Beknackt gegen den Strom

Alle sagen weiss, wir sagen schwarz. Damit will die WeWo punkten.

Putin ist unverstanden, nur die «Weltwoche» weiss, was die Neutralität der Schweiz beinhaltet. Im Zweifel herrscht der Reflex für das Konservative, gegen alles Linke. Das kann Spass machen, das kann Widerhaken setzen, das kann die Debatte anregen. Oder aber, es ist einfach nur aschgrau und bedenklich, wenn die Methode aufs falsche Objekt angewendet wird. Vom falschen Autor.

Das hier ist ein gutes Beispiel dafür:

«Die Verteufelung der Taliban durch den Westen ist falsch und gefährlich. Sie vernebelt den Blick für drei verheissungsvolle Entwicklungen und verhindert eine Wende zum Besseren.»

Hört sich schön knackig gegen den Strom an. Die Autorin Cheryl Benard (Achtung, Sexismusverdacht) beschäftigt sich mit einer breiten Palette von Themen; da ihr Mann, ein gebürtiger Paschtune, ehemaliger US-Botschafter in Afghanistan ist, gehört auch das Land der Taliban dazu.

Während sich alle zivilisierten Beobachter Afghanistans darüber entsetzen, dass die Taliban Schritt für Schritt zu ihrem Terrorregime der letzten Herrschaft zurückkehren; Frauen vom öffentlichen Leben ausschliessen, sie nicht mehr in die Schule gehen lassen und gerade dekretierten, dass sie sich nur im Stoffgefängnis Burka in der Öffentlichkeit blicken lassen dürfen, sieht das Benard anders: «Keiner scheint im Moment ein Auge zu haben für die ziemlich dramatischen Spaltungen innerhalb der Taliban

Sie gibt zwar selbst zu, dass die Fundamentalisten gegen aussen geeint auftreten und ein rückwärtsgewandter Mullah fast wie Chomeini selig im Iran das Sagen hat. Aber: «Zweitens ist die pauschale Ablehnung der neuen Regierung durch so gut wie die gesamte Aussenwelt nicht hilfreich.»

Die pauschale Ablehnung einer nur mit Waffengewalt legitimierten Junta, die nach lügnerischen Schalmeienklängen inzwischen wieder offen zeigt, dass sie das Land ins finsterste, fundamentalistischste Mittelalter zurückstossen will. Was empfiehlt denn die grosse Taliban-Kennerin stattdessen? «Ein nuancierter Umgang mit den Taliban-Fraktionen ist daher der beste und momentan auch der einzige Weg, in Afghanistan eine Wende zum Besseren zu erreichen.»

Welchen Fraktionen? Meint sie den Unterschied zwischen finsterstes Mittelalter und finsteres? Dass alle Fundamentalisten, wenn sie an der Macht sind, nur durch Gewalt oder schärfste wirtschaftliche Sanktionen von ihr entfernt werden können, ist Benard offenbar entgangen.

Religiöse Wahnsinnige sind weder belehrbar, noch zu Reformen fähig. Umso schneller sie von der Macht vertrieben werden, desto besser für Afghanistan und vor allem für Afghaninnen. Wer Frauen als Wesen zweiter Klasse behandelt, sie unter einen Ganzkörperpräservativ zwingt und ihnen den Zugang zu Ausbildung, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung verwehrt, mit dem ist kein nuancierter Umgang möglich.

Mit solchen Beiträgen, die nur publiziert werden, weil sie das Gegenteil einer weitverbreiteten Ansicht behaupten, macht sich die «Weltwoche» leider lächerlich.

3 KOMMENTARE
  1. Hans von Atzigen
    Hans von Atzigen says:

    Im Zusammenhang mit Afghanistan wird das Fundamentale Kernproblem so gut wie nirgendwo angesprochen und thematisiert.
    In den 20 Jahren Westbesatzung hat sich die Bevölkerungszahl verdoppelt.
    Gleichzeitig wurde so gut wie keine Wirtschaftliche Entwicklung angestossen.
    Ausser dem Drogenanbau und dem was die Besatzungstruppen an Hilfsleistungen benötigten.
    Praktisch logo die Rückkehr der Taliban und die Stellung der Frau im Islam, wird das Problem nicht lösen nur Verschärfen.
    Der Westen hat es verpasst in diesen 20 Jahren Besatzung zumindest eine Basis für die Wirtschaftliche Entwicklung anzustossen und damit eine breitere handfeste Basis, gegen die Radikalen zu installieren.
    Mal abwarten was allenfalls die Chinesen, die schrittweise übernehmen bewirken wollen und können.
    Allgemein in der gesamten islamischen Welt entwickelt sich von der übrigen Welt kaum beachtet, eine beispiellose Tragödie.
    Explodierende Bevölkerungszahlen bei marginaler wirtschaftlicher Entwicklung und Industrialisierung.
    Da braut sich sozialer Sprengstoff ungeheuren Ausmasses zusammen.
    Eine teilweise Ausnahme bilden die Islamischen Gemeinschaften in Südostasien.
    Die Golfregion generiert ihren Wohlstand praktisch ausschliesslich aus der Ölförderung.

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  2. Guido Kirschke
    Guido Kirschke says:

    Ich finde nicht, dass sich ein Medium lächerlich macht, wenn es auch Beiträge publiziert, die gegen den Mainstream stehen. Natürlich sind da auch extreme Gegenansichten darunter, wie der besprochene Artikel. Was ich lächerlich finde ist, dass es nur noch ganz wenig Medien gibt, die wirklich noch Debatten anstossen wollen und können. Die WW gehört klar dazu. Ihre inhaltliche Kritik ist berechtigt. Aber der Welwoche zu unterstellen, sie mache sich deshalb lächerlich, ist falsch.

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  3. Victor Brunner
    Victor Brunner says:

    Es gibt keine Wende zum Besseren in Afghanistan, vor allem nicht für Frauen. Mit dem kürzlich gefällten Burkaerlass werden die Frauen wieder ins Mittelalter geprügelt. Nicht mehr alleine reisen, nicht mehr in die Schule gehen, nicht den Zoo von Kabul besuchen, weg aus dem öffentlichen Leben. Nach den Taliban «zu ihrem Schutz». Cheryl Benard und Roger Köppel sollten sich fragen wer die geilen Böcke sind die die Frauen bedrohen. Sind es die Taliban, die muslimischen Männer?
    Meinungsvielfalt ist in einer pluralistischen Gesellschaft wichtig. Trötzelköppel meint er trage dazu bei und liefert Meinungseinfalt, Dummheit und Ignoranz. Es ist so, auch auf der Rechten gibt es Linke!

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