Hilfe, mein Papagei onaniert

Wir können nichts dafür. Wir beginnen mit einem Lob.

Normalerweise ist die Sonntagspresse reicher Quell für Spass und Tollerei. So war auch ZACKBUM gestimmt, als wir das Cover der NZZaS sahen:

Clever, sehr clever. Während der «Blick» Corona wieder hochzieht, wenn das mit der Ukraine mal nicht mehr Monothema ist, wählt die NZZaS Sommer, Hitze, Wasser, Stromknappheit, furchtbar. Kann man machen, muss man nicht machen.

Aber dann kam das:

Eine Philippika gegen den offenbar hitzegeschädigten Zürcher Stadtrat. Der will ja nicht nur die Verwendung von Biersigneten bei der Aussenwerbung von Restaurants verbieten, nun hat er auch noch ein ellenlanges Reglement erlassen, das im Wesentlichen sagt: «verwenden Sie den Genderstern.» Was für Aussenstehende lachhaft erscheint, ist für städtische Beamte Pflicht.

Das Femininum sei nur noch in Ausnahmefällen zu verwenden, zum Beispiel hier: «Schweizerinnen erhielten das Frauenstimmrecht 50 Jahre später als die Schweizer.» Redaktor Urs Bühler möchte man ganz politisch unkorrekt dafür knutschen, wie er diesen Satz auseinandernimmt:

«Als hätte das Frauenstimmrecht schon für Männer gegolten. Übersteigertes Gendern verwirrt halt den Geist.»

Schön ist auch: «Was der Stadtrat, Pardon, die Stadtratte, im Reglementierwahn anordnet, geht auf keine Kuh- und auch auf keine Stierhaut.» Ein klares Wort, ein Bundesgenosse im Kampf von ZACKBUM gegen Genderwahn und Verunstaltung der deutschen Sprache. Das Merkwürdige daran ist: dass jede Form von Gendern schlichtweg schwachsinnig ist und mehr Probleme schafft als löst, ist schon tausendmal beschrieben, nachgewiesen, erklärt, sinnhaft gemacht worden. Aber die Fraktion Genderwahnsinn macht einfach weiter, als wäre da nix.

Sprache als Therapieanstalt für angeblich diskriminierte, exkludierte, nicht berücksichtigte Gender. Eine unglaubliche Fortsetzungsgeschichte.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. «Gefährlicher Rüpel» titelt die NZZaS über einem Porträt von Jean-Luc Mélonchon, der sei ein «polternder Polemiker», resümiert der Artikel. Dazwischen bemüht sich Autorin Christine Longin damit ab, hinwegzuerklären, wieso diesen polternden und gefährlichen Rüpel und seine Linksallianz ganze 28 Prozent der Franzosen wählen wollen. Nicht weniger als das Lager von Präsident Macron, auf den bei den Parlamentswahlen eine Klatsche zukommen dürfte.

Noch schlimmer: «Besonders gut kommt der Linkspopulist bei den 18- bis 24-Jährigen an. Ein Mehrheit von ihnen will bei den Parlamentswahlen Nunes (der Linksallianz, Red.) die Stimme geben.» Warum? Das habe mit der «Unzufriedenheit mit dem politischen System zu tun», fällt einem Mitarbeiter des «Deutsch-Französischen Instituts» ein; für Longin offenbar die einzig greifbare Expertenmeinung – als ganz dünne Suppe.

Polemik und Beschimpfung auf der einen Seite, platte und magere Erklärung, wieso denn so viele Franzosen einen solch gefährlichen Mann wählen wollen. Die Unfähigkeit einer wirklichkeitsnahen Beschreibung erinnert fatal an die Porträts über Donald Trump vor seiner Wahl …

Auch Fotos können demagogisch sein: kein Ruhmesblatt für die NZZaS.

Wir wollen aber wieder ein Lob dranhängen:

Denn Kate Bush ist erst 63 Jahre alt. Damit senkt die NZZaS nach ihren Lobes-Interviews mit Mick Jagger oder Elton John das Alter des angepriesenen Musikers gewaltig. Es fehlt nicht mehr viel, dann ist sie bei kontemporären Stars angelangt. Ausser natürlich, sie hängt der Meinung an, dass Elvis lebt. Ein Film über ihn wird immerhin schon mal rezensiert …

Wer Wert auf Dynamik legt, muss nach der NZZaS den «SonntagsBlick» anschauen. Der hat mal wieder einen Knaller auf dem Cover:

Das ist natürlich furchtbar. Nur hat der Knaller eine nasse Zündschnur: bis zu den Sanktionen nach dem Einmarsch in die Ukraine war der Export solcher Chips völlig legal.

War’s das schon vom SoBli? Ja, oder wollen wir uns noch die Gedanken von Frank A. Meyer antun? Eben.

Hin und her gerissen ist aber die «SonntagsZeitung». Das hier ist sozusagen Pflichtstoff:

Das aber die SoZ diesem Thema gleich die Seiten zwei und drei widmet, ist erstaunlich:

Da möchte man gerne Mäuschen bei der Redaktionskonferenz gewesen sein. Was, das sind doch nur wenige Einzelfälle. Das ist doch völlig kontraproduktiv. Damit schürt man doch Xenophobie. Ein Bärendienst für flüchtende Ukrainer. Wollen wir wirklich der SVP Wasser auf ihre Mühlen lenken? Sind wir hier neuerdings bei der «Weltwoche»? Da müssen wir unbedingt positive Beispiele dagegenstellen.

So und ähnlich dürfte dort gepoltert worden sein.

Ansonsten stellt die SoZ Fragen, die sich sonst keiner traut:

Schliesslich geht Nora Zukker, die schon mal gerne ein Autorengespräch auf dem Friedhof mit einem Flascherl Schampus führt, einer weiteren wichtigen Problemstellung nach:

Wollen wir wissen, welche Worte Zukker mit der Autorin eines Buchs wechselt? Falls es tatsächlich ein paar Leser geben sollte, die sicherlich unter Drogeneinfluss ja sagen, wir lassen es bei diesem Absackerchen bewenden:

Es geht doch eigentlich nichts über weibliche Bekenntnisliteratur, in der ein persönliches, recht überschaubares Problem zum grossen Beichtbuch aufgeblasen wird.

 

1 reply
  1. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Annabelle, Mai 2022: Autorin Eva Biringer: «Alkohol wird uns Frauen als Me-Time verkauft».
    Zukki zu Biringer in der SoZ, Juni 2022: «Sie sagen, Alkohol werde Frauen als emanzipatorisch verkauft». «Ja, Frauen wird suggeriert, sie könnten alles machen, auch trinken wie die Männer».
    Wie normativ Fragen sein können.

    Zukki, die einem Cüpli nicht abgeneigte «Literaturchefin» als Trittbrettfahrerin hat das Interview in der Annabelle gelesen und wurde auf Biringer aufmerksam, macht ein Interview mit ihr. Auch Zukki vermittelt mit der Autorin das Bild der armen Frau die nach den Regeln der männlichen Diktatur zu funktionieren hat. Daher darf die vom Saufen befreite Autorin jeden Quatsch von sich geben, wie diesen: «Weil die Gesellschaft ein kollektives Alkoholproblem hat».

    Was können wir von der «Literaturchefin» lernen. Literatur ist nicht anspruchsvoll, Zukki lobt Bücher die von Frauen geschrieben wurden auch wenn das was zwischen den Deckel steht nicht einmal als Sommerlektüre taugt. Immerhin kann Zukki jetzt über ihre persönlichen Trinkgewohnheiten reflektieren.

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