Dully Münger

Der dumpfe Auslandchef von Tamedia teilt gegen einen Bully aus.

Im Chor der mutigen Maulhelden fehlte noch ein Chef, dessen Aufgabe darin besteht, aus deutschen Texten die ß herauszuoperieren und durch ss zu ersetzen.

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Aber das hindert ihn nicht daran, eine eigene Meinung zu haben. Also die von (fast) allen Journalisten: «Gegen einen Bully wie Putin hilft nur Standhaftigkeit». Das nennt er «Einordnung zum Krieg».

Dabei offenbart Münger ein Jugendtrauma: «Es ist wie auf dem Pausenplatz, wenn ein Tyrann seine Mitschülerinnen und Mitschüler schikaniert, einschüchtert, bedroht und verprügelt. Solche Charaktere nennt man auf Neudeutsch Bully. Wladimir Putin ist ein Bully.»

Nun möchte er nachholen, was er sich vielleicht damals auf dem Pausenplatz nicht traute: «Man muss widersprechen, aufstehen und sich wehren.» Das sei nämlich, Mutti Merkel lässt grüssen, «alternativlos». Nun war’s deren Politik offenbar auch nicht, aber was kümmert das einen Münger.

Wo’s einen bösen Bully hat, braucht’s auch einen guten Helden: «Der ukrainische Präsident ist die Inspiration für den Widerstand. So wie Winston Churchill im Mai 1940.» Im Unterschied zu Churchill hat Selenskij zwar – wie man seit den Pandora-Papers weiss – ein paar nette Geldverstecke im Ausland, und dass ihm sein Wahlsieg von einem ukrainischen Oligarchen gekauft wurde, ist auch offenkundig.

Kolomoiskij, «PrivatBank», schwiemelige Geschäfte. Der ukrainische Oligarch musste sich ins Ausland zurückziehen und kehrte nach dem Wahlsieg von Selenskij wieder triumphal zurück.

Aber solche Details passen natürlich nicht zu Müngers Heldenepos. Der plädiert für eine möglichst starke militärische Unterstützung der Ukraine. Möglicher Atomkrieg? Pah, sagt der mutige Münger, «diese Gefahr besteht jedoch immer, wenn eine Nuklearmacht Krieg führt. So zum Beispiel auch im Vietnamkrieg, als die Sowjetunion und China die kommunistischen Kräfte im Kampf gegen die US-Truppen unterstützten».

Der sympathische American Bully.

Er bringt da etwas durcheinander, denn diese Gefahr bestand im Koreakrieg. Aber ist ja beides irgendwie Asien und weit weg. Wie gross ist denn dann die Gefahr in der Ukraine? Kein Problem, meint Atomstratege Münger,

«Waffenlieferungen an die Ukraine führen nicht einfach so zum Atomkrieg, sondern nur dann, wenn sich der Kreml zum Tabubruch entscheidet und eine Nuklearwaffe einsetzt.»

Da sind wir aber beruhigt. Münger will sich gerne in die «Marschrichtung» einreihen, die der US-Verteidigungsminister vorgebe: «Wir wollen Russland derart schwächen, dass es zu Dingen wie der Invasion in der Ukraine nicht mehr fähig ist.» Das ist nun an Fahrlässigkeit nicht zu überbieten. Sollte Russland tatsächlich so geschwächt werden, dass es, wie Obama schon höhnte, nur mehr eine lokale Grossmacht wäre, welche Reaktion eines Putin kann man sich vorstellen? Wie viele Müngers braucht es zur Antwort?

Am Schluss widmet er sich dann noch dem Naheliegenden, was könnte denn die Schweiz tun? «Traditionell bietet die Schweiz ihre Guten Dienste als Vermittlerin an. Aber offenbar ist nicht die Saison dafür: Zu einseitig sind Schuld, Verbrechen und Verantwortung verteilt in diesem Krieg.»

Gute Dienste sind also saisonabhängig; bei trübem Regenwetter finden sie nicht statt, nur dann, wenn Schuld und Verantwortung nicht einseitig verteilt sind. Wobei, Afghanistan, Iran, gerade auch Vietnam, fanden da nicht Verhandlungen in der Schweiz statt? Die im Fall der Ukraine in der Türkei stattfinden, weil die Schweiz ihre Neutralität geritzt hat?

Aber auch solche Kleinigkeiten müssen übersehen werden, wenn es darum geht, einem «Bully» gegenüberzutreten. Wie bedauerlich, dass das Münger in seiner Jugend nicht gelang. Dann wäre uns dieser Kommentar erspart geblieben.

 

 

 

 

 

10 KOMMENTARE
  1. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Apropos «Gute Dienste»: Gerade mit Blick auf die genannten Krisenherde zeigt sich ja, welche enorm wichtigen und erfolgreichen Dienste die Schweiz zur Konflikteindämmung beitragen konnte. Nicht wahr? 🙂

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  2. Adrian Venetz
    Adrian Venetz says:

    Die Gefahr eines Einsatzes von Atomwaffen war im Vietnamkrieg sehr wohl ein Thema, wenn auch nicht ganz so offenkundig wie andernorts.

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  3. Gottfried Grunewald
    Gottfried Grunewald says:

    Es gibt schon Parallelen Selenskyi zu Churchill. Letzterer hatte auch einen spendablen Patenonkel im Rücken, der ihn vor dem Totalbankrott gerettet.

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  4. René Küng
    René Küng says:

    Es gibt auch im zackbum Publikum genug verbal-bullies, die gerne grosse Töne in die Tasten hauen. Sich selber aber – mit PR-resistenter Klarsicht – sofort in Sicherheit impfen und Gift in alle Richtungen spritzen, die zum nachdenken anregen.
    Das lässt sich auf alle Arten von ‹Impfungen› interpretieren, geimpft mit Geld, geimpft mit den ‹good guys› Ideologien, geimpft mit gutschweizerischer Überheblichkeit, total-immunisiert durch grenzenlose Heuchelei aus der Komfortzone unserer Luxusleben.
    Füdlibürger universalis.
    Zeyer ist kein Kostverächter, dem Angenehmen nicht abhold, aber er nutzt unseren Speckgürtel auch dazu, dort zu denken, schreiben, hin zu weisen, wo es unbequem ist, weh tut, unser eigenes Tun in Frage stellt.
    Hat noch die Eier und Klarsicht zu unangenehmen Wahrheiten,
    wo sonst nur unterwürfige Sosse, das Anrühren der dreckigen Brühe der wahren bu$$ies dieser Welt ist.

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  5. Tim Meier
    Tim Meier says:

    Dieser Auslandchef scheint ein paar gröbere Lücken im Fach Geschichte zu haben. Auch zum Thema «Pausenplatz» ist er in seiner Jugend stehen geblieben oder hat keinen Nachwuchs im Primarschulalter.. Bei Zoff auf dem Pausenplatz gibt’s für den Bully einen Termin bei der Schulsozialarbeiterin. Wenn das nicht hilft, greift die KIS – Kriseninterventionsstelle – ein. Time-Out ist angesagt. «Standhaftigkeit» hat im woken Zeitalter keinen Stellenwert mehr und wird auch nicht benötigt. Jedes Problem wird von irgend einer Stelle wegadministriert.
    Man kann davon ausgehen, dass im wilden Osten noch andere Sitten und Gebräuche herrschen.

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    • Leni
      Leni says:

      Da haben Sie jetzt aber, glaube ich, etwas durcheinandergebracht. Den Termin bei der Schulsozialarbeit erhält in der Regel immer das Opfer. Denn es muss ja einen Grund dafür geben, warum es gemobbt wird.

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  6. Jürg Streuli
    Jürg Streuli says:

    Der sympathische Christof Münger ist beim Tagi so ähnlich wie ein Chefbeamter beim Staat. Er hat keine Arbeit und wird trotzdem bei hohem Salär durchgefüttert. Die Titulierung von Münger als „Auslandchef“ macht den Mann vollends zur Witzfigur. Weil der einst stolze Tagi die gesamten Auslandnachrichten ohne eigene Denkleistung hirnlos aus Deutschland importiert. Doch jetzt ist für Münger mit dem Ukraine-Konflikt die ersehnte Gelegenheit gekommen, sich vor dem lieben Pietro Supino in den Staub zu werfen und ihm seine absolute Ergebenheit kundzutun, indem Münger dem Tagi-Kurs gegen Russland stets noch faktenfrei den Gipfel draufsattelt. Hoffen wir das Christof mit diesen Kniefällen beim Tagi auch weiterhin „Auslandchef“ bleiben darf.

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  7. Gerold Ott
    Gerold Ott says:

    Die aufständischen Vietcong wurden von China und der Sowjetunion unterstützt, allerdings nur mit Waffen und Militärberatern. Der 20 Jahre lang dauernde Vietnamkrieg wurde daher auch als „Stellvertreterkrieg“ bezeichnet: Eigentlich gehörte er zum Kalten Krieg zwischen der damaligen Sowjetunion und den USA.

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    • Ludwig Detusch
      Ludwig Detusch says:

      Weitere Informationen zur Unterstützung (Nord-)Vietnams durch die rivalisierenden kommunistischen Bruderstaaten Sowjetunion und China finden sich unter https://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg#Verb%C3%BCndete_Staaten – ob China einer Eroberung Nordvietnams durch die USA tatenlos zugesehen hätte ist nicht anzunehmen. Letztlich war Nordvietnam aber überhaupt nie in Gefahr und die USA versuchten lediglich (erfolglos), die ihnen genehme faktische Militärdiktatur in Südvietnam zu stützen.

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  8. Didier Venzago
    Didier Venzago says:

    Hoppla, der einsame Putinversteher gegen den journalistischen Maulheld vom Media-Mainstream. Da glühen die auf beiden Seiten die Keyboard-Tasten vor Empörung…

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