Avenarius besiegt Münger

Peinlich, wenn der Auslandchef von einem Redaktor abgetrocknet wird.

Christof Münger ist eine frustrierte Kriegsgurgel, der als Amtsträger ohne Amt gelegentlich mit kriegslüsternen Kommentaren Dampf ablässt. Schimpfend auf «besserwisserische Ratschläge», erteilt er selber welche:

«Dankbarkeit und Waffen sind deshalb hilfreicher als besserwisserische Ratschläge.»

Nur eine «vollständige Unterstützung der Ukraine» könne Putin Einhalt gebieten, besserweiss es Münger.

Einen schmerzlichen Unterschied im intellektuellen Niveau zeigt ihm dann Tomas Avenarius. Auch der Kommentar des Autors der «Süddeutschen Zeitung» kommt dank automatischer Übernahme ins Reich von Tamedia.

Avenarius analysiert kühl und korrekt, dass sich der Angriffskrieg in eine Abnützungsschlacht verwandelt hat: «Das bedeutet, dass das ukrainische Gemetzel wohl erst endet, wenn einer der beiden Gegner im Wortsinn ausgeblutet ist. So, wie es derzeit aussieht, wird das eher die Ukraine sein und nicht Russland.»

Unterstützt von Kriegsgurgeln hat die ukrainische Führung leicht den Kontakt zur Realität verloren: «Berechtigte Zweifel am versprochenen Triumph und die Suche nach einem politischen Kompromiss nehmen in solch einer Stimmung das Stigma von Verrat an. Der Ruf nach einer Verhandlungslösung ist daher nur im Paket mit ukrainischen Maximalforderungen zu hören.»

Zudem würden in Europa zunehmend die Auswirkungen der gegenseitigen Sanktionen und Embargos spürbar. Schlussfolgerung:

«Dann wird die Unterstützung für die Ukraine schneller bröckeln als erwartet. Dies wäre ein Grund, in Kiew nicht nur auf den Sieg zu hoffen, sondern konsequenter an eine akzeptable Verhandlungslösung zu denken. Denn was einen baldigen ukrainischen Sieg mit der Rückeroberung aller Gebiete samt der Krim angeht: Der Wunsch ist verständlich. Aber die Chancen tendieren gegen null.»

Muss nicht die einzig richtige Meinung sein. Ist aber wohltuend ruhig und frei von vorgefassten Meinungen oder Haltungen oder Wunschdenken.

21 KOMMENTARE
  1. Mario Modena
    Mario Modena says:

    „Ich habe kein Verständnis für Putinisten, die behaupten, die Russen seien nur einem Nato-Angriff zuvorgekommen. Sie kommen auch in der „Weltwoche“ zu Wort – weswegen ich soeben mit diesem Text meine Mitarbeit bei dieser Zeitschrift für beendet erklärt habe“. Der Autor Henryk M. Broder, der seine Mitarbeit bei der Weltwoche seit heute sistiert hat.

    Bin gespannt, ob weitere freie Mitarbeiter bei der Weltwoche zu ähnlichen Schlüssen kommen.

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  2. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    25. Juli 2020, ein wichtiger Tag: Die Rückkehr der Medienkritik. Was haben wir heute? Auch Medienkritik, vielfach geht es aber bei ZACKBUM nur noch um das weltpolitische Bild von Rene Zeyer, das genauso einseitig ist wie beim Mainstream.

    Münger und Affentranger haben es verpasst zu sagen so nicht, als sie von Supino und Abnicker Rutishauser zu «Filialleitern» der Süddeutschen Zeitung» ernannt wurden, als Supino und Rutishauser der deutschen Sicht den Vorrang gaben, vor einer unabhängigen Schweizer Sicht. Die stille Annexion des TA durch die SZ!

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    • Rolf Karrer
      Rolf Karrer says:

      Olivier Meiler, der TA-Italien-Korrespondenten, kann im Gegensatz aus dem Vollen schöpfen. Seine ellenlangen Artikel viel zu lang und unleserlich. Italien ist zwar unser Nachbarland – aber nicht der Nabel der Welt.

      Gestern ein Artikel in der NZZ über Laos. Das hochverschuldete Binnenland steht wie Sri Lanka vor dem Konkurs. Im Tages Anzeiger wie üblich keine Meldung wert.

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      • Victor Brunner
        Victor Brunner says:

        TA Papier, Ausland, heute: 6 Artikel, 5 von Journalisten der SZ, 1 Artikel Dominique Eigenmann TA, Berlin.

        Und der Brüller, Marc Brupbacher und Patrick Vögeli nehmen sich wieder einmal Corona vor, international und national. Lead: «in der Schweiz wurden dank Impfstoffe mehr als 40’000 Tote vermieden». Im Text, Battegay, UNI Basel, schätzt die Zahl als zu hoch ein, Christian Althaus meint auch die Zahl sei oberes Limit, also darunter. Die beiden haben einen Artikel in einem Fachmagazin gelesen, das auch mit geschätzten Zahlen operiert, nehmen noch Material von AFP, basteln einen Artikel, in der Manie von Kaffeesatzlesejournalismus! Die beiden machen gehorsamst Aufregung und Werbungfür die nächste Impfkampagne!

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  3. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Christof Münger ist der bekannteste Sozialfall beim Tages-Anzeiger. Er darf bleiben und wird bis zur Altersrente finanziell durchgeseucht, obschon er als Auslandschef komplett überflüssig ist. Die TXGroup zeigt soziales Erbarmen wenigstens in seinem Fall. Münger ist halt ein Herziger mit seinem hellen Ostschweizer-Dialekt. Weniger erheiternd sind seine dümmlichen Absonderungen zum Ukraine-Konflikt. Münger möchte halt zur Kompensation wie Selenskyj auch ein scheinbar tapferer Held sein. Er hat wohl viel Winnetou gelesen. Doch soll er doch bitte lieber seine Maskottchen-Rolle beim Tagi mit vielen Kafi geniessen und ausser zum Trinken einfach die Klappe halten! Es ist besser für ihn und sehr viel besser für die geplagten Leser.

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    • Eveline Maier
      Eveline Maier says:

      Apropos «Absonderungen»: Sehe in ihrem Rundumschlag keine Bereicherung meines Wissensstandes. Karl May’s Winnetou einzubeziehen in diesem schlimmen Ukraine-Konflikt, ist Frevel.

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      • Jürg Streuli
        Jürg Streuli says:

        Manche möchten mit ihrer rassistischen Hetze gegen alles Russische vollenden, was die Deutsche Wehrmacht nicht geschafft hat.

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  4. Benno Derungs
    Benno Derungs says:

    Christof Münger als «frustrierte Kriegsgurgel» zu bezeichnen, ist unterste Schublade. Es zeigt sich, dass für René Zeyer das Völkerrecht bloss ein Stück Makulatur darstellt.

    Ob Martullo, Köppel oder Zeyer, die gerne mit forschen Worten aufwarten: Wie sieht der Blueprint für eine Lösung gegenüber dem hegemonischen Okkupanten Putin aus? Wichtig: Das Völkerrecht gilt als Richtmass einbezogen zu werden.

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    • Eveline Maier
      Eveline Maier says:

      Faktum bleibt, autoritäre Regimes halten sich nicht unbedingt an Grenzen und internationale Regeln.

      Putins Botschaft ist nach wie vor: Die Ukraine hat kein Existenzrecht. Einen aggressiven Krieg zu führen,
      geht somit in Ordnung für ihn.

      Eine Verhandlungslösung unter Putin ist unmöglich.

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        • Beth Sager
          Beth Sager says:

          In ihrem «Werteosten» gibt es sehr enge Parameter (Denkschablonen), sich zu äussern. Mag sein, dass sie sich knapp qualifizieren in dieser Disziplin. Achtung: Dieser Filter kann sich tagtäglich ändern – auch zu Ungunsten von ihnen. Diesen gefährlichen Tanz auf der Rasierklinge brauche ich nicht.

          Fazit: Lebe somit viel lieber im «Wertewesten».

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          • Oskar
            Oskar says:

            Das dürfen Sie Herr Sager. Nur hat das nichts mit dem Thema zu tun. Sie überhöhen sich und ihre Ideologen zu etwas moralisch besserem. Dabei merken Sie nicht, dass Sie sich mit Massenmördern ins Bett legen, die so ganz und gar nicht ihrem Weltbild entsprechen.

      • Klaus Rohner
        Klaus Rohner says:

        Nur in den Vorzeigedemokratien wie beispielsweise Nordkorea ist das Ansehen von Wladimir Wladimirowitsch Putin gestiegen.

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  5. Sam Thaier
    Sam Thaier says:

    Von „Abtrocknen“ keine Spur……..Meinungen, die sich aber gut Ergänzen in diesem Diskurs der Ansichten.

    Apropos nebulöse «Verhandlungslösung» gemäss Tomas Avenarius: Viel bedeutsamer als Meinungsäusserung ist bestimmt der Kommentar von Manfred Rüesch in der gestrigen NZZ unter dem Titel „Wer auf den Knien um Putins Gas bettelt, ruft zur Kapitulation gegenüber Russlands Grossmachtpolitik auf“. Artikel in der Bezahlschranke!

    Mit guten Argumenten zersaust er die naiven Appeasementgelüste gegenüber dem Despoten Putin, die letzthin von SVP, der AfD und anderen nationalkonservativen Parteien geäussert wurden.  Insbesondere Magdalena Martullo-Blocher hat mit ihrem Aufruf zu Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Putin eine Kontroverse ausgelöst. Die Unternehmerin befürchtet schwere Schäden für die europäische Wirtschaft. Die Nationalrätin Martullo-Blocher regte scheinheilig an, man müsse die Konditionen eben aushandeln………. Wie diese realistischerweise aussehen, darüber verliert sie allerdings kein Wort. Das ist politisch feige, wie Rüesch NZZ moniert.

    Er beschliesst seinen klugen Kommentar mit dem Satz: „Das Schöne an der Demokratie ist, dass man anders als in Putins Kerkerstaat jede Meinung vertreten darf“.

    https://www.nzz.ch/meinung/ukraine-wer-um-putins-gas-bettelt-nimmt-kapitulation-in-kauf-ld.1691094

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    • Gerold Ott
      Gerold Ott says:

      Ein interessanter Kommentar von Manfred Rüesch, der sich im Gegensatz zu NR Martullo einige Überlegungen gemacht hat. Er meint etwa:

      Ein Diktatfrieden würde die Abtretung von mindestens einem Fünftel des ukrainischen Territoriums bedeuten. Es wäre ein Triumph der Gewaltpolitik über das Völkerrecht, wie man ihn in Europa seit Hitler nicht mehr erlebt hat. Bei einem Diktatfrieden wäre es ausgeschlossen, dass Russland Reparationszahlungen für die gewaltigen Zerstörungen und begangenen Verbrechen in der Ukraine leisten würde. Der Wiederaufbau der Rumpf-Ukraine ginge voll zulasten des Westens. Kommt weiter dazu gemäss Rüesch, dass Europa künftig unter dem Damoklesschwert eines weiteren russischen Angriffs, ob in der Ukraine selber, im Baltikum oder anderswo, stehen würde.

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      • Oskar
        Oskar says:

        Die Gewaltpolitik hat schon immer über das Völkerrecht «triumphiert». Das ist die Wirklichkeit, ob sie einem nun passt oder nicht. Deshalb haben die USA über 500 Militärstützpunkte im Ausland. Da spielt dieses gut gemeinte Büchlein keine Rolle.
        Irgendwie muss man sich mit den Russen arrangieren, ob das nun moralisch gerechtfertigt ist oder nicht. Unsere Sanktionen haben sich ja bereits jetzt als Rohrkrepierer entpuppt. Oder wollen Sie etwa den «totalen Krieg»?

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        • Mario Modena
          Mario Modena says:

          1. Die USA verfügten im Jahr 2015 über insgesamt 4.855 militärische Stützpunkte. Der größte Teil der Einrichtungen lag im Gebiet der Vereinigten Staaten, 114 lagen in US-Außengebieten. 587 Stützpunkte waren im Ausland angesiedelt, davon 181 in Deutschland. 2. Habe trotz einigen wenigen Einwänden, weniger Probleme mit den freiheitlichen Werten der USA als mit despotischen Regimes wie etwa Russland, China und Nordkorea. 3. Sanktionen als Rohrkrepierer: Warten wir ab……. 4.Mag den treffenden Spruch von Manfred Rüesch, NZZ, wie Sam Thaier obenstehend darlegt: „Das Schöne an der Demokratie ist, dass man anders als in Putins Kerkerstaat jede Meinung vertreten darf“.

          Zumindest hier sollte der mutmasslich demokratisch geprägte Oskar und ich eigentlich gleicher Ansicht sein.

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          • Oskar
            Oskar says:

            Dort wo «demokratisch» drauf steht, ist leider nicht immer Demokratie drin. In Deutschland werden sie in Zukunft vom Verfassungsschutz ins Visier genommen, wenn sie sich kritisch gegenüber der Regierung äussern – wegen «Delegitimierung des Staates». Leider ist der «freie Westen» nicht mehr so frei, wie er eigentlich sein sollte. Wenn es andere noch schlechter machen, heisst das nicht, dass wir es gut machen.

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