Wumms: Reza Rafi

Der SoBli spinnt. Muss man leider so sagen.

Der stellvertrende Chefredaktor des «SonntagsBlick» setzte schon Zeichen während der Pandemie. Für die wohl schlechteste, parteilichste und peinlichste Reportage in diesem Zusammenhang mussten wir ihn schon damals kritisieren: «Wenn Journalisten zu Mietmäulern werden, ersäuft der Beruf in der Schmiere der verborgenen Parteilichkeit

 

Aber eine solche Geisteshaltung heilt ja nicht von selbst. Inzwischen sieht es Rafi als seine vornehmste Aufgabe, alle anzurempeln, die für Besonnenheit plädieren und vor der Gefahr eines Atomkriegs warnen.

Rafi beginnt mit einem ausgeleierten Zitat: «Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.» Heinrich Heines Gedichtzeilen von 1843 gelten auch heute. Ob Rafi wohl weiss, dass Heine dieses Gedicht im französischen Exil schrieb, in Anspielung an die deutschen Zustände, aber vor allem, um sein Sehnen nach seiner Mutter zum Ausdruck zu bringen?

Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr, 
Wenn nicht die Mutter dorten wär; 
Das Vaterland wird nie verderben, 
Jedoch die alte Frau kann sterben. 

Aber gut, den Namen Heine erwähnen, das verschafft den falschen Anschein von intellektuellem Bildungsniveau. Nun haben 28 deutsche Intellektuelle einen offenen Brief an Bundeskanzler Scholz verfasst, der bereits von über 250’000 Bürgern (inklusive dem Schreiber dieser Zeilen) unterzeichnet wurde. Sein Inhalt lässt sich einfach nachlesen, die zentralen Aussagen, die Rafi nicht rafft, lauten:

Wir teilen das Urteil über die russische Aggression als Bruch der Grundnorm des Völkerrechts. Wir teilen auch die Überzeugung, dass es eine prinzipielle politisch-moralische Pflicht gibt, vor aggressiver Gewalt nicht ohne Gegenwehr zurückzuweichen. Doch alles, was sich daraus ableiten lässt, hat Grenzen in anderen Geboten der politischen Ethik.
Zwei solche Grenzlinien sind nach unserer Überzeugung jetzt erreicht: Erstens das kategorische Verbot, ein manifestes Risiko der Eskalation dieses Krieges zu einem atomaren Konflikt in Kauf zu nehmen.
Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis.

Kann man anderer Meinung sein, kann man falsch finden. Aber verstanden haben und korrekt wiedergeben, das sollte man schon können. Stattdessen:

«Man reibt sich ob der irrlichternden Ikonen die Augen. Tritt hier ein kollektives Weltkriegstrauma hervor? Oder wirft der deutsche Idealismus mit Hegels finsterem Gesicht seinen Schatten?»

Irrlichternde Ikonen? Hegels finsterer Idealismus? Meiner Treu, Rafi, man sollte schon in seiner eigenen intellektuellen Liga spielen, sonst wird’s wirklich peinlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass Rafi offenbar kein Wort des Inhalts verstanden hat, noch viel weniger die Gedankengänge, Schlussfolgerungen und daraus abgeleiteten Forderungen. Stattdessen behauptet er: «Die Annahme jedoch, dass Putin am roten Knopf nur auf Deutschland schielt, ist wahlweise provinziell oder grössenwahnsinnig.» Tja, wer da die Wahl hat, hat die Qual.

Natürlich darf auch ein Ausflug in die Schweiz nicht fehlen, Stichwort rüde Rüpeleien aus der sogenannten «Helsinki Commission»: «Es ist am Bundesrat, weiteren Flurschaden zu vermeiden. Bislang aber warb das Siebnergremium seit Kriegsausbruch nur begrenzt für Vertrauen.»

Nun ist auch für kurze Gedankengänge der Platz eines SoBli-Editorials beschränkt, also muss sich Rafi sputen, zu Potte zu kommen: «Immerhin wagt sich die deutsche Bundesregierung langsam an die Führungsrolle heran, die der Potenz des Landes entsprechen würde: Berlin zeigt sich offen für entschiedeneren Support der ukrainischen Streitkräfte. Die Quittung: Olaf Scholz wurde an seiner 1.-Mai-Rede ausgebuht und niedergebrüllt. Die spinnen, die Deutschen. Und nicht nur die

Deutschlands «Führungsrolle»? Führung wie Führer? Super, Rafi. Wofür wurde nun Kanzler Scholz ausgebuht? Rafi sendet das Pausenzeichen. Die Deutschen spinnen? Welche denn? Die Unterzeichner des Briefs? Scholz? Die Buhrufer? Man weiss es nicht.

Aber immerhin, dem letzten Satzfragment kann man rückhaltlos zustimmen. Auch wenn «Die spinnen, die Römer» auch geklaut ist. «Nicht nur die», das zeugt hingegen von gut ausgeprägter Selbsterkenntnis. Hoffentlich.

 

 

 

4 KOMMENTARE
  1. Dave V.
    Dave V. says:

    Als der Trump gewählt wurde haben die Mainstream Medien wochenlang Panik geschürt und verkündet, der Trump könnte den roten Knopf drücken und mit den US Atomwaffen die Welt zugrunde richten. Damals habe ich gelacht.
    Jetzt haben wir eine wirklich reale Gefahr aber die Meinung der Journalisten hat gedreht. Plötzlich sehen sie keine Gefahr mehr durch Massenvernichtungswaffen. Obwohl dieselben Schreiberlinge Putin als Wahnsinnigen sehen. Wie geht das zusammen? Heute kann ich leider nicht mehr lachen, obwohl ich Putin nicht als wahnsinnigen sehe. Aber wer weiss schon was sein Kalkül ist und was er bereit ist zu tun, um die NATO zu bremsen?

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  2. René Küng
    René Küng says:

    Leider können wir uns den Anfängen (hab kein Latein studiert, Google sei Dank) gar nicht mehr erwehren.
    Das Niveau von stvtdtdt Chef-Reaktoren (diese Wort-Schöpfung ist von der mac-Uni vorgeschlagen, die scheinen sehr à jour zu sein, ferngesteuerte Red-aktoren als upgedatete Berufsbezeichnung) ist durch jahrelanges Auswahl- und Engerbildungs-Verfahren schon längst ins bodenlose gesunken.
    Inklusive Verlust von Anstand und andern ethischen Standards.

    Zum Glück schreibt Dr.Zeyer sowas noch schwarz auf weiss, per 0 und 1, damit es wenigstens noch in Rand-gezackten-Medien erscheint.
    Es hilft, nicht alles stumm, allein, unwidersprochen ertragen zu müssen.
    Sag noch einer, Globuli wirken nicht.

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  3. B. Walens
    B. Walens says:

    Die hetzerische Sprache dieser Blick-«Editorials», auch auffallend aggressiv seit Corona, erinnern einem an eine Gesinnung, die man als überwunden geglaubt hat. Dass die Redaktion nach Befehl handelt, was sie ihrer Leserschaft vorzusetzen hat, wissen wir ja mittlerweilen. Trotzdem fragt man sich, wie diese sogenannten Journalisten am Morgen noch in den Spiegel schauen können.

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  4. Leni
    Leni says:

    Wie gut, dass Sie nochmal aus dem offenen Brief zitiert haben!

    Da steht eindeutig: Wir verstehen Putins Handeln und seine Beweggründe, nur dass das im Text dann so heisst: „Wir teilen das Urteil über die russische Aggression als Bruch der Grundnorm des Völkerrechts.“

    Ausserdem lese ich da, dass den Unterzeichnenden nichts, aber auch gar nichts an der ukrainischen Zivilbevölkerung liegt. Steht ja da: „Die zweite Grenzlinie ist das Maß an Zerstörung und menschlichem Leid unter der ukrainischen Zivilbevölkerung. Selbst der berechtigte Widerstand gegen einen Aggressor steht dazu irgendwann in einem unerträglichen Missverhältnis.“

    Genau, und so Kleinigkeiten wie einen potentiellen Atomkrieg, das wollen wir mal nicht so ernst nehmen.
    Ausserdem: Wird Deutschland bombardiert (was zum Glück weit weg ist von den USA, aber das Szenario kennen wir ja schon aus dem Kalten Krieg), wird es die Schweiz sicher nicht betreffen, die sitzt ja bekanntlich unter einer schützenden Käseglocke.

    Ich finde es auch generell nicht in Ordnung, Zitate im Gesamtzusammenhang lesen und interpretieren zu wollen. Dann bekommen sie mitunter einen ganz anderen Sinn, und das kann niemand wollen! Das schreiben Sie doch auch nur, um mit ihrem Wissen als studierter Germanist angeben zu können.

    Aber es ist immer das Gleiche: Wir beide, Herr Zeyer, Sie und ich – und wer noch als „Co“ dazukommen sollte- wir motzen und kritisieren einfach mal so ins Blaue hinein, völlig unstringenD und undurchdacht. Es wird seine Gründe haben!
    Ich sage nur: principiis obsta! (und jetzt bitte nicht nach dem Ursprungstext und – zusammenhang suchen).

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