Tagi/NZZ: der Vergleich

Wenn man Fr. 9.30 investiert, was bekommt man dafür?

Die Printausgabe des «Tages-Anzeiger» kostet Fr. 4.20. Dafür gibt es am Dienstag insgesamt 34 Seiten bedrucktes Papier. Die NZZ kostet Fr. 5.10 und liefert 52 Seiten. Damit hat die NZZ bei einem Seitenpreis von 10 Rappen die Nase vorne, der Tagi kostet 12 Rappen.

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Was wird dafür geboten?

Bereits die Seite 2 verdeutlicht, welche Niveauunterschiede herrschen. Die NZZ steigt ansatzlos mit ihrer Auslandberichterstattung ein:

Der Tagi hingegen gibt seinen Mitarbeitern Gelegenheit, Meinungen zu verbreiten. Besonderer Tiefpunkt ist die Kolumne von Laura de Weck; ein hölzerner Dialog mit einer Schlusspointe, die auf den gesamten Inhalt zutrifft: «Crash».

Die NZZ berichtet dann über die Schliessung von Ikea Russland, porträtiert den Widerstand in Myanmar, analysiert die Krise der Muslimbrüder und kommt auf Seite 7 zum «Titanenkampf in der SP».

Den hatte der Tagi schon auf Seite 3:

Wieso allerdings zwei aufgeblasene Porträtfotos, Titel und Lead beinahe die halbe Seite ausfüllen, kann nur als geistige Sparmassnahme verstanden werden.

Auch die NZZ zeigt die Konkurrenten, allerdings mit Mass und Mitte.

Im Ausland behandelt auch der Tagi den Wahlsieg des linken Präsidentschaftskandidaten in Kolumbien. Dazu geht der SZ-Korrespondent von Buenos Aires (Argentinien) aus ans Gerät. Ist ungefähr so, wie wenn der in Schweden ansässige Korrespondent über die Parlamentswahlen in Frankreich berichten würde.

Apropos, so sieht im Tagi eine «Analyse» dieser Wahlen aus:

Links und rechts etwas Text um ein völlig überflüssiges Riesenfoto des französischen Präsidenten.

Während die NZZ mit einem launig bebilderten Interview aufwartet,

reitet im «Tages-Anzeiger» die einschlägig bekannte Ein-Thema-Autorin Aleksandra Hiltmann ihr Steckenpferd:

«Patriarchale Strukturen, Patriarchat, sexualisierte Gewalt, Kriegsvergewaltigungen». Es ist ein schreckliches Thema und begleitet meistens Kriegshandlungen. Nur: es ist ein altbekanntes Thema, es gibt keinen aktuellen Anlass dafür, und dass die oberste Strafverfolgerin der Ukraine von ihrem Posten entfernt wurde, weil sie unbelegte Horrorstorys über das Verhalten russischer Soldaten verbreitete – das ist Hiltmann natürlich kein Wort wert.

Lassen wir dann die Niederungen der Lokal- und Sportberichterstattung beiseite und wenden uns dem intellektuellen Höhepunkt zu: «Kultur und Gesellschaft» beim Tagi, «Feuilleton» bei der NZZ.

Auch hier sagen Bilder mehr als tausend Worte; so macht der Tagi auf:

So die NZZ:

Dann widmen sich gleich drei SZ-Redaktoren dem Aufreger des Moments:

Allerdings in sehr teutonischer Manier: das Verdikt wird schon im Titel ausgesprochen; es ist selbstverständlich ein Skandal und muss weg. Die Künstler zur Stellungnahmen auffordern? Überflüssig, wozu auch, die Meinung steht schon vor dem Schreiben fest.

Lieblicher und lockerer geht es dafür im NZZ-Feuilleton weiter:

Hier darf der abgesägte NZZaS-Chefredaktor Luzi Bernet sein Gnadenbrot mit flockigen Strandgeschichten futtern. Daran schliesst sich die «Buchhaus-Zeitung» an, mit deren Inhalt die NZZ nichts zu tun hat.

Der Tagi plämpert mit Kreuzworträtsel, Wetter und einer einzigen Seite «Wissen» aus. Auch ganz am Schluss frönt das Qualitätsorgan seiner Marotte, Texte um aussagelose Riesenfotos zu drapieren:

Völlig subjektives, aber unbeeinflusstes, nicht bezahltes Fazit: Fr. 5.10 sind ein stolzer Preis für ein paar Seiten bedrucktes Papier. Aber immerhin bekommt man Anregungen und Informationen, die man sonst in der Schweiz nicht findet. Die Fr. 4.20 für den Tagi gehören aber leider in die Kategorie: rausgeschmissenes Geld.

Wobei in beiden Fällen die Frage ist, ob man sich stattdessen nicht eher eine CS-Aktie kaufen sollte. Kostet nur unwesentlich mehr und wer weiss, vielleicht kommt die Bank ja mal wieder hinten hoch …

 

 

2 KOMMENTARE
  1. Oskar
    Oskar says:

    Dass Leute so gehirngewaschen sein können, dass sie für diese links-grüne Propaganda sogar noch bezahlen, ist wirklich aussergewöhnlich.

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  2. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Wer ist eigentlich noch bereit, solche hohen Zeitungspreise für die immer schlechtere journalistische Qualität zu bezahlen? Tatsächlich soll es noch Leute geben, die sich ihr Weltbild aus Tagi-Medien und Tagesschau zimmern lassen. Dies ergibt dann eindimensionale Menschen auf strammen rot-grünen Kurs, die nicht mit sich diskutieren lassen. Denn die linken Journis haben ihnen täglich eingebläut zu den wunderbaren Gutmenschen zu gehören, die nicht mit ideologisch Fehlgeleiteten diskutieren. Nein, dann doch lieber am Kiosk für die Fr. 4.20 oder Fr. 5.10 etwas Anständiges wie Schokolade und Kaugummi kaufen, was den Geist weder verwirrt noch verdirbt.

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