Kriegsverbrechen

Nichts ist relativ. Nichts sollte vergessen gehen.

Die Verurteilung des Überfalls auf die Ukraine als völkerrechtswidrig und vertragsbrüchig ist eine (richtige) Sache. Die Verurteilung von dort begangenen Kriegsverbrechen eine andere, ebenfalls richtige. Die Frage nach der Verantwortlichkeit für die angerichteten Schäden ebenfalls. Dafür ist die russische Regierung und der russische Staat verantwortlich.

Aber auch jeder im Ausland lebende reiche Russe?

Spiegeln wir diese Absurdität an einem anderen Kriegsverbrechen. Im Vietnamkrieg setzten die USA unter anderem das chemische Entlaubungsmittel Agent Orange ein. In über 6000 Einsätzen wurden über 45 Millionen Liter der hochgiftigen Chemikalie über den Dschungeln von Vietnam und Laos von 1962 bis 1971 versprüht. Der enthaltene Wirkstoff TCDD gilt als das giftigste aller Dioxine. In Europa bekannt seit dem Chemieunfall von Seveso in Italien.

Schätzungsweise zwei bis vier Millionen Menschen sind von den Spätfolgen betroffen, mindestens 100.000 Kinder wurden mit Behinderungen geboren.

Neben den schweren Fehlbildungen gelten mehr als 20 Krankheiten als direkte Folge von Agent Orange, darunter Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Wirbelsäulenspalten, Immunschwächen, Nervenleiden, Diabetes und Parkinson. Auch Krebs wie Leukämie, Prostatakrebs und andere gelten als Spätfolgen.

Hersteller und Anwender und Folgen sind bekannt

Hergestellt wurde Agent Orange von den US-Buden Dow Chemical und Monsanto, die heute zum Bayer-Konzern gehört. Da auch US-Soldaten mit dem Gift besprüht wurden, wurden in einem Vergleich ab 1984 knapp 200 Millionen Dollar als Entschädigungen an rund 52’000 US-Veteranen oder ihre Hinterbliebenen ausbezahlt.

Die vietnamesischen Opfer erhielten dagegen bis heute nichts. Eine entsprechende Sammelklage in den USA wurde 2005 abgewiesen. Der Einsatz von Agent Orange sei «keine chemische Kriegsführung» und deshalb kein Verstoss gegen internationales Recht gewesen.

Nein, das rechtfertigt keine Kriegsverbrechen Russlands in der Ukraine. Aber die Forderung nach Kriegsverbrechertribunalen in der Ukraine im Vergleich zu US-Verbrechen im Vietnamkrieg, die bis heute ungesühnt bleiben, illustrieren Heuchelei, Doppelmoral, Einseitigkeit und Geschichtsvergessenheit.

 

6 KOMMENTARE
  1. Dave V.
    Dave V. says:

    Ich wundere mich sowieso, wie die wir im Westen so einfach Kriege in Gut und Böse einteilen können. Ich sehe den Unterschied nicht, ob ich von einer RUS Bombe zerfetzt werde oder von einer US-Bombe. Das soll mir doch bitte jemand erklären, der die letzten 20 Jahre stillschweigend die US-Kriege de facto gutgeheissen hat. Also Vietman, Irak, Afganisthan, Lybien, Jemen, Syrien (solange die RUS nicht dabei waren) etc. sind «gut». Also schlichtweg überall wo unsere lieben Kollegen aus den USA und ihre Verbündeten (z. T. illegal) Kriege geführt haben, da war alles immer wunderbar. 600’000 Tote Iraker werden es den USA danken, dass sie nicht durch RUS Waffen umgekommen sind. Wir im Westen sollten doch ein Denkmal für die «sauberen, heldenhaften» US-Bomben aufstellen. Daher gibt es bei US-Kriegen wohl kaum Aufschreie und Aufforderungen zum Boykott und wenn, dann sind diese jeweils schnell verstummt. Nur Spinner und Opositionelle wagen es aufzumüpfen. Eine offizielle Regierung würde es aber nie wagen. Auch interessant, dass die USA scheinbar nie Kriege im Eigeninteresse geführt haben und so stets die «Demokratie» und «Freiheit» vorgeschoben haben und jeder Journalist hat’s wohl immer geglaubt. In der Tat wissen wir doch alle das es den USA immer um Geld, Macht, Rohstoffe und Einflussspähren ging und geht! Die «Shock and Awe» Strategie war noch das «Highlight» im Irakkrieg. Was für eine geniale Taktik die die Generäle da ausgetüftelt haben. Kein Wunder machen die USA in Den Haag nicht mit…
    Ein «Präventivschlag», wie die Amis einen illegalen Angriffskrieg nennen, gegen den Irak ist genauso eine juristische Spitzfindigkeit und verabscheuenswürdige Tat wie eine «Spezialoperation» in der UKR. Aber der Angriffskrieg der USA wird toleriert. Agent Orange keine chem. Kriegsführung? Wetten wenn die RUS ein Pestizid gegen Fusspilz einsetzen würden, dann wäre der Teufel los!
    Ich staune wie einfältig naiv unsere Presse ist und wie sich die Leute doch stets an der Nase herumführen lassen. Ich bin gegen jeden Krieg, egal von wem dieser geführt wird. Aber als Realist würde ich auch nie irgend ein Land, welches Krieg führt, generell boykottieren und deren Volk verteufel, da es die Verantwortlichen an der Macht sowieso nie trifft!

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    • Dave V.
      Dave V. says:

      P. S.: Geht es nur mir so oder ist das nicht wirklich komisch wenn man Kriege in «illegal» und «legal» teilt?

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      • René Küng
        René Küng says:

        Lieber Dave V.
        weder Spinner noch Oppositioneller.
        Ich halte es einfach für NORMAL, wenn Unrecht als Unrecht bezeichnet wird.
        Sollen alle Anderen, die mit zwei unterschiedlichen Ellen messen, entscheiden, wie sie sich selber nennen wollen.

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  2. René Küng
    René Küng says:

    So still im Forum
    wie es still im ‹Guten Westen› ist, wenn wir Assange schmoren lassen.
    Uns geht es so gut, dass wir sogar einen Nestbeschmutzer Zeyer locker wegstecken.
    Fett ist ein gutes Polster, auch Geschmacksverstärker und es schwimmt in der Brühe oben auf.
    Alles was darunter im Elend absäuft, müssen wir nicht sehen und geht uns damit nichts an.
    Und sonst hilft der Spruch jeder trägen, verwöhnten Mehrheit: da können wir = ICH nichts machen.
    Funktioniert erstaunlicherweise sogar, wenn diese Mehrheit kontinuierlich ins eigene Elend mutiert wird.

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    • Ludwig Detusch
      Ludwig Detusch says:

      Und jetzt erläutern Sie uns doch bitte noch – nicht, was Sie tun könnten, sondern was Sie selber konkret machen. Ich meine abgesehen vom Maulaffenfeilhalten, was hier bei Bedarf ja jeder genauso gut kann wie Sie.

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