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Wumms: Christof Gertsch

11. Juli 2024/4 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Wenn Journalisten Journalisten interviewen, tropft der Schleim aus den Zeilen.

Gertsch ist «Reporter» beim «Magazin» von Tamedia. Dort schreibt er über Sport. «persoenlich.com» interviewt ihn im Rahmen einer «Sommerserie». Das soll leichter Stoff sein, ein Füller fürs Sommerloch halt. Das labert sich dann auf Flughöhe null dahin:

«Wie und wo beginnt Ihr Arbeitsalltag am Morgen?
Meistens auf dem Velo, wenn ich von der Kita in ein Kaffee fahre und Podcast höre. Ich habe ein, zwei Lieblingscafés, wo ich häufig arbeite und mich meistens bis am Mittag versäume. Das klingt jetzt so reporterhaft.»

Nein, das klingt keineswegs «reporterhaft». Sondern gutmenschlich (Kita, Velo) und klischeevoll (Podcast, Verweilen im Kaffeehaus).

Natürlich ist auch bei Tamedia alles toll, super und so menschlich: «Das Magazin-Team hat sich gut entwickelt. Es sind coole, junge Leute dazugekommen und wir sind noch mehr zu einem Team gewachsen. Und grundsätzlich: Dass es bei Tamedia trotzt immer schwierigeren Rahmenbedingungen noch möglich ist, ab und zu ein grösseres, aufwändigeres Projekt zu verfolgen.»

Immer schwierigere Rahmenbedingungen? Das einstmals stilbildende «Magazin» ist zu einem Storywiederverwertungsorgan verkommen, das die meisten Inhalte einkauft und eine Riege von abgehalfterten Kolumnisten beschäftigt, die so schlimm und banal sind, dass man sich manchmal sogar Daniel Binswanger zurückwünscht, und das drückt nun helle Verzweiflung aus.

Aber wenn man sich durch den unsäglichen Philipp Loser, diese Karikatur eines Journalisten, durch Katja Früh oder durch Kaltërina Latifi, gar durch den Selbstplagiator Max Küng quälen muss, kommen solche perversen Wünsche auf.

Gertsch ist aber keineswegs nur Mitglied bei einem angeblich gut entwickelten Team. Er ist ein Opportunist und Feigling. Er berichtet stolz davon, dass er zusammen mit Kollege Mikael Krogerus und mit Hilfe der «Süddeutschen Zeitung» eine Podcast-Serie fertiggestellt habe. Krogerus ist bekanntlich der Lebensgefährte von Franziska Schutzbach. Die feministische Kreische und «Geschlechterforscherin» («Die Erschöpfung der Frauen») blieb erschöpft stumm, als in der tollen «Magazin»-Redaktion ein Riesenskandal platzte. Eine frustrierte und gefeuerte Ex-Mitarbeiterin lästerte im «Spiegel» über ihren ehemaligen Chefredaktor ab. Der habe sie auch coram publico übel verbal angegangen und sexistisch fertiggemacht, behauptete sie.

Da wäre es nun an Mannen wie Loser, Gertsch oder Krogerius gewesen, diese Behauptung zu bestätigen – oder zu dementieren. Das hätten Ehre und Anstand verlangt. Aber wie die schreibende Schmachtlocke Binswanger, der längst zur «Republik» abgesprungen war und nichts zu befürchten hätte, schwiegen sie. Schwiegen und schwiegen. Ruderten um Fragen herum, wie Gertsch bei der Verleihung des Schweizer Journalistenpreises an diese Schande seines Berufs. Schwiegen wie Krogerius. Schwiegen auf Anfrage oder verwiesen wie der auf den Chefsessel nachgerutschte Ziauddin auf die Medienstelle von Tamedia.

Woher soll Gertsch  in der Kita, beim Velofahren, im Kaffee oder sonst wo die Autorität nehmen, den Leser zu unterhalten, bereichern, aufzuklären, überhaupt mit seiner Schreibe zu belästigen?

Jemand, der einmal im Leben die Chance hatte, aufrecht hinzustehen. Schliesslich ging es nicht um die Weltlage oder Probleme ausserhalb seines Wirkungsbereichs. Er hätte – hätte müssen – dazu Stellung zu nehmen, ob eine gravierende Anschuldigung gegen seinen damaligen Chefredaktor, erhoben im «Spiegel», der Wahrheit entspricht oder nicht. Schliesslich sollte es sich nicht um die üblichen, unbeweisbaren verbalen Übergriffigkeiten unter vier Ohren gehandelt haben, sondern die ganze Redaktion sei Zeuge gewesen, behauptete die Intrigantin, die zuvor vergeblich versucht hatte, den Posten ihres Chefs zu erobern.

Aber stattdessen verkniffenes Schweigen, Ausweichen, feiges Beiseitestehen.

Natürlich sollte das nicht das Hauptthema eines locker-luftigen Sommerinterviews sein. Aber erwähnt werden müsste dieser dunkle Fleck, müsste dieses menschliche Versagen schon. Damit das Gespräch nicht Übelkeit auslöst.

Schlagworte: Christof Gertsch, Daniel Binswanger, Das Magazin, Feigling, Franziska Schutzbach, Heuchler, Max Küng, Mikael Krogerus, Philipp Loser, Sommerflaute, spiegel, Süddeutsche Zeitung
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https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-07-11 06:00:452024-07-11 08:37:54Wumms: Christof Gertsch
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4 Kommentare
  1. Guido Kirschke
    Guido Kirschke sagte:
    11. Juli 2024 um 10:47

    Es ist dasselbe wie in der Politik und in den Amtsstuben. Auch die Journalierenden haben Angst vor Kritik aus den Reihen der eigenen Elite und gehen daher mehrheitlich bedenken- und bedingungslos jeder kritischen Betrachtung der eignen Zunft und Arbeit aus dem Weg.

    Antworten
  2. Victor Brunner
    Victor Brunner sagte:
    11. Juli 2024 um 9:58

    Warum soll sich Gertsch für einen Kollegen gegen Ungerechtigkeit und Mobbing wehren? Er hat ein Wellness-Jöbli beim MAGAZIN den gibt es zu erhalten. Da duckt er sich lieber weg und vergisst alles was ein Journalist auszeichnen könnte, Courage, Solidarität, Ehrlichkeit. Werte von anderen einfordern ist bequemer als Werte zu leben. Da ist er auf der gleiche Duckmäuser wie Binswanger und andere Kollegen!

    Antworten
  3. H C
    H C sagte:
    11. Juli 2024 um 8:16

    Mutig, dass Zackbum diesen Punkt anspricht. Ging mir leider auch durch den Kopf – Gertsch in Ehren. Frage mich, wer wem etwas vormacht in dieser Branche …

    Antworten
    • rene kueng
      rene kueng sagte:
      11. Juli 2024 um 14:37

      Zeitgeist.
      Die Branche als Spiegel der Gesellschaft, oder umgekehrt.
      Die verlogene GutWerteWeste heuchelt und trickst sich einfach noch ‚e bitzeli‘ weiter über die Runden.
      Der logische, psychologisch nachvollziehbare Selbstbetrug, damit eine fehlgeleitete Wohlstands-Zuvielisation nicht in den Spiegel der andern Medien unseres Planeten schauen muss. Denn dort – igitt – ist ja alles Propaganda!

      Antworten

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