Wumms: Holger Alich

Mal sensibel, mal grob. Wirtschaftsjournalist Alich kann beides.

Im Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten setzte sich Holger Alich wortstark für eine diskriminierungsfreie Sprache und eine Förderung von weiblichen Positionen ein. Der Unfug konnte verhindert werden.

Gnadenlos ist Alich allerdings, wenn es um sein Feindbild russische Oligarchen geht. Da forderte er schon kriegerisch: «Die Schweiz muss bei der Suche nach Oligarchengeldern nachrüsten».

Im besten deutschen Untertanengeist empfahl er zudem: «Die Schweiz sollte sich daher die USA zum Vorbild nehmen.»

Hoffentlich tut sie das nicht, denn wir möchten hier schon weiterhin rechtsstaatliche Prinzipien verwenden, keine Wildwest-Justiz wie die Amis.

Nun hat sich Alich auf das Thema eingeschossen und legt nach:

«Die Schweiz kommt bei der Jagd nach Oligarchen-Geldern voran.»

Der Mann hat schon recht, Sprache kann sehr verräterisch sein.

Es wird gejagt, jeder Schuss ein toter Russ. Nein, so weit sind wir noch nicht, aber es gibt immerhin die Beschlagnahmung von 7,5 Milliarden Franken zu vermelden. Besser noch: «Mittlerweile tauschen sich die Schweizer Behörden bei der Jagd nach Oligarchen-Geldern auch mit einer Fachstelle der EU aus.»

Die «Jagd» ist überall eröffnet. Deutschland vermeldet eine Beute von schlappen 95 Millionen Euro, England hingegen satte 500 Milliarden Pfund. Die Banque de France habe gleich mal «22 Milliarden Euro Vermögen gesperrt, welche der russischen Zentralbank gehörten».

Und das Vorbild USA? «Zahlen, wie viele Bankvermögen oder Immobilien in den USA selbst gesperrt sind, gibt es bislang dagegen keine.» Dafür konnte Spanien auf Verlangen der Amis eine Jacht von Viktor Vekselberg beschlagnahmen.

Es wird also gejagt, geplündert und beschlagnahmt. Sogar Gelder der russischen Notenbank, die nun zweifellos kein Oligarch ist. Vekselberg hingegen ist ein reicher Russe. Ist seine Jacht nun auf einmal kriminell geworden? Bestünde die Gefahr, dass sie bei der russischen Invasion in der Ukraine eingesetzt wird? Gibt es irgendwelche Verdachtsmomente gegen all die betroffenen Personen? Waren deren Gelder schon immer krimineller Herkunft? Und wenn ja, wieso hat man das in den vergangenen 30 Jahren, seit sie meistens in den Wirren nach dem Zusammenbruch der UdSSR erworben wurden, nicht gemerkt?

Wie kann heute etwas illegal sein, was bis gestern legal war? Sicher, Einzelfälle können übersehen werden, aber nun gilt die Jagt allen Personen, die zwei Eigenschaften haben: reich und russisch.

Die «Süddeutsche Zeitung» kümmert sich für Tamedia um die grossen Zusammenhänge und erklärt den Staatsbankrott Russlands als demnächst bevorstehend. Alich kümmert sich um den Rest und bejubelt die Jagd auf reiche Russen. Hinter der Bezahlschranke. Gibt es wirklich noch Leser, die der Jagd von Tamedia auf ihr Geld erliegen?

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