Im Reich der Trolle

Luxus-Chalets für ukrainische Funktionäre. Fake News.

Die Wirklichkeit wird immer mehr innerhalb von Haltungsblasen wahrgenommen. Das erleichtert es Trollen, diese Haltung bestätigende Fake News in Umlauf zu bringen.

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Einem aktuellen Beispiel ist der «Tages-Anzeiger» nach und auf den Grund gegangen. Von einem anonymen Blogger veröffentlicht, machten schnell Auszüge aus dem Gstaader Grundbuchamt die Runde und verselbständigten sich.

Laut ihnen sollen drei hohe ukrainische Funktionäre unlängst Luxus-Anwesen in der Gemeinde der Reichen und Schönen und ganz schön Reichen erworben haben, jeweils für Millionenbeträge. Die «Dokumente» kommen auf den ersten Blick durchaus amtlich daher:

Laut diesem Auszug soll die ehemalige ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Ljudmila Denissowa über eine hübsche Millionenvilla verfügen, die sie erst unlängst erworben habe.

Allerdings fiel nicht nur dem Tagi schnell auf, dass diese Dokumente diverse kleinere und grössere Fehler enthalten und offensichtlich gefälscht sind. Genauere Recherchen ergaben zudem, dass die Angaben in keinem Fall mit realen Häusern oder Grundstücken übereinstimmen. Natürlich ist der Sinn der Sache, ukrainische Funktionäre zu diskreditieren.

Allerdings gibt es wie meist eine Story hinter der Story. Denn die Amtsenthebung von Denissowa ist wiederum eine merkwürdige Geschichte. Noch problematischer ist, dass sie selbst die Autorin von Fake News ist. So geisterte auch durch Schweizer Medien ihre Anklage:

«Auch Männer und Kinder werden vergewaltigt. Eine Mutter musste, an einen Stuhl gefesselt, mitansehen, wie ihr elfjähriger Bub zehn Stunden lang sexuell missbraucht wurde.»

Nur: für diese wie auch für viele weitere Behauptungen von Denissowa gibt es keine stichhaltigen Belege; sie übernahm solche Aussagen bspw. aus Facebook-Accounts, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, sie zu plausibilisieren. In einem Interview soll sie eingeräumt haben: «Vielleicht habe übertrieben. Aber ich habe versucht, das Ziel zu erreichen, die Welt davon zu überzeugen, Waffen zu liefern und Druck auf Russland auszuüben.»

Sie selbst meine aber, dass nicht solche Übertreibungen der Grund für ihre Entlassung sei:

«Ich glaube, es ist meine Kritik am sogenannten Anti-Oligarchen-Gesetz, die zu meiner Entlassung geführt hat.»

Da ZACKBUM des Ukrainischen nicht mächtig ist, kann die Authentizität dieser Zitate nicht garantiert werden.

Es gibt aber noch eine weitere Story hinter der Story. Während es sich hier eindeutig um Fake News handelt, was die Käufe von ukrainischen Funktionären betrifft, war der Präsident der Ukraine ein fleissig zitiertes Beispiel für Korruption im Amt, als die Pandora Papers herauskamen und belegten, dass er in engster Verbindung mit dem ukrainischen Oligarchen Ihor Kolmoiski steht.

Es war sicherlich reiner Zufall, dass der vor der Wahl Selenskyjs zum Präsidenten im Exil lebte, nachdem es im Zusammenhang mit einer von ihm kontrollierten Bank zu kleinen Unstimmigkeiten in Milliardenhöhe gekommen war. Es war sicherlich auch reiner Zufall, dass der Oligarch nach der Wahl Selenskyjs wieder in die Ukraine zurückkehrte. Es sind sicherlich nur üble Gerüchte, dass er mit gewaltiger finanzieller Unterstützung den Wahlsieg erkauft hatte.

In all diesem Durcheinander von Fake News, wahren News, möglichen, plausiblen, gefälschten Zusammenhängen wäre es dringend nötig, dass sich die sogenannten Qualitätsmedien der Aufgabe widmen würden, zu sortieren und einzuordnen. Aber einerseits sind sie dafür viel zu sehr zu Tode gespart, andererseits kolportieren sie lieber Narrative und Schwarzweissgemälde in einem Kampf von Held gegen Schurken, von Gut gegen Böse, von Freiheit gegen Unterdrückung.

2 KOMMENTARE
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Verstehe die Welt nicht mehr. Beruft sich TAmedia oder andere Medien auf die Papiere wird der Wahrheitgehalt in Frage gestellt. Dienen die Papiere der Argumentation von Zackbum um Selenskyj ans Bein zu pissen sind sie glaubwürdig. Ist das der Wärme oder dem «Fall-zu-Fall-Journalismus» geschuldet!

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  2. Gili
    Gili says:

    Nur zur Erläuterung: Gstaad, welches im Übrigen zur Einwohnergemeinde Saanen gehört, hat kein Grundbuchamt! Zuständig ist das Grundbuchamt Oberland, Dienststelle Frutigen.

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