Wumms: Sascha Britsko

«Verhandlungen» seien «Kapitulation», behauptet die Tamedia-Redaktorin.

Im Gegensatz zu ihrem Geburtsland Ukraine herrscht in der Schweiz Meinungsfreiheit. Sie umfasst auch unsinnige, dumme, falsche oder geschichtsvergessene Meinungen. Es ist allerdings eine weitere Scharte im Qualitätsmanagement von Tamedia, dass es die Meinung «Sind Sie noch ganz bei Trost?» veröffentlichen liess.

Britsko beginnt mit einer vermeintlich grossartigen historischen Analogie. Frankreich wolle die 1815 der Schweiz angegliederten französischen Teile zurückerobern. Es entstehe ein zermürbender Kampf; Deutschland und Italien forderten die Schweiz zu Verhandlungen auf. Eine Meinungsumfrage von RTL in Deutschland ergebe, dass 41 Prozent gegen die Abgabe der Romandie um des Friedens willen sei, 47 Prozent hingegen dafür.

Aber die Schweizer sagten: «Sind Sie noch ganz bei Trost?» Und kämpfen laut dieser Logik weiter bis zur Selbstzerstörung.

Mit historischen Vergleichen ist es immer so eine Sache. 1798 eroberte Napoleon tatsächlich die Schweiz. Daraus entstand die Helvetische Republik, die Keimzelle einer modernen Schweiz. Wer damals zu bedingungslosen Widerstand gegen die weit überlegenen französischen Truppen aufforderte, war nicht ganz bei Trost.

Oder nehmen wir ein moderneres Beispiel. Alle Versuche, den Gröfaz und seine Kamarilla von ergebenen Generälen davon zu überzeugen, dass nur Verhandlungen Deutschland vor der vollständigen Niederlage – und weitgehenden Zerstörung – bewahren könnten, wurden abgeschmettert; wer nicht bis zuletzt an den Endsieg glaubte, war nicht ganz bei Trost. Oder gar ein Defätist, dem Tode geweiht.

Grosses Foto eines kleinen Toren, kleine Gedanken einer Redak-Torin.

So sagt der ukrainische Ministerpräsident Denis Schmihal in einem Interview mit Tamedia allen Ernstes: «Unsere Waffen schweigen erst, wenn wir das gesamte ukrainische Territorium zurückerobert haben.»

Wieso aber fordern denn heutzutage Verpeilte und Verwirrte wie viele deutsche Intellektuelle oder die SVP-Politikerin Martullo-Blocher oder Roger Köppel Verhandlungen mit Russland? Britsko weiss es: «Die Ukraine soll auf einen Teil ihres Landes verzichten, damit sich das Leben in Europa normalisiert. Damit wir die Heizung im Winter nicht auf 20 Grad herunterdrehen müssen. Damit wir nicht zwei Franken für einen Liter Benzin bezahlen müssen.»

Abgesehen davon, dass wir bereits 2.50 für einen Liter Kraftstoff zahlen: was für eine bösartige Unterstellung. Aber Britsko hat noch mehr wunderliche Vergleiche zur Hand: «Das Problem bei diesem irrsinnigen Vorschlag ist die fehlende Logik: Wir wollen einem Bankräuber Geld schenken, damit er die Bank nicht ausraubt.» Ein richtiger Vergleich wäre: Man bietet dem Bankräuber Verhandlungen an, wenn er sich in der Bank mit Geiseln verschanzt. Laut Britskos Logik müsste man stattdessen beim gewaltsamen Eindringen das Leben der Geiseln riskieren.

Zum grossen Bedauern Britskos sagt auch der grösste noch lebende Macht- und Realpolitiker Henry Kissinger, dass man in Territorialverhandlungen eintreten müsse. Auch der weltberühmte Linguist Noam Chomsky bringt die Sache auf den Punkt: ein Krieg endet entweder mit der völligen Vernichtung einer der beiden Kriegsparteien – oder mit Verhandlungen.

Will man die bösartigen Unterstellungen Britskos auf sie selbst anwenden, müsste man sagen: sie will offenbar die völlige Zerstörung der Ukraine. Denn das bedeutet ihre irrsinnige Kritik an Forderungen nach Verhandlungen.

4 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Napoleon eroberte 1798 die Schweiz!
    Tatsächlich???
    1798 war dieser Napoleon auf Eroberungszug in Ägypten und besiegte die Mameluken, nach diesem Sieg wurden die Interventionsarmee von einer Seuche aufgerieben.
    Der Angriffsbefehl auf die damalige alte Eidgenossenschaft kam vom Direktorium in Paris, der Feldbefehlshaber hiess Schauenburg.
    Das Ziel der Begierde, war nicht die Befreiung der Eidgenossen, es waren an 1.Stelle die Schätze des alten Bern, damals die reichste Stadt nördlich der Alpen.Frankreichs Staatskasse war damals dauernd klamm, die Revolution und in der Folge die Napoleonischen Kriege kosteten, genau wie die zeitgenössischen Unsummen an Geld.
    So nebenbei 1803 wurde die Hochgeiubelte Helvetische Verfassung von Napoleon per Dekret (Meditationsakte) wieder aufgehoben und der alte Zustand weitestgehend wieder hergestellt, ohne die Rückgabe der Souveränität, die Eidgenossenschaft wurde zum Protektorat Frankreichs.
    Napoleon der 1.hat die Schweiz nie gesehen.
    Die Eidgenossenschaft war danach verpflichtet Truppen für die Grande-Armee zu stellen, dieses Kontingent, etwas über 12’000 Mann wurde bei der Sicherung des Rückzuges an der Beresina fast vollständig aufgerieben.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Was befähigt Sascha Britsko zu dem Kommentar? Nichts! Er/Sie wird sich noch wundern. Keine Ahnung, nichts läuft für die Ukraine. Westliche Staaten werden das Land in den nächsten Monaten unter Druck setzen Verhandlungen mit Gebietsabgaben zu führen. Britsko ist wirklich nicht bei Trost!

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    • Hans von Atzigen
      Hans von Atzigen says:

      Die westlichen Staaten werden absehbar gar nichts, die Russen werden
      Fakten schaffen.
      Die Westlichen Staaten können das danach „fressen” oder auch nicht.
      Russland wird auch absehbar, einen dicken Streifen Landbrücke bis zur
      Krim in die RF eingliedern.
      Auch absehbar ist, die Trennung der Bevölkerung nach Befindlichkeit
      im Osten die Russlandfreundlichen im Westen die EU freundlichen.
      So bekommen beide den „Wunschanteil» und logo damit auch die
      Verantwortung für den jeweiligen Anteil.
      Die EU-Freundlichen in den von Russland besetzten Gebieten werden
      einfach enteignet, genau wie der Besitz der Russen in der EU.
      (Was soll es ist ja eh alles platt in der Gegend.
      Das ganze ist logo, nicht Kriegs und Völkerrechts konvorm aber
      eben, wen kratzt das noch.)
      Das wird ein kostspieliger Mehrheitsanteil für die EU !!!
      Wenn die Russen die ganze Ukraine für sich gewollt hätten, dann
      hätten die längst die zentralen Staats institutionen
      Parlament usw. angegriffen.
      Genau das haben die USA und Willige, im Irak und in Libyen gemacht.

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  3. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Keine Ahnung, davon aber eine ganze Menge – so kommt der «Skill» diverser «Journalisten» rüber. Ein Krieg hört entweder mit einem Sieg der einen Partei oder einem Waffenstillstand auf. Zweiteres ist nur durch Verhandlungen zu erreichen.
    Die Realität hat die Träumereien von Britsko, Schmihal und Co. längstens überholt: https://www.youtube.com/watch?v=55fJOOP4AkQ. Wie’s aussieht, hat «der Russe» bereits Landesteile erobert, die 90% der Wertschöpfung (inkl. Weizenproduktion) der Ukraine produzieren.

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