A340. Das grösste Interesse gilt passagierseitig jedoch den neuen Airbus A350, die bei der Swiss-Schwester ab Frühjahr 2025 zum Einsatz kommen

Interessant, was da «passagierseitig» für Interessen bestehen, dass man dann nächstes Jahr mal einen neueren Airbus besteigen darf, wow. Im Frühherbst 2023 hatte das bereits der «Reporter Wirtschaft» Patrik Berger vermeldet, damals wurde das Startdatum noch in den «Sommer 2025» verlegt. Besonders köstlich war die Fotostrecke zum damaligen Jubelschrei:

So stellt man sich ein umweltfreundliches Flugzeug idealerweise vor. Oder sollte das damals ein diskreter Hinweis an die Startbahnkleber der Letzten Generation sein?

Die Medienhäuser machen ganz allgemein willig die Beine breit, wenn sie auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit und als Leserverarsche inzwischen eigene Abteilungen beschäftigen, die im Auftrag von Werbekunden «paid content» oder schlichtweg Werbung herstellt, die täuschend ähnlich wie der redaktionelle Inhalt daherkommt. Aber für aufmerksame Leser hat’s da dann immer noch irgendwo versteckt einen Hinweis darauf.

Beim «Blick» ist nicht einmal das mehr nötig. Ob und in welcher Form es da Gegengeschäfte gibt – oder ob der Beitrag tatsächlich einfach gratis und franko Jubelwerbung für Edelweiss betreibt, man weiss es nicht. Man will es auch nicht wissen. Übel wird’s einem auf jeden Fall. Dabei liegt dem Artikel nicht einmal eine Kotztüte bei.

 

1 Antwort
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:

    Wahrscheinlich wurde das «Gut zum publizieren» für den Werbeartikel in Frankfurt erteilt. Daher auch kein kritisches Nachfragen. Beispielsweise zu den schlechten Werten bei der Pünktlichkeit. Wie will Edelweiss die verbessern? Mit längeren Standzeiten am Boden um Verspätungen aufzufangen? Eher nicht. Interessant auch warum nur 350er aus zweiter Hand, vorher bei Latam und Swiss geflogen? Mittlerweile auch schon ältere Maschinen!

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