Alptraumsommerloch

Zugegeben, schon wieder das «NZZaS Magazin». Aber was soll man denn über das SoBli-Magazin oder gar «Das Magazin» noch sagen?

Auch diese Sommerausgabe riecht etwas streng nach betreutem Schreiben, Wurstigkeit, was den Leser interessieren könnte. Das fängt beim Cover an, das ja nichts verkaufen will, weil der Konsument das Produkt nicht kaufen muss.

Es geht nichts über ein schräg fotografiertes Zufallsbild eines Menschen mit geschlossenen Augen vor hässlicher Landschaft und noch hässlicherem Hintergrund. Das muss man aufblättern.

Zumindest kulinarisch anspruchsvoller ist dann das Inhaltsverzeichnis:

Sicher, die alte Regel, dass man Austern nur in Monaten mit einem r essen sollte, gilt nicht mehr uneingeschränkt. Aber mitten in den Monaten ohne r ein Artikel übers Austernschlürfen riecht wie eine schlechte Auster im Sommer …

Auf Seite 6 kommt dann das «Traumland» wie auf dem Titel abgekündigt. Künstlerisch möglicherweise hochstehende, aber recht aussagelose Fotos, anschliessend ein auch nicht gerade erhellendes Interview mit der Fotografin. Hier gähnt das Sommerloch sozusagen noch hinter vorgehaltener Hand. Auf solche Höflichkeit verzichtet es hier:

Man muss sich zunehmend fragen, woher Autoren (und Autorinnen!) die nassforsche Frechheit nehmen, den Leser mit höchstpersönlichen Befindlichkeiten zu belästigen. Es ist der Autorin doch unbenommen, sich nicht vermehren zu wollen. Oder vielleicht doch noch, vor der Menopause. Oder auch danach. Oder wie auch immer. Zumindest das Foto fängt die durchschnittliche Leserreaktion sehr schön symbolisch ein.

Beim Gähnen das Halszäpfchen sieht man allerdings hier:

Au, au, Austern. Im Winter gut. Auch im Sommer gut. Ewig gut. Ein Thema, das in seiner Brisanz, Originalität und im Newswert eigentlich nur von einem anderen Thema übertroffen wird. Das ist aber schon durch und steht erst nach Weihnachten wieder an: Wie nehme ich ab ohne zu leiden? Hier hätte man sich gewünscht, dass Blatt und Autor so verschlossen wie eine Auster geblieben wären. Stattdessen gähnt man sich durch vier (!) Magazinseiten.

Ein weiteres Glanzlicht an herbeigequälter Originalität setzt immer die Abteilung «Bellevue». Auch hier gibt man aktuell alles, also nichts:

Falsch gekleidet auf dem Gemüsemarkt? Ringelsocken in Schnürballerinas sind schwer im  Kommen? Was man macht, wenn man sich nicht zwischen einem pinken und einem beigen Mantel entscheiden kann? Warum ist die Verkäuferin verschleiert? Wieso schaut das Model so angegurkt wie der Leser aufs Foto? Alles gute Fragen, aber es geht hier, kommt keiner drauf, um die beiden Handtaschen. Ehrenwort: «Die Kindergartentasche für die Grossen von La Fetiche und L/Uniform könnte kaum eskapistischer wirken.» Die Tasche is übrigens ein Schnäppchen. Von ursprünglich £ 510 auf bloss £ 360 runtergesetzt. Wenn das nicht zur Massenflucht führt …

Nur: wohin? Vielleicht zu diesem Beistelltisch aus Kunstharz:

Ist hässlich un unpraktisch, sagen Sie da? Dafür kostet er auch bloss € 2975.- Also der Tisch, Shipping und so sind dann nochmal € 690.- obendrauf. Dafür dauert die Lieferung auch bloss 12 Wochen.  Also alles in allem ein Wahnsinnsagebot.

Und auch hier als Absackerchen:

Mal Hand aufs Herz: wer möchte schon an einem Event teilnehmen, bei dem man diesen Sympathieträgern begegnen müsste? Eben.

 

 

4 KOMMENTARE
  1. Gili
    Gili says:

    Aber, aber Herr Zeyer. Hat Ihnen gestern die Hitze zugesetzt? Was Sie hier kommentieren, ist die NZZaS-Ausgabe vom 26. Juni 2022. Und gestern war der 3. Juli 2022!

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